Eine Nacht im Reich der Mitte

New-Century-Hotel: Kurztrip nach China

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Typisch China: Die Four Seasons Chamber bietet authentische Küche und Speisesäle. Schlichter sind dagegen die 223 Zimmer des New-Century-Hotels eingerichtet. Über besten Skyline-Blick verfügt nicht nur die Executive Suite. 

Offenbach - Fernost ist ganz nah. Am Kaiserlei genau genommen. Denn dort hat die chinesische Hotelkette New Century vor Kurzem ihr erstes Haus in Europa eröffnet. Unsere Redakteurin durfte probeschlafen und kam zu der Erkenntnis: Das Reich der Mitte liegt am Main, gleich hinter einer Drehtür. Von Sarah Neder

Die Kirschblüten auf dem Teppichläufer, die langhalsigen Vasen mit feinen blauen Pinselstrichen, der Mao-Kragen an den Uniformen des Personals: Hier flüstert alles ein bisschen Nihao. Hier, das ist Offenbachs neuestes Hotel, das New Century. Kaiserreich-Ambiente am Kaiserlei. Von außen steht da immer noch der gleiche graue Turm, der zuletzt der holländischen Kette Golden Tulip gehörte. Etwas aufpoliert zwar, keine Balkone mehr, neues Logo an der Stirn. Aber eben immer noch ein Betonriese mitten im Gewerbegebiet. Ganz anders drinnen: Edle Stoffe, hochwertige Einrichtung. Wer in die Drehtür tritt, reist nach China.

Und zwar ins wohlhabende China. Nicht in eine arme Arbeiterstadt. Das New Century ist auf kaiserlichen Luxus ausgelegt. Die Zimmer sind geräumig, mindestens 35 Quadratmeter groß. Je nach Budget können Gäste eine von vier Kategorien wählen: Standard, Komfort, Junior und Executive Suite. Der Preis pro Nacht beginnt bei 100 Euro.

Zimmer 1509 im 15. Stock. Komfort-Klasse. Erster Eindruck: viel moderner, als erwartet. Helles Holz, Bast und Stoffe in Naturtönen bestätigen so gar nicht das Klischee vom fernöstlichen Kitsch. Auch die Ausstattung entspricht dem Vier-Sterne-Plus-Maßstab der chinesischen Hotelkette: Dusche, Bett und Fernseher sind extrabreit. Genauso das einzige Fenster im Raum. Deckenhoch und bodentief gewährt es Panorama-Aussicht auf Frankfurts Wolkenkratzer. Hunger führt hinab ins East Side Restaurant. Der Speisesaal ist komplett verglast, so lassen sich mit Blick auf den Main regionale Spezialitäten wie Handkäs oder Grüne Soße genießen.

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Das Wagnis für Einheimische wartet ein Stockwerk drüber: In der Four Seasons Chamber gibt’s authentisches Asien auf den Teller. Fernab von gebratenen Nudeln und Frühlingsrollen. Für den Original-Geschmack hat die Hotelgruppe einen Chefkoch aus dem Reich der Mitte an den Main geholt. Was die Einrichtung betrifft, ist dort China am nächsten: Das Restaurant hat vier Privaträume, in jedem steht ein großer runder Tisch, an dem acht bis zehn Gäste Platz finden. Im kompletten Stockwerk dominieren dunkle Holzschnitzereien, Prunkporzellan, Teppiche in Kirschblüte. Dagegen wirkt das eigene Zimmer im 15. Stock fast minimalistisch. Kurze Regendusche, noch ein Blick aufs Skyline-Panorama, dann heißt es: Gute Nacht, New Century.

Wie sehr einem der Auswärts-Schlaf gefällt, entscheiden zwei Dinge: Die Matratze und das Frühstück. Erstere darf weder zu hart noch zu weich sein. Wie ein perfektes Ei. Ob man das lieber gekocht, pochiert, gebraten oder gerührt isst, fragen die Bedienungen im East Side Restaurant. Das Buffet dampft dort in drei Reihen. Zum Sortiment gehören deutsche Brötchen, englische Bohnen, eine riesige Auswahl an Marmeladen. Aber auch Leibspeisen aus Fernost, wie das Tausenjährige Ei: ein schwarzer, fermentierter Cholesterin-Klopps. Für die meisten Europäer eher Mutprobe als Genuss. Doch auch das gehört zu einer Reise nach China.

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