Haftstrafe

Veruntreuung: Kassierer verurteilt

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Der Neubau des KTZV.

Offenbach - Wegen der Veruntreuung von 91. 000 Euro Vereinsgeld hat das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck gestern den ehemaligen Kassierer des 1. Offenbacher Kleintierzuchtvereins, Ronald M. , zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Von Matthias Dahmer 

Das Gericht folgte damit dem Antrag von Staatsanwalt Thomas Glab, der wegen einer einschlägigen Vorverurteilung des Angeklagten keinen Spielraum mehr für eine Bewährungsstrafe gesehen hatte. Den Prozess im viel zu kleinen Saal 111 des Amtsgerichts verfolgte fast die Hälfte der 34 Vereinsmitglieder.

Der 62-jährige Ronald M. hatte als alleiniger Verfügungsberechtigter zwischen April und Dezember 2011 insgesamt 100.000 Euro in bar vom Vereinskonto abgehoben. Das Geld war von der Stadtwerke-Tochter OPG am 11. April 2011 im Zuge der Umsiedlung der Züchter vom Buchhügel als erste Rate für den Bau einer neuen Ausstellungshalle aufs Vereinskonto überwiesen worden. Je nach Baufortschritt sollten weitere Raten bis zu einer Höhe von maximal 400.000 Euro fließen.

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Lediglich die Weitergabe von knapp 9000 Euro an die beauftragte Obertshausener Baufirma Rudolph, die noch immer Außenstände von mehr als 160.000 Euro wegen des unvollendeten Hallenbaus hat, konnte M. belegen. Wo der große Rest des Geldes geblieben ist, war im Prozess trotz Befragung mehrerer Zeugen nicht zu klären. Weder die ermittelnden Polizeibeamten noch der ehemalige Vereinsvorsitzende D. oder ein Vertreter der Firma Rudolph hatte eine Erklärung, was mit dem Geld passiert sein könnte. Selbst die ehemalige Lebensgefährtin M.s beteuerte im Zeugenstand, nichts über den Verbleib der Beträge zu wissen.

Wortreich versicherte Ronald M., die abgehobenen Summen zur Begleichung von Altschulden des Vereins verwendet zu haben. So hätten unter anderem mehrere Baufirmen insgesamt 35.000 Euro schwarz erhalten, an die Brauerei seien 12.000 Euro gezahlt worden, der Vereinswirt habe 10.000 Euro erhalten. Selbst die bereits 2010 gestorbene Vereinsvorsitzende musste für die Rechtfertigung verschwundener Beträge herhalten: Er habe ihr einst ein Darlehen über insgesamt 14.800 Euro gegeben und diese Lücke später mit dem OPG-Geld gefüllt.

Richter Manfred Beck machte in seiner Urteilsbegründung deutlich, dass es für die rechtliche Einordnung des Griffs in die Vereinskasse als Untreue unerheblich ist, ob M. das Geld in die eigene Tasche gesteckt oder für den klammen Verein ausgegeben hat. Die 100 000 Euro von der OPG seien laut Vertrag zweckgebunden für den Hallenneubau gewesen, so Beck. Für eine andere Verwendung hätte es zumindest eines Vereinsbeschlusses bedurft. Durch sein eigenmächtiges Handeln habe sich M. der Untreue gegenüber dem Verein schuldig gemacht.

Der Verteidiger von Ronald M. wollte diese Ansicht nicht teilen: Es sei davon auszugehen, dass der Angeklagte zum Wohl des Vereins gehandelt habe, eine Untreue nicht vorliege. Die Frage, wie der Schaden zu begleichen sei, müsse ein Zivilgericht klären. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch für M.

Strafverschärfend wertete das Gericht den Umstand, dass M. die Taten in laufender Bewährung begangen hat: Im November 2010, also ein halbes Jahr vor der ersten Abhebung von OPG-Geld, war der ehemalige Versicherungsvertreter wegen fingierter Schadensfälle vom Amtsgericht zu neun Monaten verurteilt worden.

Aber auch die anwesenden Züchter mussten sich von Richter Manfred Beck kritische Worte anhören: Eine „chaotische Vereinsstruktur“ ohne echte Kontrolle habe es dem Angeklagten bei seinem Handeln leicht gemacht. Man habe wohl darauf vertraut, M. werde es schon richten, so Beck. Unklar ist, wie es mit dem Rohbau der Halle weitergeht.

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