„Ein ärgerliches Ergebnis“

Neuerlicher Asbestfund an der Edith-Stein-Schule

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Sanierung und Modernisierung der ESS werden nach dem Asbestfund zeitlich vorgezogen.

Offenbach -  Paul-Gerhard Weiß nennt es „ärgerlich“. Der Schulderzernent will damit gar nicht den Nachweis von Asbest in der Edith-Stein-Schule verharmlosen. Ärgerlich, weil bereits 1987 eine rund 800.000 Euro teure Asbest-Sanierung notwendig war. Von Martin Kuhn

Jetzt also noch einmal, wobei alle Entwarnung geben: Es besteht keine akute und unmittelbare Gefahr für Schüler und Lehrer. Messverfahren, Richtlinien, Bewertungen – der Laie verliert sich schnell in den Termini. Der Oberbürgermeister bringt den neuerlichen Asbestfund auf den Punkt: „Sobald der erste Verdacht aufgetaucht ist, haben wir sorgfältig geprüft.“ Das mündet im Antrag an die Stadtverordneten. Die sollen umgehend rund 160.000 Euro für eine Steuerungsgruppe bereitstellen, die Sanierung und Schulerweiterung angeht. Denn den Verantwortlichen ist schnell klar geworden: Die Asbest-Beseitigung sollte einhergehen mit der ohnehin vorgesehenen und notwendigen Erweiterung und Modernisierung der Integrierten Gesamtschule. Das sollte am Gravenbruchweg frühestens 2021 starten. Nun wird’s eher. „Beginn innerhalb von drei Jahren“, gibt der OB den zeitlichen Rahmen vor. Zu den Summen wagt keiner der Verantwortlichen zum jetzigen Zeitpunkt eine Prognose. Nur: „Da kommen sicher noch einige Nullen hinzu.“ Legt der Betrachter die Fortschreibung des kommunalen Schulsanierungs-Programms vom November 2014 zu Grunde (Grobschätzung für die ESS: 10,75 Millionen Euro), dürften mit der Asbest-Beseitigung mindestens 16 Millionen Euro stehen.

Die „Herausforderung“ der neuerlichen Belastung mit Asbestfasern, die als krebserregend gelten, sieht Stadtrat Paul-Gerhard Weiß auch als Chance, „die beliebte Schule auf den aktuellen Stand für eine gute Pädagogik zu bringen“. Die Anerkennung und Wertschätzung nimmt ESS-Leiterin Iris Kamarowsky sicher gern entgegen, die mit etwa 70 Kollegen am Fuß der Rosenhöhe derzeit rund 800 Mädchen und Jungen unterrichtet. Wenn es demnächst an die „Wunschliste“ für das Raumkonzept geht, hat sie einige Punkte. Ganz oben dürften Fachräume für die Naturwissenschaften stehen, die in der Vergangenheit zu Klassenräumen umfunktioniert wurden, und eine Neustrukturierung der Cafeteria: „Wir platzen aus allen Nähten.“

Den Asbestnachweis bezeichnet Iris Kamarowsky für Schüler, Kollegium und Elternschaft als „sehr beunruhigend“. Sie appelliert bereits heute an die Verwaltung, alle Arbeiten „engmaschig zu kontrollieren“. Das wird Teil des Procederes sein, wobei Weiß sogar eine zeitweise Schulschließung nicht ausschließen möchte. Aber: Das ist alles Zukunftsmusik. Konkreter wird die Bauverwaltung zum erneuten Nachweis von Asbest an der Gesamtschule: Bei einer routinemäßigen Kontrolle im August 2014 stellt der TÜV Hessen erhebliche Mängel an einigen Brandschutzklappen fest. Ein erstes Sanierungskonzept wird im Folgemonat als mangelhaft erachtet. Gut sechs Monate später stellt ein Ingenieurbüro bei einer Besichtigung fest, „dass in der Edith-Stein-Schule asbesthaltige Brandschutzklappen-Typen verbaut sind“.

Bilder: Einschulung 2016 in Offenbach

Die in der Summe gut 140 Klappen sind Teil der Be- und Entlüftungsanlage, die in abgehängten Decken verborgen sind und bei Brand (mehr als 200º Grad) automatisch schließen, um das Übergreifen der Flammen zu verhindern. Heißt: reiner Gebäudeschutz, Schüler und Lehrer würden über Außentreppen in zehn Minuten evakuiert. Und auf den genannten Zwischendecken wurden im Sommer 2015 an drei Stellen Staubflusen entdeckt, „welche als eventuell asbesthaltig eingeschätzt wurden“. Vorsorglich wurde daraufhin auch die Raumluft untersucht. Ergebnis: Nur in einer einzigen Probe wurde eine Faser nachgewiesen; das entspricht 100 Fasern pro Kubikmeter Luft. Der Zielwert nach Asbestsanierung liegt nach heutigen Richtlinien bei unter 500.

Wurde demnach vor 30 Jahren gepfuscht. „Nein“, bekundet der Magistrat. Die Sanierung sei seinerzeit nach dem Stand der Technik erfolgt.

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