Rudolf-Koch-Schüler diskutieren über gerechtere Wirtschaft

Plastikbälle als Impulsgeber

+
Die Rudolf-Koch-Schüler Caner Nefiz und Abbas Shah diskutierten mit Dorothee Holz, Dr. Andreas Hackethal und Tarek Al-Wazir (v.l.), wie Einkommen und Bildung gerechter werden können.

Offenbach - Wie geht eine gerechte Wirtschaft? Darüber diskutierten zwei Schüler aus dem PoWi-Leistungskurs der Rudolf-Koch-Schule (RKS) mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Medien.

Für die Austragung der Podiumsdiskussion hatte sich die RKS in einem Wettbewerb durchgesetzt. Veranstaltet wurde die Gesprächsrunde von den Radiosender hr-iNFO, der zusammen mit dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Goethe-Uni Frankfurt das Funkkolleg „Wirtschaft“ durchgeführt hatte und eine Schule für die Abschlussveranstaltung dieser Reihe suchte. Die PoWi-Leistungskurs- Lehrer Mirjam Durchholz und Christian Petrak, die die Schüler der Q2 im letzten halben Jahr auf die Themen vorbereitet hatten, bewarben sich als Austragungsort und bekamen den Zuschlag. Auf dem Podium waren vertreten der hessische Wirtschaftsminister, Tarek Al-Wazir, Dr. Andreas Hackethal, Wirtschaftsprofessor am House of Finance, Börsenjournalistin, Dorothee Holz sowie die zwei LK-Schüler Abbas Shah und Caner Nefiz. Moderiert wurde die eineinhalbstündige Veranstaltung von Dirk Wagner, landespolitischen Journalisten des hr.

Diskutiert wurde in drei Themenrunden. Dabei wurde nicht nur die beiden LK-Schüler auf dem Podium mit eingebunden, sondern auch ihre Klassenkameraden. Sie gaben vor jeder Diskussionsrunde in Form von Interviews Anfangsimpulse zu den darauffolgenden Themen. Die Schüler suchten einen kreativen Zugang zur Diskussion: Wem gelingt es, möglichst viele bunte Plastikbälle für sich zu ergattern und den anderen so auszustechen? Damit war der Zugang zum ersten Abschnitt der Diskussion eingeleitet, nämlich der Frage: Wie geht eine gerechte Verteilung?

„Wo ein Wille, ist auch ein Weg“, formuliert Caner Nefiz seine eigene Bildungserfahrung, allerdings schränkt er ein, dass nicht nur persönliche Stärken für Teilhabe an Bildungschancen ausschlaggebend seien, sondern auch Angebote des Staates, wie Ganztagsschulen, Hausaufgabenhilfe und Fachsprechstunden. Hier ergänzt Al-Wazir, dass der Staat gezielt eingreife, um Bildungschancen zu ermöglichen und zwar vor allem für Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Haushalten durch den sogenannten Sozialindex: Schulen, die viele Schüler aus sozial schwachen Familien unterrichten, profitierten von dieser Einrichtung – so auch die RKS.

Letztlich bleibt die Erkenntnis, dass trotz aller Bemühungen, soziale Schranken zu überwinden, immer noch überwiegt, dass der Zugang zu Bildung zwar für mehr Schüler möglich ist, allerdings ist nach wie vor festzustellen, dass schulischer Erfolg vom sozialen Hintergrund der Familien abhängt. Dies müsse und könne geändert werden: nämlich durch kostenlosen Nachmittagsunterricht. Im weiteren Verlauf der Diskussion wurden noch die Aspekte der Lohngerechtigkeit und die Erbschaftssteuer diskutiert. Auch hier hatten die Schüler verschiedene Impulse vorbereitet. Die Beteiligten stimmten mit den Aussagen von Prof. Hackethal überein, dass man die rein wirtschaftliche Sichtweise, die nach einem Marktwert fragt, trennen muss von der soziologisch-moralischen Frage der Gerechtigkeit. Im Idealfall lassen sich aber beide vereinigen.

Die Top 50 der begehrtesten Arbeitgeber der Welt

Die öffentliche politische Diskussion an der Rudolf-Koch-Schule hat den Wert ihres politischen Wissens der Schüler betont. Der praktische Anwendungsbezug in einer prominent besetzten Diskussionsrunde hat dazu geführt, dass sich die Schüler als politischer Teil der Gesellschaft fühlen konnten, teilte die Schule mit. Allerdings blieb die Kontroverse der Diskussion an manchen Stellen etwas auf der Strecke: Einigkeit herrschte zwar an der Stelle, dass der Staat umverteilen müsse. Dabei wurde jedoch nicht beantwortet, wie die enorme finanzielle Schieflage in der Gesellschaft angepackt werden soll, die jetzt schon besteht. Wenn in den nächsten zehn Jahren drei Billionen Euro vererbt werden, so Börsenjournalistin Holz, so stellt sich die Frage noch drängender. stm

Kommentare