„Das geht mit uns nicht“

CDU und FDP lehnen sofortige Wilhelmsplatz-Sperrung ab

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Eine mögliche Sperrung für Autos am Wilhelmsplatz sorgt für Diskussionen. FDP und CDU sprechen sich gegen den Vorschlag von Oberbürgermeister Schneider aus.

Offenbach - Der Wilhelmsplatz gilt als einer der schönsten Orte der Stadt. Entsprechend emotional sind die Diskussionen um Veränderungen – man denke nur an die Umgestaltung. Jetzt hat die Redaktion die Verkehrsproblematik rund um den Platz thematisiert. Neben Bürgern positionieren sich auch bereits die Parteien.

Trauriger Anlass für den Diskurs: Vor wenigen Tagen ist am Wilhelmsplatz ein Junge angefahren worden. In Folge brachte der Oberbürgermeister eine Teilsperrung ins Gespräch - nach gründlicher Prüfung. Die CDU plädiert dafür, die Angelegenheit sachlich fundiert und mit Besonnenheit zu betrachten. „Auch wir sehen die Meldungen über Unfälle und ähnliche Vorkommnisse dort mit Besorgnis. Wir wollen aber aufgrund einzelner Vorfälle keine Schnellschüsse, wie sie Horst Schneider aktuell propagiert“, heißt es. „Vielmehr sind Ursachen der Vorfälle und auch mögliche Konsequenzen näher zu untersuchen.“

Eine sofortige Sperrung der Straßen rund um den Wilhelmplatz lehnt die Union ab. „Als kurzfristige Alternative sehen wir zunächst eine bessere Überwachung der Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs. Eventuelle bauliche Maßnahmen, etwa Gummischwellen auf den Fahrbahnen oder Beschilderungen, müssen auf ihre Wirksamkeit und Umsetzbarkeit geprüft und dann gegebenenfalls auch kurzfristig umgesetzt werden“, sagt Stadtverordneter Dominik Mangelmann.

Dabei sieht er das in Zusammenhang mit dem geplanten Umbau des Marktplatzes und möglichen neuen Verkehrsströmen, der aufgrund der neuen Mehrheiten im Stadtparlament ganz anders ausfallen könnte wie ursprünglich geplant (Kappung der Nord-Süd-Tangente). Mangelmann: „Noch in diesem Jahr wird - verbunden mit einer notwendigen Analyse der Verkehrsflüsse und einer gesamtstädtischen Verkehrsplanung - Konkretes zum Marktplatz und seiner Umgebung zur Diskussion vorgelegt.“ Dann könnten Hauseigentümer, Wirte, Marktbeschicker und Anwohner ihre Gedanken einbringen.“ Eine politische Vorfestlegung wird es mit uns nicht geben“, betont der CDU-Politiker.

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Klar, dass Koalitionspartner FDP wenig abweicht. Die Liberalen sprechen sich gegen die „fixe Idee von Oberbürgermeister Horst Schneider“ aus, den Wilhelmsplatz für Autos zu sperren. „Das geht mit uns nicht“, sagt der Stadtverordnete Dominik Schwagereit. Er erinnert daran, dass die Umgestaltung des Wilhelmsplatzes auf Basis eines Konzeptes erfolgte, das die Befahrung des Platzes an seinen Rändern vorsieht und Parken auch für die Gäste der Gastronomie zu Marktzeiten auf einem Drittel des Platzes und in der sonstigen Zeit auf der Hälfte des Platzes vorsieht. „Wäre ein autofreier Wilhelmsplatz gewünscht gewesen, hätte dies Auswirkungen auf die Platzgestaltung mit sich gebracht“, so Schwagereit. Vielleicht hätte man für diesen Fall dem Gedanken eines untertunnelten Platzes nach Wiesbadener Vorbild nähertreten müssen. Der Liberale wundert sich über die Sprunghaftigkeit des Oberbürgermeisters: „Eben noch wollte er als Planungsdezernent die Waldstraße für den Autoverkehr sperren, jetzt ist der Wilhelmsplatz dran. Das klingt nicht nach einer Politik mit Plan.“

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Was hilft gegen Raser am Wilhelmsplatz?
Straßensperrung und versenkbare Poller für Anlieger.
44.62%
Bodenschwellen oder Blumenkübel reichen völlig.
39.84%
Blitzer müssen her!
9.16%
Wer rasen will, rast. Da helfen keine Gegenmaßnahmen.
6.37%

Der Vorschlag fundiere auf keiner seriösen, simulationsgestützten Analyse der innerstädtischen Verkehrsbeziehungen, sondern komme „erkennbar aus dem Bauch“. Auch in Zukunft müsse die Innenstadt für Autofahrer erreichbar bleiben. Der Verkehr rund um den Platz soll nach Vorstellung der FDP mit einfacheren Mitteln verlangsamt werden – wie zum Beispiel jüngst auf dem Parkplatz des Ringcenters geschehen.

Anders sieht das die Opposition. Zumindest die Linke positioniert sich bereits. „Jährlich grüßt das Murmeltier“, kommentiert Parlamentarier Markus Philippi die „öffentlichen Rituale“ zu Wilhelmsplatz und Autoverkehr. Sein Vorwurf: „An einer Lösung ist weder die alte noch neue Koalition in Offenbach interessiert, der vom Oberbürgermeister geäußerte Standpunkt ist ein Recycling der vergangenen Jahre.“

Akzeptabel seien nur Massnahmen noch in diesem Sommer, ein Abwarten bis zu einem beschlossenen Innenstadtkonzept - möglichst noch mit „Shared Space“ - bedeute eine Verschiebung in die 2020er Jahre. „Und eine ganze weitere Generation von rücksichtslosen Selbstdarstellern darf ungehindert weiter die Passanten gefährden“, so Philippi. Er fordert als Sofortmaßnahme mobile Blumenkübel, die den Auf- und Abbau des Wochenmarktes nicht behindern. (mk)

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