Prozess um Kickbox-Zwillinge: Zeuge will freiwillig gezahlt haben

Darmstadt/Offenbach - Freundschaftsdienst statt Erpressung? Im Prozess gegen eine mutmaßliche Schutzgeldbande aus Offenbach hat ein Zeuge vor dem Landgericht Darmstadt überraschend bestritten, von den vier Männern um die Kickbox-Zwillinge erpresst worden zu sein.

„Ich habe sie freiwillig unterstützt, weil sie meine Freunde sind und ich sie seit 15 Jahren kenne“, sagte der 40 Jahre alte Automatenaufsteller heute. Ein 35 Jahre alter Angeklagter hatte vor einigen Wochen ausgesagt, er und seine Komplizen aus Offenbach hätten vom dem Mann Geld verlangt und gedroht, ihn umzubringen. Die Drohung auf einem Friedhof bestritt der Zeuge jetzt aber vehement: „Ich war niemals auf einem Friedhof“, ließ der Mann über seinen Dolmetscher ausrichten. Er habe dem 35-Jährigen „mal 5000 bis 6000 Euro freiwillig“ gegeben. Die habe dieser zurückzahlen wollen - es aber noch nicht getan. „Ich habe das auch nicht weiter verfolgt, weil ich ihn ja auch schon lange kenne“, betonte der Automatenaufsteller.

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Auch die zwei Offenbacher Zwillingsbrüder, von denen einer der Hauptangeklagte in dem Verfahren ist, habe er freiwillig unterstützt: einmal mit 75 Euro und zweimal mit 400 Euro für eine Kampfsportgala. Außerdem habe er den Brüdern 15.000 Euro gegeben, damit sie ein Wettbüro eröffnen konnten. Das wollten sie zurückzahlen, wenn die Geschäfte gut liefen. 3000 Euro habe er erhalten, den Rest nicht, sagte er. „Die Geschäfte liefen wohl nicht.“

Der 34-jährige Hauptangeklagte und sein flüchtiger Zwillingsbruder sollen zusammen mit weiteren Männern vor allem von Offenbacher Kiosk- und Spielhallenbesitzern Schutzgeld erpresst haben. Außerdem sind im gleichen Verfahren noch drei Männer und eine Frau wegen Betruges angeklagt.

baw/dpa

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