Problem-Parker in Wohngebieten

Immer Ärger mit den Brummis

Offenbach - Die Stadt lässt den Durchgangsverkehr von Lastkraftwagen ermitteln. In diesen Tagen werden die Fahrer befragt: Wohin? Wie oft? Auftraggeber? Die Erkenntnisse dienen als Grundlage für die Prüfung eines Durchfahrtverbots. Für viele kommt’s zu spät. Von Martin Kuhn 

Andere sagen gar: Brauchen wir nicht. Sie haben mit Brummis ganz andere Probleme. Es ist ein Beispiel von vielen, das Wohngebiet ist beliebig, der Ärger jedoch groß: Ein „verrosteter, uralter Lastwagen“ wird „halb auf dem Bürgersteig geparkt“ und lediglich an drei Tagen in der Woche bewegt. Was dort besonders aufregt: Falls es doch einmal so weit kommt, geschieht dies gegen 4.30 Uhr und mit einiger Vorbereitung: „Der Besitzer lässt den Motor etwa 15 Minuten laufen, bis das alte Ding fahrbereit ist.“ Was die Anwohner, die sich in einem Schreiben lediglich als „Nachbarn helfen Nachbarn“ bezeichnen, aber auf die Palme bringt: „Keinen interessiert es!“

Ein Einzelfall? Sicher nicht. Dass in Wohngebieten immer wieder große Lastwagen parken, ist beileibe kein typisches Offenbacher Phänomen. Es ist deutschlandweit zu beobachten. Die entscheidende Frage dabei. Ist das überhaupt erlaubt? Oder aber: Wo sind die Grenzen? Obwohl es eher schwer zu belegen und meist nur eine Vermutung ist, dürfte der Grund für den zunehmenden Ärger folgender sein: Firmen sparen (teure) Parkplätze und gestattet lieber ihren Mitarbeitern, die Fahrzeuge über Nacht mit nach Hause zu nehmen – und dort die Stellflächen zu belegen.

In besagtem Fall gehen die „Nachbarn“ allerdings weiter, schreiben ans 1. Revier, die Stadtpolizei, das Umweltamt und die Zeitung, belegen die Vergehen das Halters mit diversen Fotografien (etwa abgelaufener TÜV) und fordern auf: „Machen Sie sich selbst ein Bild.“ Eine schöne Vorlage, obwohl sich der Verfasser selbst nicht in die Schusslinie bringt: Das alles geht anonym an die diversen Adressaten.

Eigentlich schade. Denn so kann das Ordnungsamt nicht auf den Vorwurf der Untätigkeit direkt antworten. Was vermutlich den Betroffenen nicht schmecken dürfte: „Das betroffene Fahrzeug hat ein Gesamtgewicht von unter 7,5 Tonnen und darf zunächst in dem Gebiet parken“, sagt Pascal Becker. Der Sachgebietsleiter schränkt jedoch ein – „natürlich nicht auf dem Gehweg“. Zum Zeitpunkt der Kontrolle (Juli) sei die Hauptuntersuchung noch nicht abgelaufen gewesen.

Bilder: Lkw-Unfall am Offenbacher Kreuz

Für eine nicht aktuelle Umweltplakette erhielt der Besitzer eine Verwarnung in Höhe von 80 Euro. „Der Mangel ist tatsächlich bisher nicht beseitigt“, so Becker. Das Verfahren sei deshalb bereits beim Regierungspräsidium Kassel als Bußgeldverfahren anhängig. Alle weiteren Maßnahmen obliegen nicht mehr der Stadt Offenbach. Es folge eine „Mängelkarte“ wegen der jetzt abgelaufenen Hauptuntersuchung. Zudem werde geprüft, ob der Laster auf dem Gehweg parkt und „entsprechende Maßnahmen eingeleitet“.

Das „unnötige Laufenlassen“ eines Motors stelle eine Ordnungswidrigkeit da. Diese könne aber aufgrund der Dienstzeit der Stadtpolizei, die um Mitternacht ende, nicht überprüft werden. Da laut aktuellem Erlass für die Überwachung des ruhenden Verkehrs „die Ordnungsbehörden und die Polizeidienststellen des Landes gleichrangig zuständig sind“, genüge dort ein Anruf. Bleibt die Frage, ob sich die „Nachbarn“ künftig auch aus ihrer Deckung trauen.

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