Offenbacher Mainufer

Leben und erholen am Fluss

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Eine Pause im Grünen: Einst war der Main eine wichtige Handelsroute, mittlerweile hat sich das Ufer zu einer Naherholungslandschaft entwickelt. Im neuen Hafenviertel wird neben neuem Wohnraum aber auch Wert auf den Wirtschaftsstandort gelegt.

Offenbach - Seit über tausend Jahren leben die Menschen in Offenbach von und mit dem Main. Einst Hauptverkehrsader und Umschlagplatz für Handelswaren, hat sich der Mensch den Main als Lebensraum zurückerobert.

Neben neuem Wohn- und Wirtschaftsraum am Wasser bietet das Flussufer mittlerweile aber auch eine einzigartige Naherholungslandschaft. Welche Möglichkeiten das Leben am Fluss beispielsweise während der Sommerferien bietet, haben das Amt für Öffentlichkeitsarbeit und die Unternehmenskommunikation der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe (SOH) in der diesjährigen Ausgabe des Prospekts „Offenbach Main Zuhause“ herausgearbeitet. Es ist in den vergangenen Wochen an Offenbacher, Fechenheimer, Mühlheimer und Hanauer Haushalte verteilt worden. Familien etwa bietet die Uferpromenade zahlreiche Aufenthaltsmöglichkeiten, ohne Geld ausgeben zu müssen. Aber auch gastronomische Angebote vom Hafen 2 bis zur Eisdiele im Stadtteil Bürgel sind aufgelistet. Darüber hinaus wird auf das Kultur- und Sportangebot der Vereine auf Fechenheimer und Offenbacher Seite verwiesen.

Die Hafentreppe ist ein beliebter Ort zum Zusammenkommen. Rechts stehen die Wohnungen des neuen Viertels.

Der Prospekt wirft zunächst einen Blick in die Vergangenheit: Im 18. Jahrhundert schlugen die Wellen des Mains noch bis ans Isenburger Schloss. Die Herrnstraße endete an herrschaftlichen Maingärten, die bis zum Ufer reichten. Der junge Goethe, frisch verliebt in Lili Schönemann, beschrieb den Fluss fasziniert als eine sanft dahin fließende, lebhafte Welt der Flöße, Kähne und Schiffe. Ob Fischer, Färber oder Gerber, Kalk- oder Ziegelbrenner: Sie alle haben jahrhundertelang vom Main gelebt. Sein Wasser diente ihnen für Produktion und Transport. Der Fluss war die Lebensader der Stadt und ihr wirtschaftliches Rückgrat. An seinem Ufer wurde noch gebadet oder im Gartenlokal eingekehrt. Lange Jahre war der „Mainquai“ wichtiger Güterumschlagplatz. Und noch bis weit ins 20. Jahrhundert stillten große Gerbereibetriebe und Chemiewerke ihren Wasserbedarf aus dem Fluss.

Der Main war Schifffahrtsstraße und Landesgrenze, sein Wasser ebenso Lebens- und Produktionsmittel wie auch zerstörerische Flut, die bis in die Innenstadt drang. Der Deichbau Ende des 19. Jahrhunderts bot erstmals Schutz. Die neue Carl-Ulrich-Brücke verband das hessische Offenbach mit dem preußischen Fechenheim. Und die Anfang des 20. Jahrhunderts abgeschlossene Kanalisierung machte aus dem Main eine moderne Wasserstraße. Zeitgleich wurde der Offenbacher Hafen eröffnet.

Leserbilder: Sehenswerte Eindrücke des Hafens

Doch das Idyll der grünen Uferlandschaft war verschwunden. Isenburger Schloss und Metzlerscher Badetempel („Lili-Tempel“) waren jetzt weit weg von den Uferklippen gerückt. Hinter dem hohen Deich und der neuen Mainstraße geriet der Fluss aus der öffentlichen Wahrnehmung. Erst Ende des 20. Jahrhunderts besann sich die Stadt wieder auf ihren Main, erkannte das hohe Entwicklungspotenzial des Flussufers und seine Bedeutung für die urbane Lebensqualität. Viele Industriebetriebe sind zu dieser Zeit bereits geschlossen und auch der Hafen, dessen Lagertanks jahrzehntelang das westliche Mainufer prägten, liegt brach. An diesem Tiefpunkt wirtschaftlicher Strukturkrise und sozialen Umbruchs beginnen die Stadt Offenbach und ihre Stadtwerke Unternehmensgruppe, den Fluss wieder in den städtischen Raum und damit in das öffentliche Bewusstsein zurückzuholen. Den wichtigsten Impuls setzt dabei die Entwicklung des früher unzugänglichen Industriehafens zu einem neuen urbanen Viertel.

Erste attraktive Freiflächen wie die Hafentreppe laden samt Gastronomie zum Aufenthalt ein. Weitere werden schon bald folgen. Der Hafen markiert damit einen Wendepunkt der Stadtentwicklung hin zum Dienstleistungszentrum und zur Kreativstadt. Perspektivisch gilt das ebenfalls für das gesamte Mainufer. Die industrielle Nutzung ist Vergangenheit. Jetzt heißt es: Leben, Arbeiten und Entspannen am Fluss. Naherholung und Aufenthaltsqualität werden zu wichtigen Faktoren des schnell wachsenden Wohn- und Gewerbestandortes Offenbach. pso

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