Gotteshaus mindestens ein Monat geschlossen

Neues Dach für Schlosskirche

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Ja, es ist kein aktuelles Bild der Schlosskirche. Das üppige Grün der Bäume verhindert derzeit einen Blick auf das Bauwerk, dessen Dach dringend repariert werden muss. Geschätzte Kosten: 700.000 Euro. Die Gemeinde selbst muss nahezu 140.000 Euro stemmen.

Rumpenheim - In die Amtszeit von Pfarrer Nisaeus fiel der Neubau der heutigen Schlosskirche. Das dauerte fünf Jahre ab 1756 und kostete 8203 Gulden. Von Martin Kuhn 

Zwar müssen Kirsten Lippek und Ute Seibert kein neues Gotteshaus errichten, in ihrer Amtszeit steht allerdings eine kostenintensive Sanierung an: 700.000 Euro kostet ein neues Dach. Ab 1. August wird die Rumpenheimer Kirche eingerüstet. Die Protestanten finden unter anderem in der Kirche Heilig Geist Unterschlupf: „Das ist gut für die Ökumene“, blicken die Pfarrerinnen voraus. „Das Dach ist kaputt“, lautet der lapidare Titel im aktuellen Gemeindebrief. Aber so einfach ist das nicht – zumal in einem Gotteshaus. Wobei die evangelischen Christen keinen Sakralraum kennen. „Gottesdienst ist da, wo wir feiern“, betont Kirsten Lippek. Mithin sieht sie in der dringend notwendigen Reparatur auch eine Chance für die Gemeinde und den Ort. „Wir hoffen, dass wir nicht nur unsere Gemeindeglieder für unsere Kirche begeistern können“, sagt Ute Seibert.

Sicher haben viele Rumpenheimer eine eigene Verbindung zu dem kleinen Gotteshaus, das in der idyllischen Umgebung des Schlossparks steht: Taufe, Hochzeit, Abendmahl, Musik, Kunst oder auch nur das Glockenspiel.  Das registrieren die Pfarrerinnen und Gemeindevorstand Martin Gegenwart bereits durch eine „große Spendenbereitschaft“.

Sie möchten jedoch erreichen, dass in ganz Rumpenheim ein Gefühl für das Gotteshaus wächst. Es soll ein Stück Heimat vermitteln – im besten Sinne. Damit das zusammenwächst, gibt es bereits Vorstellungen: „Kunst in der Baustelle, Musik in der Baustelle..., da ist einiges möglich“, glaubt Seibert. Ideen und Eifer sind durchaus verständlich, wenn man auf die Kosten schaut. Veranschlagt sind gut 700.000 Euro. Der Kirchengemeindeverband Offenbach trägt zirka 550.000 Euro, die Landeskirche gewährt als Darlehen 50.000 Euro. Heißt: Die Rumpenheimer selbst haben etwa 140.000 Euro zu stemmen.

Die lokale Denkmaltopographie beschreibt die Kirche als „einfachen, rechteckigen, unverputzten Bruchsteinbau mit im Süden liegendem dreiseitigen Chorabschluss“. Die heute geschätzte ruhige Lage im Park ist dem ehemaligen Adel geschuldet: „Die durch den Schlossbau bedingte Verlagerung des Dorfes um die heutige Breite Straße erklärt den abseitigen Standort.“

Die (denkmal-)geschützte Bausubstanz hat ihren Preis. Die nun notwendige Sanierung hat ihren Ursprung in einer runtergefallenen Schieferschindel des Kirchturms. Als eine Spezialfirma (Hebebühne, Abseilen) nachschaut, entdeckt sie feuchte Stellen. „Und wenn man schon mal dabei ist, schaut man richtig nach“, erinnert sich Kerstin Lippek. Das ernüchternde Ergebnis: Die Dachbalken – etwa 60 mal 30 Zentimeter – haben an mehreren Stellen einen Schwamm. „Diese müssen herausgeschnitten und ersetzt werden. Wenn man die dicken Eichenbalken sieht, kann man sich kaum vorstellen, wie das gehen kann“, gibt sie zu.

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Das erfordert einige Vorarbeiten: Ab kommenden Montag wird die Kirche außen und innen eingerüstet. Der Bau wird für einen Monat gesperrt, ein Teil des Parks sowie eine Seite der Schlossgartenstraße wohl länger. „Vermutlich wird das Dach auch auf der Ostseite abgedeckt, denn nur so kommt man an die Dachbalken heran“, lautet die Prognose im Gemeindebrief. Und die neuen Schindeln müssen von gleicher Qualität sein wie die alten.

Aufwändig wird’s zudem aufgrund einer baulichen Besonderheit. Es müssen genau die Balken erneuert werden, an denen die sichtbare Kirchendecke aufgehängt ist. Die Gefahr, dass die Decke dabei einbricht oder zumindest Risse bekommt, ist hoch.

Deshalb wird ein Innengerüst benötigt, das die Kosten nach oben treibt. Es trägt eine Art Schutzdecke, die herabfallende Teile auffängt. Heißt aber auch: Elektrik ausbessern, verputzen, streichen. Letzteres gilt auch für die Seitenwände, um ein einheitliches Bild zu erhalten. „Eines hängt eben am anderen“, wissen die maßgeblichen Personen mittlerweile. Bis Weihnachten soll alles fertig sein, hoffen sie. „Die Kirche von innen neu gestrichen und von außen wieder dicht – das wird ein Fest“, freut sich Pfarrerin Lippek bereits.

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