Aus „New Yorker“ wird „Tedi“

Ein-Euro-Kette in bester Innenstadtlage

Aus New Yorker in der Hausnummer 6 wird bald ein Tedi – wie in der westlichen Frankfurter Straße. Fotos: Kirstein

Offenbach - Die Haunsnummer 6 ist eines der positiv auffälligen modernen Gebäude der Frankfurter Straße. Der „Glaspalast“ füllt seit Ende 2001 eine kurzzeitige Baulücke, die der Abriss eines heruntergekommenen Jahrhundertwende-Baus hinterlassen hatte. Von Thomas Kirstein

Kurz nach Fertigstellung adelte die Architektenkammer das Projekt durch Aufnahme in den „Tag der Architektur 2002“. Seit zehn Jahren bietet dort die Kette New Yorker ihre erschwingliche Junge-Leute-Mode an. Das ändert sich ab Ende Februar und zwar nicht zu etwas Besserem. Die Qualitäts-Tendenz zeigt objektiv betrachtet nach unten: New Yorker geht, Tedi (das „e“ als Euro-Zeichen geschrieben) kommt. Eine bundesweit bereits mit 1500 Filialen vertretene Ein-Euro-Kette etabliert sich in Offenbachs bester Lage. Auch optisch sind Befürchtungen angebracht: Wie wenig dezent eine Tedi-Front gestaltet ist, lässt sich in der westlichen Frankfurter jenseits der Kreuzung mit der Kaiserstraße vorbesichtigen.

Warum sie ihren Offenbacher Mietvertrag nicht verlängert, mag die Deutschland-Zentrale von New Yorker nicht verraten. Kilian Bumiller, der Frankfurter Eigentümer der Immobilie, versichert, dass er auch eine andere Nachfolge bevorzugt hätte. Aber trotz Einschaltung führender Makler sei kein Textilanbieter für die 860 Quadratmeter auf zwei Ebenen zu finden gewesen. „Tedi ist der Mieter, den wir gefunden haben, daraus mag jeder seine Schlüsse ziehen“, sagt er. Und Alternativen seien nicht daran gescheitert, dass sein Unternehmen zu viel verlangt habe. Die Nicht-Verlängerung des Mietvertrags kam aus seiner Sicht auch zum falschen Zeitpunkt: Derzeit werde „eine unheimliche Zahl von Händlern“ vom örtlichen Flächenwachstum absorbiert. In erster Linie meint Bumiller das Kaufhaus KOMM. Wer sich dort niederlasse, fehle „in natürlichen Lagen“.

Textilbranche im Umbruch

Für den Immobilienbesitzer kommt hinzu, dass sich die Textilbranche im Umbruch befindet. Ketten im preisgünstigen Segment von New Yorker sehen sich von vielen Seiten aus Druck ausgesetzt: Von unten durch preisaggressive Billigstanbieter wie Primark, von oben durch die edleren und teureren Anbieter, von überall durch den Internet. Bleiben Einkaufsmeilen wie der Offenbacher also nur Tedi & Co?

„In höchstem Maße bedauerlich“, sagt Offenbachs Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger zu der Aussicht, dass an der Frankfurter Straße 6 „ein so gutes Haus an so prominenter Stelle so eine Nutzung erfährt“. In unmittelbarer Nähe der künftigen Tedi-Filiale befinden sich bereits etliche Niedrigstpreis-Häuser wie Woolworth oder Inferno. Diese hat einst in einem der schönsten Gründerzeit-Häuser der Einkaufsmeile einer Neckermann-Fundgrube folgen können, obwohl eine attraktive dänische Einrichtungskette interessiert war: Die Eigentümer wollten nicht mit Umbau-Investitionen in Vorleistung treten und dann eine höhere Miete kassieren, sondern bevorzugten, alles beim Alten zu lassen und sich bei den monatlichen Einnahmen zu bescheiden.

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Dem Eigentümer Bumiller hingegen attestiert Amberger, dass er sich nach Kräften um etwas Besseres bemüht habe. Allerdings sei das Objekt durch seinen Zuschnitt mit zwei verschachtelten Ebenen kein einfach vermarktbares. „Das passt zu 90 Prozent nicht ins Suchraster der Ketten, wenn die 1000 Quadratmeter ebenerdig wollen, machen sie keine Kompromisse“, sagt Amberger. Einige Modeanbieter spekulierten jedoch darauf, dass sich endlich etwas mit der wegen hemmender Spielhallen-Verträge leer stehenden Schwind-Passage tue. Die Aussichten seien nicht schlecht, sagt Amberger.

Kilian Bumiller hadert derweil keineswegs mit Offenbach. Im Herbst soll Baubeginn für sein Projekt gegenüber der Stadtkirche sein. Wo einst das Schachbrett war, plant er hochwertige, kompakte Stadt-Wohnungen.

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