Köhler-Transfer übernimmt

AWO feuert Busunternehmen Sonnenschein

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Das Busunternehmen wird ab August keine Behinderten mehr in die Werkstätten Hainbachtal fahren. Mit Köhler-Transfer übernimmt nach zehn Jahren ein Anbieter, der weniger kostet. Adieu, Sonnenschein: Die Werkstätten Hainbachtal haben den Fahrdienst aus Kostengründen an die Firma Köhler vergeben.

Offenbach - Das Busunternehmen wird ab August keine Behinderten mehr in die Werkstätten Hainbachtal fahren. Mit Köhler-Transfer übernimmt nach zehn Jahren ein Anbieter, der weniger kostet. Von Veronika Schade 

Rot statt orange: Ab August übernimmt das Transportunternehmen Köhler-Transfer den Fahrdienst für die behinderten Mitarbeiter der Werkstätten Hainbachtal. Den auf Offenbachs Straßen vertrauten Anblick der orange-blauen Kleinbusse der Firma Sonnenschein wird es somit nicht mehr geben. Die AWO hat nach fast zehn Jahren den Vertrag nicht verlängert. Laut Geschäftsführer Hans Jürgen Best hat man sich aus Kostengründen für Köhler entschieden. „Das ist für uns der günstigere Anbieter.“ Zu Unstimmigkeiten sei es aufgrund der Abrechnungsweise von Sonnenschein gekommen. Die Firma habe anhand der Zahl der eingesetzten Fahrzeuge abgerechnet und nicht anhand der beförderten Personen. „Das führte dazu, dass sie möglichst viele Busse auf die Straße gebracht haben, die aber oft nur halb besetzt waren“, sagt Best. Damit seien zusätzliche, vermeidbare, Kosten entstanden.

„In den letzten Jahren sind die Sprit- und Personalkosten extrem gestiegen“, erklärt Sonnenschein-Sprecherin Ursula Ertel. Das im Januar eingeführte Mindestlohngesetz habe die Kosten zusätzlich in die Höhe getrieben, der Auftrag im Hainbachtal sei mittlerweile gar defizitär geworden. „Eine Preisanpassung wurde vom Auftraggeber abgelehnt“, sagt Ertel. Zudem müsse bei der Gestaltung der Fahrtrouten Rücksicht auf die Besonderheiten der Fahrgäste genommen werden. „An deren Bedürfnissen zu sparen, entspricht nicht unserer Firmenphilosophie.“

Geringere Kosten bei Köhler

Mit Nachfolger Köhler, so Best, sei eine „Optimierung“ der Touren vereinbart worden, die aufgrund von weniger eingesetzten Fahrzeugen geringere Kosten verursache, für die zu befördernden Menschen jedoch keine Einschnitte mit sich bringe. 56 Touren fahren die Sonnenschein-Busse täglich zu verschiedenen Zeiten, befördern zirka 500 Werkstättenmitarbeiter aus Stadt und Kreis. 50 Fahrzeuge und rund 80 Fahrer sind derzeit im Einsatz.

Der Werkstätten-Geschäftsführer sieht keinen Zusammenhang mit der Einführung des Mindestlohns. Schließlich bezahle Köhler ihn auch – und biete trotzdem die besseren Konditionen. „Dass die Fahrer den Mindestlohn erhalten, ist uns sehr wichtig und eine gesetzliche Verpflichtung“, so Best. Einen Verlust des Zuverdienstes muss das Fahrpersonal, das sich vor allem aus Rentnern, Frührentnern und Hartz-IV-Empfängern rekrutiert, nicht fürchten. Ralf Köhler, Geschäftsführer des Nachfolgers, signalisiert Interesse an einer Weiterbeschäftigung. „Wir übernehmen sie mit Kusshand“, sagt er. Seine Firma benötige für den neuen Großauftrag nicht nur zusätzliche Fahrzeuge, sondern eben auch Mitarbeiter.

Die vertrauten Fahrer einzusetzen, erleichtere zudem den Behinderten, die sich oft mit Veränderungen schwer tun, den Übergang von den bisherigen orangenen VW-Bussen zu den roten Ford-Transit-Bussen. Im Kreis Offenbach ist Köhler-Transfer bereits als Fahrdienstleister für Schulen unterwegs. „Die Fahrer sind mit unseren behinderten Mitarbeitern vertraut, kennen sich mit den Touren aus“, plädiert Best für eine Übernahme. Sie seien bereits über die Option informiert worden. Kündigungen blieben bisher aus.

Spielfest für Schüler mit Behinderung

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Eine Ausschreibung hat es nicht gegeben. „Wir wandten uns direkt an Köhler, da andere Werkstätten ein positives Feedback gaben“, sagt Best. Ralf Köhler sieht es als Vorteil, dass sein Unternehmen in Frankfurt ansässig ist, während Sonnenschein seinen Hauptsitz in Wuppertal-Elberfeld hat: „Wir sind näher dran, können schneller handeln.“ Ansonsten seien die Unterschiede nicht groß: „Wir haben die gleiche Zielsetzung und Ausrichtung.“ Beide Firmen haben auch gemeinsam, dass sie wegen der Bezahlung ihrer Fahrer bereits in die Schlagzeilen geraten sind. Sie arbeiten mit geringfügig Beschäftigten zusammen, die sich damit etwas dazuverdienen.

Gegen Sonnenschein wurde 2010 wegen Verdacht des Lohnwuchers polizeilich ermittelt. Der Verband Baden-Württembergischer Omnibusunternehmer (WBO) warf Köhler-Transfer im Oktober 2014 vor, im Kreis Esslingen gegen das Mindestlohngesetz verstoßen zu haben. Köhler betont, in Offenbach möglichst viele Fahrer sozialversicherungspflichtig beschäftigen zu wollen. Auch versuche seine Firma, künftig einen festen Monatslohn zu zahlen, der sich aus dem Mittelwert der pro Jahr geleisteten Fahrtzeiten errechnet.

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