Pilotprojekt ab dem 31. Mai

Freie Fahrt für Radler in Fußgängerzone

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Das ist künftig in der Frankfurter 24 Stunden lang erlaubt: Fußgänger und Radler begegnen sich mit der notwendigen Rücksichtnahme aufeinander.

Offenbach - Radfahrer können ab 31. Mai die Offenbacher Fußgängerzone ganztägig befahren.

In einem zunächst auf ein Jahr angelegten Pilotversuch wird die Hochschule Erfurt Erfahrungen sammeln, Passanten und Verkehrsteilnehmer befragen und die Ergebnisse wissenschaftlich auswerten. Das Thema Sicherheit stehe dabei an erster Stelle, schickt die Stadt voraus. Erst nach dieser Testphase wolle man eine Entscheidung für oder gegen eine dauerhafte Freigabe treffen.

Derzeit dürfen Radfahrer in der Fußgängerzone nur außerhalb der Geschäftszeiten in den Abend- und Nachtstunden auf dem Sattel bleiben. Für viele Radfahrer sei die Fußgängerzone deshalb eine Barriere auf ihren innerstädtischen Wegen, ist der Eindruck im Rathaus. Die ganztägige Freigabe solle dazu beitragen, die Attraktivität der Offenbacher Innenstadt zu erhöhen: Der nicht-motorisierte Verkehr soll seine Ziele tagsüber besser erreichen können, die Kundenfrequenz auf Frankfurter oder Herrnstraße soll sich erhöhen, und insbesondere Schulkinder und ältere Radfahrer sollen auf den neuen Strecken sicherer unterwegs sein.

Wichtigste Voraussetzung für eine Freigabe sei, dass mit keinem signifikant höheren Unfallrisiko in der Fußgängerzone gerechnet werden müsse. Diese Voraussetzung ist aus Sicht der Projektleitung und der Straßenverkehrsbehörde als erfüllt anzusehen, da in anderen Kommunen mit bereits freigegebener Fußgängerzone keine negativen Veränderungen des Unfallgeschehens nachgewiesen wurden. „Auch in Frankfurt sind in den stadtweit freigegebenen Fußgängerzonen nach Aussagen des Straßenverkehrsamtes keine Unfälle mit Verletzten bekannt, die speziell auf den Radverkehr zurückzuführen sind“, meint der Radverkehrsbeauftragte der Stadt, Rolf Schmidt.

Da die Maßnahme jedoch insbesondere von Passanten kritisch bewertet wird und auch ein Teil der Einzelhändler noch Vorbehalte äußert, will die Stadt Offenbach die Freigabe zunächst nur testen und von unabhängiger Seite bewerten lassen. „Weder die positiven Erwartungen noch die Befürchtungen lassen sich im Vorfeld ausreichend quantitativ prognostizieren“, so Schmidt. „Die einzige Möglichkeit, an dieser Stelle zu klareren Aussagen zu kommen, die mehr als nur Mutmaßungen oder Befürchtungen darstellen, ist ein objektiv begleiteter und bewerteter Pilotversuch.“

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Die Stadt hat deshalb beschlossen, an einer unabhängigen Evaluierung im Zuge eines bundesweiten Forschungsprojektes teilzunehmen. Hierzu nimmt die Fachhochschule Erfurt Mitte Mai eine zweiwöchige Befragung von Kunden und Passanten mit und ohne Fahrrad vor. Der wissenschaftlich begleitete Pilotversuch startet danach am 1. Juni und ist auf ein Jahr begrenzt. „Die Teilnahme an dem Forschungsprojekt ist eine gute Gelegenheit, sowohl eine unabhängige als auch umfassende Untersuchung zu diesem Thema zu erhalten, ohne selbst viel Geld für ein eigenes Gutachten ausgeben zu müssen“, sagt Oberbürgermeister Horst Schneider. Statt eines fünfstelligen Betrags wird nur eine Beteiligungspauschale von 5000 Euro fällig.

In Gesprächen mit der Industrie- und Handelskammer sowie den Einzelhandelsvertretern hat die Stadt bereits um eine Teilnahme an den Befragungen geworben, damit am Ende ein aussagekräftiges Ergebnis steht. Nach Abschluss des Feldversuchs im Jahr 2017 steht eine erneute Befragung an. Auf Basis eines Abschlussberichts können danach die Stadtverordneten über eine dauerhafte Regelung für die Offenbacher Fußgängerzone entscheiden.

Eine Informationskampagne wird während der Testphase über das richtige Verhalten der Verkehrsteilnehmer aufklären. So gilt für alle – Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer – Paragraph eins der Straßenverkehrsordnung: Gegenseitig Rücksicht zu üben und niemanden zu gefährden. Radfahrer wie Autofahrer müssen in der Fußgängerzone Schrittgeschwindigkeit fahren. Das heißt, dass sich alle an die Geschwindigkeit der Fußgänger anpassen müssen. Auch gilt es, einen ausreichend großen Abstand zu stehenden oder gehenden Personen einzuhalten. Das Ordnungsamt wird kontrollieren. - (tk/pso)

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