Ein Weg zur Ganztagsschule

Sechs Grundschulen erhalten Mittel aus „Pakt für den Nachmittag“

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Kultusminister Alexander Lorz, Bürgermeister Peter Schneider und Stadtrat Paul-Gerhatrd Weiß unterzeichneten gestern die Kooperationsvereinbarung. Kern ist für sechs Offenbacher Grundschulen ein verlässliches und integriertes Bildungs- und Betreuungsangebot von 7.30 bis 17 Uhr.

Offenbach - Ein integriertes Kooperationsmodell für Bildungs- und Betreuungsangebote an Grundschulen und Grundstufen von Förderschulen greift nun auch in Offenbach: der „Pakt für den Nachmittag“. Von Harald H. Richter 

Eine Vereinbarung darüber wurde gestern zwischen dem Land und der Stadt geschlossen. Alexander Lorz offenbart sich als Anhänger des britischen Agenten 007. So erklärt sich die besondere Freude des hessischen Kultusministers darüber, dass die Viertklässler der Eichendorffschule ihn mit dem James-Bond-Thema musikalisch begrüßen. Der Gast aus Wiesbaden ist aber nicht nur der Musik wegen, die an der innerstädtischen Bildungsstätte hohen Stellenwert genießt, nach Offenbach gekommen. Der eigentliche Anlass seiner Visite besteht darin, mit Bürgermeister Peter Schneider und Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß den „Pakt für den Nachmittag“ zu unterzeichnen. Die Vereinbarung zwischen Land und Stadt befruchtet den Ausbau der Ganztagesangebote an sechs Grundschulen. Neben der Eichendorff- profitieren Goethe-, Hafen-, Mathilden-, Beethoven- und Grundschule Buchhügel. Zu diesem Zweck erhalten sie vom nächsten Unterrichtsjahr an Mittel aus einem Förderprogramm, wodurch zusätzliches pädagogisches Personal bezahlt und notwendige Sachmittel finanziert werden können.

„In einer sich verändernden Gesellschaft nehmen wir die Herausforderung an, um dem Wunsch vieler Erwerbstätiger Eltern für ein bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf gerecht zu werden“, sagt Lorz und spricht von einer gemeinsamen Angebotspalette. „Mit diesem Pakt entwickeln wir die ganztägig arbeitende Schule aus einer Hand weiter und tun das mit einem zuverlässigen und qualitativ hochwertigen Konzept.“

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Es verdränge keine bestehenden Angebote, sondern ergänze vorhandene Strukturen und sorge für eine engere Verzahnung. Der Minister spielt auf das bereits etablierte Ganztagsklassenmodell des Eigenbetriebs Kindertagesstätten an. „Durch unsere Landesbeteiligung kann es weiter ausgebaut und personell hochwertig ausgestattet werden“, ist Lorz überzeugt. Seine Einschätzung teilt Bürgermeister Peter Schneider. Er hebt ebenso wie der seit voriger Woche im Amt befindliche Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß die Qualität der Ganztagsarbeit an den Schulen hervor. „Mit dem Pakt für den Nachmittag können wir zum Wohl der Kinder einen großen Schritt nach vorn tun.“ Einig sind sich die Politiker allerdings, dass weitere Schritte folgen müssen. Und auch dieser Hinweis darf nicht fehlen: „Wir haben trotz angespannter Haushaltslage mit dem Ganztagsklassenmodell schon seit Jahren ein bewährtes Angebot.“

Kern der Vereinbarung, die anschließend im Beisein der kommissarischen Schulleiterin Alma Obradovac und ihrer Amtskollegen der anderen beteiligten Schulen unterzeichnet wird, ist ein verlässliches und integriertes Bildungs- und Betreuungsangebot von 7.30 bis 17 Uhr. Das Land leistet seinen Beitrag rechnerisch an fünf Tagen in der Woche bis zum frühen Nachmittag, die Stadt Offenbach als Schulträger für den verbleibenden Zeitraum sowie – das ist eine Besonderheit – während der Ferien. Ein weiteres Merkmal des Modells Offenbach: Eltern können in freier Entscheidung ihre Kinder für vier Jahre Grundschule in ein System gebundener Ganztagsklassen einwählen. Die Lehrkräfte an den Grundschulen sowie das pädagogische Fachpersonal des EKO, der das Ganztagsklassenmodell trägt, arbeiten Hand in Hand, übernehmen die Verantwortung zur Gestaltung eines kompletten Schultags.

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Eine solche Verzahnung von Jugendhilfe in Hort und Schule hatte man zunächst nur an der Eichendorffschule gestartet. Dort werden aktuell rund 420 Mädchen und Jungen aus verschiedenen Nationen und Kulturkreisen unterrichtet. Inzwischen ist diese Verknüpfung an den anderen Grundschulen ebenfalls erfolgt. Durch den nun geschlossenen Pakt erfährt die Betreuung eine weitere Aufwertung.

Der „Pakt für den Nachmittag“ begann im laufenden Schuljahr in sechs Pilotregionen. Offenbach hatte schon damals die Hoffnung gehegt, in das Programm aufgenommen zu werden. Das gelang aber nicht. Nach den Sommerferien startet es in zehn weiteren Regionen durch, nun auch in der Stadt Offenbach. Am Tag zuvor hatte der Minister bereits eine ähnliche Vereinbarung mit dem Kreis Offenbach geschlossen. Innerhalb von fünf Jahren sollen für alle Grundschulen, die es wünschen, gemeinsame Ganztagesangebote von Land und Kommunen eingerichtet werden.

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