Predigten auch auf Deutsch

Rund 14 Prozent der Offenbacher sind Muslime

+
Die von der muslimischen Mehrheit nicht erkannte Ahmadiyya-Gemeinde besitzt im Industriegebiet am Boschweg diese architektonisch typischste Moschee in Offenbach – modern, aber mit Kuppel und Minarett.

Offenbach - Sie nennen sich „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands“ und betonen ihre Angst vor Überfremdung. Von Zahlen ist diese nicht gedeckt.

Unter den 80 Millionen Einwohnern Deutschlands bekennen sich etwa 4,5 Millionen zum muslimischen Glauben. Das sind keine sechs Prozent. 14 Prozent sind es in Offenbach, wo mehr als jeder Zweite zugewandert ist, als Ausländer geboren wurde oder mindestens ein nichtdeutsches Elternteil hat. Nach Stadt-Schätzungen sind zirka 17.000 der 120.000 Offenbacher Muslime. Das Internet-Portal „Moschee-Suche“ listet für Offenbach acht von nahezu doppelt so vielen Gebetsräumen auf und schätzt, das wichtige Freitagsgebet werde in der Stadt von durchschnittlich 2300 Menschen wahrgenommen.

Keine Gruppierung unterstützt Salafismus

Abdelkader Rafoud, der Vorsitzende des Ausländerbeirats, hält dies für realistisch. In 15 islamischen Gemeinden versammeln sich verschiedene Nationen. Der überwiegende Teil gehört der weltweit größten, der sunnitischen Glaubensrichtung an. Keine Gruppierung unterstützt offiziell den Salafismus. (Junge Anhänger der extremen Strömung, die vor einer Moschee ARD-Reporter und deren Kamerateam bei Dreh- und Recherchearbeiten angegriffen hatten, stehen ab 12. Februar vor Gericht.) Von der islamischen Mehrheit nicht anerkannt sind Aleviten und Ahmadiyyah.

Gepredigt wird generell in der Heimatsprache, auf Türkisch, Arabisch, Urdu, Bengalisch, Bosnisch. Rafoud, selbst marokkanischer Herkunft, weiß von einer Tendenz, Ansprachen ins Deutsche zu übersetzen: Oft seien junge Muslime mit der Sprachen ihrer Eltern nicht richtig vertraut. Kontakte zur Stadt sind institutionalisiert. An Felix Schwenkes „Islamischem Runden Tisch“ sitzen alle Moscheevereine. Man trifft sich zweimal im Jahr und bei Bedarf. So gab es eine gemeinsame Erklärung gegen Gewalt und Intoleranz, nachdem in Offenbach der Rabbiner von jungen Muslimen angepöbelt worden war.

(pk/tk)

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion