Neues Brandprüfzentrum des VDE-Instituts

Viel Rauch für eine EU-Norm

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Detlef Staemmler erklärt im neuen Brandprüfzentrum des VDE-Instituts das Verfahren zu Säureverhalten und Leitfähigkeit. In dem Labor werden die Kabel untersucht, um so eine Aussage über die Entstehung von Säuregasen zu treffen, die im Brandfall zu Schädigungen führen können.

Offenbach - Laptop setzt Sofa in Brand - das Feuer in einer Wohnung an der Buddenstraße in der Nacht zu Dienstag hätte durch die Arbeit des VDE-Instituts wahrscheinlich nicht verhindert werden können. Von Steffen Müller 

In dem neuen Brandprüfzentrum des Zertifizierungsinstituts an der Merianstraße werden nämlich keine Ladekabel oder Akkus für Smartphones oder Laptops geprüft, sondern Stromleitungen, die deutlich mehr Energie transportieren. Ein Feuer lodert im vier Meter hohen Ofen im neuen Brandprüfzentrum des VDE-Instituts. Wärmefreisetzung heißt das Verfahren, bei dem Kabel angezündet und auf ihre Brandsicherheit untersucht werden. Bei dem Test handelt es sich um eine Vorführung für die Gäste der Einweihungsfeier des neuen VDE-Baus. „Durch die Wärmefreisetzung wird das Brandverhalten der Kabel gemessen“, erläutert Detlef Staemmler, Teamleiter des Brandprüfzentrums. Und die Messungen, die Staemmler und seine fünf Mitarbeiter durchführen, haben einen großen Einfluss. Bestehen die Kabel den Test nicht, dürfen sie nicht verkauft werden. Das VDE-Prüfsiegel bestätigt, dass ein Produkt die EU-Norm erfüllt.

Und da die Europäische Union mit der Bauproduktenverordnung (BauPVO) seit April 2011 von Kabel-Herstellern noch höhere Brandschutzanforderung verlangt, gewinnen die Tests von Prüfinstituten wie VDE noch mehr an Bedeutung. „Die Nachfrage an Brennprüfungen nimmt immer weiter zu“, sagt Staemmler. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, hat VDE nun ordentlich aufgerüstet. Drei Millionen Euro hat das Prüf- und Zertifizierungsinstitut in den Neubau und in neue Gerätschaften investiert. Mit 530 Mitarbeitern ist Offenbach der größte Standort des weltweit agierenden Unternehmens, das unter anderem auch Batterien oder Chemikalien testet.

Vier Meter hoch sind die beiden Öfen, in denen Kabel verbrannt werden, um die Sicherheit zu testen. Fällt ein Kabel durch den Test, darf es nicht verkauft werden.

Im neuen Brandprüfzentrum werden ausschließlich Kabel analysiert. Hier können nun an einem Ort auf dem Gelände an der Merianstraße sämtliche Leitungen, die in Bauwerken, Elektro-Autos oder in Schienenfahrzeugen verlegt sind, auf ihre Brandschutzsicherheit getestet werden. Vorher mussten alle Prüfungen in verschiedenen Gebäuden auf dem Firmen-areal durchgeführt werden. Und die Prüfungen sind umfangreich. Bei der Wärmefreisetzung werden vier wichtige Aspekte getestet: Wie schnell brennt ein Kabel, wie ist die Trübung der Abgase, welche Inhaltsstoffe enthalten die Abgase und wie viele brennende Stücke des Kabels fallen herunter? Andere Gerätschaften messen den ph-Wert, um den Säuregehalt der Kabel zu bestimmen. In einer sogenannten Blackbox wird die Dichte des Rauchs bestimmt. Ist der Rauch zu dicht, fällt ein Kabel durch den Test, da die Feuerwehr sonst kaum eine Chance hat, sich in einem brennenden Gebäude zu orientieren.

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Rund 20 Minuten dauert so ein Test, bei dem selbst viel Rauch entsteht. Sorgen um die Umwelt müssen sich die Offenbacher aber nicht machen. „Die Luft aus unserem Schornstein ist sehr sauber“, versichert Staemmler. In dem 33 Meter hohen Schlot seien diverse Filter eingebaut, die sämtliche Rußpartikel auffangen. Doch nicht nur in puncto Umweltschutz bringe das neue Brandprüfzentrum viele Vorteile, sagt VDE-Geschäftsführer Wolfgang Niedziella. „Wir können nun schneller arbeiten und Prozesse und Abläufe optimieren. Unsere Arbeit wird deutlich effizienter.“

Nur die Gefahr von Laptop-Bränden können die neuen Geräte beim VDE-Institut nicht minimieren. „Bei der Verordnung zu Ladekabeln sind die EU-Verordnungen noch nicht so streng“, erklärt Staemmler.

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