Auf der Straße und in sozialen Netzwerken

Neue salafistische Gruppe im Raum Offenbach aktiv

Offenbach/Wiesbaden - „Wacht auf“ nennt sich eine neue salafistische Gruppe, die laut Verfassungsschutz im Raum Offenbach aktiv ist. Ihr Ziel: Missionierungsarbeit.

Eine salafistisch orientierte Gruppierung mit dem Titel „Wacht auf“ ist nach Darstellung des Verfassungsschutzes seit einiger Zeit im Raum Offenbach und in den sozialen Netzwerken aktiv. Primäres Ziel des Projekts sei die salafistische Missionierungsarbeit, berichtete ein Sprecher des Verfassungsschutzes heute in Wiesbaden.

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Zielgruppe der Bewegung seien nach eigener Darstellung „Muslime, die weiter weg von der Religion sind“. Die Gruppe habe Bezüge zur salafistischen Koranverteilaktion „LIES!“. Anhänger von „Wacht auf“ verteilten salafistische Propagandamaterialien und hielten Vorträge und Ansprachen. Anschließend verbreiten sie Videos und Berichte von diesen Aktionen im Internet.

Auch „Lies“ ist am Wochenende fast ständig in Fußgängerzonen unterwegs und verteilt oft kostenlos Korane; in Frankfurt und Offenbach, aber auch in Hanau, Neu-Isenburg, Langen oder Dietzenbach. „Die klare Zielgruppe sind Jugendliche“, sagt der Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz, Marcus Gerngroß, über die hessische „Lies!“-Kampagne. Ziel der Koranverteilaktion sei es, „Anhänger für den Salafismus zu rekrutieren und damit diese Form des religiös motivierten Extremismus in Deutschland weiter zu verbreiten“. Organisatoren seien die hessischen Anhänger des in Nordrhein-Westfalen ansässigen Missionierungsnetzwerks „Die Wahre Religion“.

Die Koran-Verteiler seien in der Regel ausgesprochen freundlich und fürsorglich zu den jungen Männern. Zielgruppe seien 14- bis 25-Jährige. Die meisten hätten muslimische Wurzeln, ohne besonders gläubig zu sein. Viele hätten Probleme zu Hause und stammten aus der kleinkriminellen Szene. Mit der Koran-Verteilung stärkten die Salafisten das Gemeinschaftsgefühl der neu angeworbenen Mitglieder und bänden diese zugleich in erste Aktivitäten ein. „Der Zulauf ist erschreckend hoch. Das ist mittlerweile eine Jugendszene, die sich hier etabliert“, sagt Trusheim.

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Die Radikalisierung bekämen zunächst die Eltern und der Freundeskreis zu spüren, weil sie missioniert würden. Die Jugendlichen und jungen Männer fingen auch an, sich anders zu kleiden: 7/8-Hose, Kaftan und Gebetsmütze. „Sie geben Frauen nicht mehr die Hand, lehnen sich in der Schule gegen Lehrerinnen auf und separieren sich von denjenigen, die sich nicht bekehren lassen wollen“, so Trusheim.

In Hessen leben laut Verfassungsschutz etwa 1500 Salafisten. Mehr als 600 Islamisten sind dem Bundeskriminalamt zufolge aus Deutschland in Richtung Syrien ausgereist, um dort an Kampfhandlungen teilzunehmen oder den Widerstand gegen das Assad-Regime zu unterstützen.

dpa

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