Öffentlicher Austausch erwünscht

HfG steckt Ziele und Grenzen des Neubaus im Hafenviertel ab

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Der Neubau der Hochschule für Gestaltung (Nummer 11 auf diesem Plan) grenzt im Osten an das Wohnbauprojekt Marina Gardens und liegt in direkter Nachbarschaft zu wichtigen Standorten der Kreativwirtschaft im Nordend.

Offenbach - Eine neue Hochschule für Gestaltung am Hafen soll zukunftsträchtig werden. Wie das gehen soll, diskutieren seit letztem Jahr Arbeitsgruppen des sogenannten Zukunftslabors. Von Julia Radgen 

Bei dessen Symposium gab es einen Vorgeschmack darauf, was sich die HfG von ihrem neuen Gebäude erhofft. Beim Versuch, das Fenster in der Aula der Hochschule zu schließen, löst sich der Griff des Fensterhebels und fällt klappernd ab. „Da sieht man’s, wir brauchen einen Neubau“, überspielt die Lärmverursacherin das Malheur lachend. Doch langsam wird es ernst für die Hochschulgemeinde in Umzug zum Hafen: Der Architektenwettbewerb für den 2025 geplanten Neubau steht im kommenden Jahr bevor und wird durch die HfG vorbereitet. „Das ist nicht die Aufgabe des Architekten, sondern unsere“, betont Hochschul-Präsident Bernd Kracke beim Symposium des „Zukunftslabors“. Seit Ende letztes Jahres beschäftigen sich Lehrende, Studenten und Mitarbeiter der HfG in Arbeitsgruppen mit Ideen für den Neubau am Hafen, für den das Land vergangenen Oktober 100 Millionen Euro aus dem Hochschulprogramm Heureka bewilligt hat.

Kracke und Organisator, Stiftungsprofessor Kai Vöckler.

Präsident Kracke wünscht sich die neue HfG als Kunsthochschule des 21. Jahrhunderts – so auch der Titel des Symposiums. Weil das alte Hauptgebäude aus dem Jahr 1913 trotz Anbauten und der Nutzung des Isenburger Schlosses nicht mehr ausreiche, wird der Neubau am Hafen vor allem größer. „Wir können dann gut 5500 Quadratmeter mehr Fläche nutzen“, sagt Kracke. Insgesamt sollen 13.500 Quadratmeter zur Verfügung stellen. Bei der neuen Raumplanung will man aus der Vergangenheit lernen und besser planen. „Die Werkstätten sind im zweiten Obergeschoss, das ist unpraktisch“, skizziert der Präsident. Die Holzwerkstätten sind hingegen im Keller. „Der ist regelmäßig überschwemmt, dann treiben einem Holzstücke entgegen.“ Solche Nachteile sind der Historie des Baus geschuldet. Es sei nun einmal für eine „Technische Lehranstalt“ konzipiert worden. „Das merkt man an allen Ecken und Enden“, so Kracke.

Die treibenden Kräfte hinter dem Symposium, Präsident Bernd

Im Neubau sollen alle Werkstätten im Erdgeschoss unterkommen. Neben ihnen und den Ateliers denken die Kreativen auch an Räume, die schnell und einfach für unterschiedliche Vorhaben genutzt werden können. Die Zeit drängt: „Wir wollen so schnell wie möglich den Raumbedarf genehmigt bekommen“, sagt Kracke. Das sei wichtig für den Architektenwettbewerb. Die HfG muss zudem einige Vorgaben einhalten: Man dürfe nur 60 Prozent der Fläche bebauen, außerdem 25 Prozent Grünfläche nachbilden und ein Parkstück integrieren, was eine „Herausforderung sei“, sagt Kai Vöckler, Stiftungsprofessor für Kreativität im urbanen Kontext. „Ich könnte mir ein begrüntes Dach mit Blick auf die Skyline vorstellen“, sinniert Vöckler. Zudem müsse die Baukante eingehalten werden, die neue HfG muss exakt an die Grundstücksgrenze stoßen. „Davor braucht man sich nicht zu fürchten“, meint Vöckler und zeigt ein Beispiel aus Japan mit wuchtiger, aber gläserner Fassade. „Übrigens sind dort alle Professorenräume gläsern und einsehbar“, regt er scherzhaft an.

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Als weitere Inspiration, was sich die HfG von modernen Hochschulen abschauen kann, hat das Zukunftslabor externe Experten eingeladen, darunter Regina Bittner vom Bauhaus Dessau und Ulf Meyer und Christian Stoll, die zeigen, was sich Offenbach von modernen Kunsthochschulen in Asien, Europa und Amerika abschauen kann.

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Ernst Hubelis These von der Hochschule als eigener „Stadt in der Stadt“ ist eine wichtige Aufgabe für die Kunsthochschule, die aus dem Herzen der Stadt heraus in ein Neubaugebiet wandert. „Wir wollen einen Austausch mit der Stadtgesellschaft und müssen uns fragen, wie der gelingen kann“, sagt Vöckler. Das sei baulich durch öffentlich zugängliche Flächen, aber auch praktisch gemeint. Dazu gibt er zu bedenken, dass der Ausländeranteil im angrenzenden Nordend bei über 50 Prozent läge. „Wir haben es mit armen Stadtvierteln und vielen sozialschwachen Einwohnern zu tun.“ Andererseits sei die Dichte an Kreativwirtschaft hoch, sagt Vöckler und verweist auf Nachbarn wie Hafen 2 und Heyne-Fabrik.

Neben multifunktionalen Räumen und öffentlichem Austausch gibt es aber noch einen ganz bodenständigen Wunsch: „Es wäre nicht schlecht, wenn die Leute bei der neuen HfG sofort den Haupteingang fänden“, sagt Vöckler in Hinblick auf viele Besucher, die am Schlossplatz zunächst im Anbau in der Cafeteria landen.

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