Stadt „zu konservativ“ vorgegangen

Noch mehr Wohnungsbau: FDP will Qualität statt Masse

Offenbach - In Offenbach sind nach Angaben des Regionalverbandes mit 3,5 Wohnungen pro 1000 Einwohner im Jahr 2015 deutlich weniger Wohnungen errichtet worden als im Durchschnitt des Rhein-Main Gebiets.

Nach Auffassung des FDP-Fraktionsvorsitzenden Oliver Stirböck rächt sich jetzt, dass die Stadt jahrzehntelang bei der Ausweisung neuer Wohngebiete „zu konservativ“ vorgegangen sei. Um die Wohnungsnachfrage befriedigen zu können, aber auch um die Mieten wenigstens einigermaßen stabil zu halten, benötige es in der ganzen Region, aber auch in Offenbach eine Wohnungsbauoffensive. „Neue gezielt entwickelte Wohngebiete vor allem in den Stadtteilen gehören genauso dazu wie eine sorgsame Nachverdichtung vor allem in zentralen Quartieren“, meint Stirböck. Deshalb sei es richtig, dass die neue Koalition beschleunigt Baurecht für die Bürgel Nord-West, Bürgel Süd und das im Flächennutzungsplan dargestellte Gebiet Bieber-Waldhof II in die Wege leiten will.

Stirböck weiß, dass es sowohl gegen neue Wohngebiete in Stadtteilen als auch gegen Nachverdichtungen kritische Stimmen gibt. Für Offenbach sei beides aber nicht nur Risiko, sondern vor allem eine Chance, um ein besseres Stadtimage, aber auch eine andere Sozialstruktur zu erreichen. „Trotz neuer Luxuswohnungen am Main, kann insgesamt von der als Gentrifizierung beklagten Verdrängung sozial Schwächerer in den letzten zehn Jahren nicht die Rede sein. Im Gegenteil, ein nicht unwesentlicher Teil des Bevölkerungszuwachses beruht auf Armutseinwanderung aus Osteuropa“, so Stirböck. Deshalb sei es von besonderer Bedeutung, bei den neu zu entwickelnden Flächen auf Qualität und nicht nur auf Masse zu achten.

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Sorge macht dem Freidemokraten die geringe Verweildauer von Neubürgern sowie die Gefahr, dass für manche Offenbach nur Schlafstadt von Frankfurt sei. „Die Identifikation mit Offenbach zu erhöhen, ist unsere Bringschuld. Dazu bedarf es auch einer höheren Aufenthaltsqualität in der City, einer Stärkung des Einzelhandels, geeigneter Veranstaltungskonzepte, attraktiver Schulen und attraktiver Freizeitangebote“, listet Stirböck auf. Dies zeige, neue Einwohner brächten trotz möglicher Einkommenssteuereinnahmen kurzfristig kein Geld, sie kosteten eher Geld. Aber nur mit einem qualitativen Wachstum habe Offenbach die Chance, aus der Krise herauszuwachsen. mad

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