„Trennverhalten muss besser werden“

Es landet noch zu viel Biomüll in der falschen Tonne

Offenbach - Der Zeitungsdienst Südwest hat Müllmengen verglichen, die bundesweit anfallen. Und stellt Offenbach ein schlechtes Zeugnis aus. 210,5 Kilo Haus- und Sperrmüll kloppt hier rein rechnerisch jeder jährlich in die Tonne. Platz 290 unter 393 Kommunen. „Unqualifiziert“, entgegnet der ESO, wohlwissend, dass das Trennverhalten besser sein könnte. Von Martin Kuhn 

Designer von Koziol entwickelten den Vorsortierbehälter BiOTONi in verschiedenen Trendfarben für die „Aktion Biotonne“.

„Lassen Sie uns über Abfall reden“, lädt Christian Loose ein. Der Vize-Chef des Eigenbetriebs ESO spricht ausführlich. Über Abfallmengen, Gebührensatzung, Verwertungsbilanz, Kreislaufwirtschaftsgesetz. Er tut das, ohne die „Abfallwirklichkeit“ zu verkennen. Die macht er an einem Beispiel fest: „Der Eisbergsalat in der Folie, der im Kühlschrank tagelang gammelt, sich bräunlich verfärbt und eine üble Lache hinterlässt – wie entsorgen Sie den?“ Antwort: „Im Restmüll.“ „Richtig“, sagt Loose. „Und das wollen wir auch niemandem verwehren. Das würde keiner trennen.“ Obwohl es nicht korrekt ist. Eigentlich gehört die ehemals schützende Plastikfolie in die gelbe und der Salat in die braune Tonne. Und genau da ist man an dem Punkt, warum Offenbach aktuell nicht so toll im bundesweiten Ranking abschneidet. Während andere Städte und Kreise schon seit Jahren Biomüll sammeln, ist’s hier noch immer Neuland, weil erst seit April 2014 verpflichtend.

Die Qualität des Biomülls in Offenbach ist zwar gut, aber die Menge zu gering. So lässt sich die Bilanz weiterhin zusammenfassen. Bevor die Biotonne eingeführt wurde, hatte der ESO Offenbachs Restmüll untersuchen lassen. Ergebnis: Etwa die Hälfte dessen, was in grauen Tonnen landete, entsprach biogener Masse, die über die Vergärung reichlich Energie liefern könnte. Bei 22.000 Tonnen Restmüll, wären also etwa 10.000 Tonnen verwertbar. Als realistisches Ziel visierten die Experten 5000 Tonnen an. 2015 waren’s nur 3258 Tonnen. Ziel verfehlt.

Daher ist Loose bewusst: „Das Trennverhalten muss besser werden.“ Und da greift wieder besagtes Beispiel. Offensichtlich widerstrebt es weiterhin vielen, Fleisch- und Fischabfälle sowie Speisereste in die Biotonne zu werfen. Aber genau das sind hochwertige Energieträger. „Was für eine Verschwendung“, dachten sich auch Umweltministerium und große Städte wie Frankfurt und Offenbach und starteten die Hessische Initiative für mehr Küchenabfälle in die Biotonne.

Rhein-Main: Hier liegt der Müll am Straßenrand

Mit lokalen Unternehmen wie Koziol, Rewe oder Papieragentur Rodenbacher entwickelten sie eine landesweite Kampagne, die für die Biotonne wirbt. Wichtigste Botschaft: Der schmutzigste Abfall in der Küche darf nicht in das liebste Entsorgungsinstrument der Menschen – die Plastiktüte. Erst recht nicht, wenn Bioabfall - wie in Offenbach - nicht kompostiert wird, sondern in der Vergärungsanlage Wicker landet.

Der Verwerter dort ist jedenfalls zufrieden mit dem, was aus Offenbach kommt. „Wir haben kein Reklamations-, sondern ein Mengenproblem“, sagt Loose. Mit Abfallberatung und Führungen wollen ESO und Stadt das ändern - bereits im Kitaalter. Hört sich gut an, aber warum eckt das Zeitungsdienst-Ergebnis, das durchaus korrekte Zahlen ausweist, so an? „Weil etwa die Einwohnerzahl zu niedrig ist, Nicht der jüngste Zensus ist richtig, sondern das, was das Meldeamt liefert - und das sind gut 10 000 Leute mehr...“

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