„111 Gründe, Kickers Offenbach zu lieben“

Weil wir immer wieder aufstehen

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Grenzenlose Liebe: Der Block 2 ist sicher ein Grund, Kickers Offenbach zu lieben. Die beiden Autoren listen in ihrem Buch 110 weitere auf.

Offenbach - Regionalliga Südwest. Heute spielt der OFC in Neckarelz. Anpfiff ist um 14 Uhr. Ist das ein Grund, gut 120 Kilometer via B469 zu fahren, um seinen Lieblingsverein zu sehen? Vielleicht. Aber nicht für jeden. Von Martin Kuhn

Und er taucht garantiert nicht unter den 111 Gründen auf, Kickers Offenbach zu lieben, die Petra Hutschenreiter und Markus Horn zusammengetragen haben. Ihr Buch erscheint dieser Tage. Der Redakteur trifft Petra Hutschenreiter und Markus Horn stilecht. Nein, nicht am Bratwurststand in der Kurve. Sie sitzen im Markthaus, Wirt Eric (Münch) gilt als eingefleischter Fan. Auf dem Tisch: Apfelwein. Bereits im Blick: Stielrippchen mit Sauerkraut und Püree. Zuvor geht’s aber ums Buch (254 Seiten, 9,99 Euro), das der Berliner Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf am 15. Mai auf den Markt bringt. Seine erfolgreiche Reihe mit „Liebeserklärungen an den großartigsten Fußballverein der Welt“ wird ergänzt um Kickers Offenbach. Endlich. Wie kam’s zu der längst überfälligen Huldigung zwischen zwei Buchdeckeln?

Aufmerksam wurde der Berliner Verlag, der schon die Liebe zu gut 50 Fußballklubs von Bayer Leverkusen bis Rot-Weiss Essen, von Rapid Wien bis FC Liverpool beleuchten ließ, zunächst auf den Internet-Blog „Rot & Weiß“ von Markus Horn. Was der Offenbacher, seit 1973 Stammgast am Bieberer Berg, da ins Netz stellt, erweckt das Interesse und mündet in einer losen Anfrage: „Könnten Sie sich vorstellen...“ Natürlich! Aber nicht allein. Und wenn einer mitmacht, dann einer mit rot-weißem Herzen.

Alles zu Kickers Offenbach auf unserer OFC-Seite

Das hat garantiert Petra Hutschenreiter. Sie ist nach eigenem Bekunden OFC-Fan, seit sie denken kann. Und sie schreibt, seit sie lesen kann, „bislang aber nur in einem geschlossenen Forum“. Mit der Liebeserklärung an den allerbesten Verein der Welt wagt sie jetzt erstmals, das Geschriebene zu veröffentlichen. Und dazu der gemeinsame Zusatz von Hutschenreiter und Horn: „Es schmeichelt schon, wenn man direkt angesprochen wird.“

Dabei mussten sich die beiden ans starre Konzept von Schwarzkopf & Schwarzkopf halten. Es gilt allein das geschriebene Wort; Bilder oder Grafiken gibt es in dieser Reihe nicht. Und: Jede der 111 Begründungen muss mit der schönen Wendung „Weil...“ beginnen. Also: Weil wir dort stehen, wo andere sitzen. Weil wir als erster Verein zweimal hintereinander abgestiegen sind. Weil König Otto auch in Offenbach regierte. Hört sich simpel an. „Ist es auch“ sagt Markus Horn, der mit einem breiten Grinsen hinzufügt: „Bei drei, vier Apfelwein sind uns ganz schnell 60 Gründe eingefallen.“ „Ja, aber ab 90 tut’s weh“, schränkt Petra Hutschenreiter ein. Na ja, in die Haare bekommen haben sich die beiden bei der Vielschreiberei - avisiert waren 350.000 bis 450.000 Zeichen - nicht. „Ganz sicher?“, fragt die 49-Jährige lieber mal bei Markus Horn nach. Und beide fangen laut an zu lachen. Na, das verspricht immerhin 288 kurzweilige Seiten.

Kickers-Fans erstligareif

Weniger kurzweilig verläuft bekanntlich das dritte Regionalliga-Jahr der Kickers. Die beiden sehen aber auch das mit einem lachenden Auge. „Die Liga kommt zumindest den Allesfahrern entgegen“, findet Markus Horn. Aber nur was die gefahrenen Kilometer angeht. „Fußballerisch? Kein Thema!“, fügt die schreibende Mitstreiterin hinzu, die selbst als eingefleischter Kickers-Fan bei der Recherche einiges dazu gelernt hat.

Grundlage waren Jahrbücher, alte Erwin’s (legendäres OFC-Fanzine), die eine oder andere Fußnote. Aber nichts geht über den persönlichen Kontakt. So sind sie zu Zweit beim OFC-Fanclub Eppertshausen gewesen, der 1968 gegründet wurde – nach dem erstmaligen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga mit Rudi, Wimmer, Seppl Weilbächer, Herrmann Nuber, Roland Weida. „Da wurden wir nett empfangen und sogar zum Essen eingeladen. Da gab es eine totale Wertschätzung.“ Das erhoffen sich die beiden auch für ihr Buch, das ideal zu einer Aufstiegssaison gepasst hätte. „Das wäre schön, aber das schaffen wir nicht.“ Aber vielleicht sieht’s heute nach 240 Kilometern doch etwas freundlicher aus...

Das große OP-Quiz über die Offenbacher Kickers

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