Mit oder ohne Guckloch

Von außen kennt man die Pornokinos. Aber was spielt sich drinnen ab?
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Von außen kennt man die Pornokinos. Aber was spielt sich drinnen ab?

Offenbach - Pornokinos sind eklig, schmuddelig und nichts für Frauen? Auch unsere Volontärin Kathrin Rosendorff war noch nie drin. Jetzt traute sie sich. Pornokino. Eine Mutprobe.

Lektion 1: Es gibt kein Popcorn im Pornokino

 „Wollen Sie vielleicht ein Bier?“, fragt der Herr mit den grauen Haaren und der Metallbrille, der hinter der Kasse steht. Er steht zwischen Dildos in allen Größen und Farben. Gute Geschäftsidee, denke ich. Denn erst muss man durch den Sexshop, bevor es runter ins Pornokino geht. „Nein“, winke ich ab. Ich will es einfach schnell hinter mich bringen. Meine Horrorvisionen von klebrigen Sitzen und sabbernden Männern verfolgen mich schon seit Tagen. Wenn ich noch lange hier stehe, mache ich gleich einen Rückzieher.

Lektion 2: Pornokino fängt nicht erst nachts an

Es ist Freitagmittag. Während andere in ihre Stulle beißen, bin ich unweit des Offenbacher Marktplatzes im Pornokino. Und das nicht allein. „Ja, klar ist mittags schon einiges los hier“, versichert mir ein Mitarbeiter. An der Tür klebt ein Poster mit den Öffnungszeiten. Bereits ab acht Uhr morgens können die Kunden ihrer „Leidenschaft“ nachgehen...

Mit Schweißhänden laufe ich meinem Kollegen hinterher, der mich zum Schutz begleitet, die Treppe runter. In Internetforen habe ich nämlich gelesen, dass Frauen, die allein ein Pornokino betreten, in der Regel als sexsuchend gelten. Ein aufgemalter schwarzer Pfeil mit den Worten „Sex in the City“ weist den Weg nach unten. Als wir im dämmrigen Flur ankommen, spielen sie Boyz II Men, „End Of The Road“. Kuschelmusik im Pornokino – das ist irgendwie lustig.

Lektion 3: Pornofilme törnen wirklich nur Männer an

Das Licht ist so schummrig, dass ich aufpassen muss, nicht die Orientierung zu verlieren. In den vielen Gängen sind kleine Kabinen mit Filmchen mit dem einen sich wiederholenden Plot, nur die Protagonisten ändern sich: Omas in Netzstrümpfen, schwarze Männer, ein Pärchen, zwei Pärchen, ein Polizist mit Handschellen. Ruckartige Bewegungen in Nahaufnahme und viele, viele Spritzer mitten in Frauengesichter. Das soll antörnen? Ich finde es abstoßend. Nicht so die Männer, die gebannt, viele im Stehen, zuschauen. Vor den Monitoren stehen schwarze Sofas zum Relaxen... In der ersten offenen Kabine, an der ich vorbei laufe, hält ein Herr in der einen Hand eine Flasche Bier. Die andere ist tief unter seinem Mantel vergraben. Schnell weiter.

Lektion 4: Kleenex und Klopapier gehören in jedes Pornokino

Auf kleinen Holztischchen sind Kleenex und Klopapierrollen schon griffbereit aufgestellt. Auch ein paar Geld-Spielautomaten finden sich im Gang. Für die Verschnaufpause zwischendurch? Da steht aber keiner dran...

Lektion 5: Auch süße Männer gehen ins Pornokino

Nicht nur Männer mit schmierigen Gelfrisuren und einem schiefen Lächeln, die man ohnehin erwartet, laufen von Monitor zu Monitor. Ein junger Typ, den ich auf der Straße vielleicht sogar süß gefunden hätte, lächelt mich an. Schnell weiter. Ich flüchte erstmal in den Pärchen-Kino-Raum. Dafür braucht man einen Code, den nur Pärchen kriegen. Es gibt zwei, einen Raucher- und einen Nichtraucherraum. Verrückt. Einer mit, der andere ohne Guckloch nach außen. „Je nachdem, ob man will, dass einer beim Liebesspiel zuschaut“, klärt mich der Mitarbeiter auf. Obwohl es nicht eklig riecht (wie ich dachte) und mir der Angestellte erzählt, dass alle anderthalb Stunden geputzt wird, mag ich mich nicht auf die schwarze Ledercouch setzen. Die Gedanken an das, was dort vielleicht vor einer halben Stunde passiert ist, sind zu stark. Die rote Lichterkette und die grüne Topfpflanze versprühen auch nicht gerade Erotik. Durch das Guckloch sehe ich die Hand eines Mannes in erwartender Sitzposition. Sorry, der Herr, aber hier gibt es keinen Live-Porno zu sehen.

Lektion 6: Sex gibt es auch vor der Leinwand

Im großen Kinosaal kann ich nicht lange verweilen. Eigentlich will ich ja nur beobachten, aber die Männer, die in den Gängen zwischen den Filmen umherlaufen, haben mich entdeckt. Ich als einzige Frau, das bedeutet Beute. Sie starren mich erwartungsvoll an und nähern sich mir bedrohlich. „Viele Frauen kommen hierher und ziehen sich um, laufen nur noch mit Dessous und High Heels umher und nehmen sich dann einen Typ gleich auf den Kinositz“, erzählt mir der Mitarbeiter. Ich ziehe meinen Mantelgürtel enger.

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Ich will nur noch eins, raus. Zu aufdringlich sind die Männerblicke, zu viele Kleenex-Boxen und Klopapierrollen habe ich gesehen. Vor mir verlässt ein schnieker Herr mit Cordhose und rosa Einstecktuch das Etablissement. Kaum aus der Tür raus, klappt er sein Handy auf. „Ja, Schatz, um sieben Uhr Essen. Liebe dich.“

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