„Ich habe schon gewusst, dass das böse ausgehen könnte“

In Rollstuhl geprügelt: Opfer Mark Herbert schildert Angriff

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Mark Herbert gefolgt von der Medien-Meute.

Offenbach/Darmstadt - Er sitzt nach brutalen Schlägen und Tritten im Rollstuhl: Im Prozess gegen seinen mutmaßlichen Angreifer hat heute Mark Herbert ausgesagt.

Ein Lebensbaum ziert den Nacken von Mark Herbert. Ergänzt wird das Tattoo von einem Datum: 25.08.2012. „Mein zweiter Geburtstag“, sagt der 27-Jährige. Seit diesem Tag ist nichts mehr wie zuvor. Herbert wird auf dem Aussichtsturmfest in Offenbach brutal zusammengeschlagen. Drei Halswirbel brechen, Herbert sitzt im Rollstuhl, muss sich nach eigener Aussage selbst elementare Dinge wie selbstständiges Atmen über Monate wieder mühsam antrainieren. Mit beiden Händen gepackt und gegen die Mauer geschleudert worden sei er. „Ich hatte nicht mal Zeit, mich umzudrehen“, schildert er heute vor dem Landgericht in Darmstadt den Angriff. Angeklagt ist ein heute 30 Jahre alter Mann. In der Anklageschrift heißt es, er habe Kopf und Körper seines Opfers mehrmals mit voller Wucht gegen die Mauer des Aussichtsturms geschlagen, auch auf den am Boden liegenden Herbert noch eingetreten. Die Staatsanwaltschaft spricht deshalb von versuchtem Totschlag. Erst drei Jahre nach dem Vorfall wird der mutmaßliche Angreifer festgenommen. Ein Urteil in dem Prozess könnte Ende Juli fallen.

Vor Gericht erzählt das Opfer, wie er den Angriff erlebte. Er spricht ruhig, braucht kein Papier, um etwas abzulesen. Oben auf dem Turm habe der spätere Angreifer herumgepöbelt, gefragt, ob jemand „eine aufs Maul“ wolle. „Da habe ich schon gewusst, dass das böse ausgehen könnte“, sagt Herbert. Beide hätten die Angelegenheit unten klären wollen. Noch im Heruntergehen habe er vorgeschlagen, lieber ein Bier auf dem Fest trinken zu gehen, sagt Herbert. Direkt vor dem Turm habe ihn der Angreifer dann von hinten gepackt und mit dem Kopf an die Mauer geschleudert. „Ich weiß nur noch, dass es einen lauten Knall und ein Pfeifen gab.“ Erst im Krankenhaus sei er wieder zu sich gekommen.

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Zwei Zeugen, die die Situation vor dem Turm zunächst aus einiger Entfernung beobachteten, sprechen von einem brutalen Zusammenschlagen. Den genauen Ablauf schildern sie aber unterschiedlich. Der Erste berichtet von Schlägen ins Gesicht und heftigen Tritten, als das Opfer bereits am Boden lag. Dass Herbert vom Täter gegen die Wand geschleudert wurde, habe er aber nicht gesehen. Genau davon berichtet der zweite Zeuge, beide sind nach eigenen Aussagen zusammen zu der Schlägerei geeilt. „Für mich sah es so aus, als ob ein wehrloser Körper gegen diese Wand geworfen wird“, sagt der zweite Zeuge. In einem sind sich beide aber einig: Dass die brutalen Schläge und Tritte nur vom Täter ausgegangen seien, das Opfer sei kaum in der Lage gewesen, sich zu wehren.

Bilder: Prozess gegen Schläger von Mark Herbert 

Dem gegenüber steht die Schilderung des Angeklagten. Zum Prozessauftakt Mitte der Woche hatte er gesagt, die Auseinandersetzung sei von Herbert ausgegangen. Sichtlich betrunken habe der Offenbacher auf dem Turm Leute angerempelt und gepöbelt. Unten vor dem Turm habe er Herbert lediglich weggestoßen. Den Ermittlern ist der Angeklagte wegen anderer Gewaltdelikte bekannt. Vor Gericht kommt eine Kneipenschlägerei zur Sprache, auch in der Untersuchungshaft soll es Probleme gegeben haben.

Einen ausführlichen Bericht zum zweiten Prozesstag lesen Sie morgen in der gedruckten Ausgabe der Offenbach-Post sowie auf op-online.de.

dpa

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