Prozess gegen Offenbacher Kampfsportler

+
Im Kampfsportstudio in der Innenstadt sollen Terror-Trupps rekrutiert worden sein.

Offenbach/Darmstadt - Der Chef der Offenbacher Kampfsportschule „Fight Club“ steht wegen Schutzgelderpressung auf der Anklagebank. Über Jahre hinweg sollen die zwei Brüder Drahtzieher einer Bande gewesen sein, die Schutzgeld erpresste. Wer nicht zahlte, wurde laut Staatsanwaltschaft mit dem Tod bedroht.

Sie schreckten laut Anklage auch vor brutaler Gewalt nicht zurück: Eine Bande von vier mutmaßlichen Schutzgelderpressern muss sich seit heute vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Als Drahtzieher und Hauptakteure gelten die als Kampfsport-Trainer tätigen Zwillinge, beide 1977 in Offenbach geboren und türkische Staatsbürger. Sie haben eine Kampfsportschule in Offenbach betrieben - und dort 2009 und davor Besitzer meist von Kiosken, Cafés und Spielhallen in Angst und Schrecken versetzt.

In diesem Verfahren gibt es insgesamt sieben Angeklagte, sie sind zwischen 26 und 58 Jahre alt. Es geht auch noch um Betrug. In Sachen Erpressung ist von etwa 100.000 Euro Schutzgeld die Rede, bei den Bank-Darlehen geht es um fast 320.000 Euro. Für den Prozess sind Termine bis in den Herbst hinein angesetzt.

Von den Brüdern steht nur einer als Hauptangeklagter vor Gericht, der andere ist flüchtig. Ein Polizist soll den beiden 34-Jährigen gegen Beträge von meist mehreren hundert Euro Dienstgeheimnisse etwa zu Ermittlungen verraten haben. Die Brüder hätten ihn als Onkel tituliert, sagte Oberstaatsanwältin Annette von Schmiedeberg bei der über eine Stunde dauernden Verlesung der Anklage - eine Bezeichnung für einen korrupten Beamten. Er musste sich in einem anderen Prozess verantworten.

„Schüler ausgenutzt“

„Den Opfern der Erpressungen wurde Todesangst eingejagt“, sagte von Schmiedeberg. „Wir werden dich nicht leben lassen“, sei gedroht worden. Einmal habe einem Kiosk-Besitzer ein Denkzettel verpasst werden sollen, es sei zur Massenschlägerei gekommen. Sie erwähnte einen Schutzgeld-Betrag von über 100.000 Euro.

Helfer hätten die Brüder auch unter den Kunden ihres Sportstudios gefunden. „Sie nutzten die ihnen ergebenen Schüler aus.“ Die beiden Männer hätten sich nach Vergewaltigung, Raub und Körperverletzung ihren regionalen Bekanntheitsgrad zunutze gemacht. Die erpressten Summen seien als Sponsorengelder für die Kampfsportschule deklariert worden.

Dienstgeheimnisse von Polizisten erfahren

Lesen Sie dazu auch:

Zwillingsbrüder als Schutzgelderpresser

Brutale Sponsorensuche

Auch noch Verdacht der Geldwäsche gegen Zwillingsbrüder

Der Hauptangeklagte soll auch gegen Geld von einem Polizisten Dienstgeheimnisse erfahren haben. In dem Prozess geht es auch um Tricksereien bei Bankdarlehen. Der Beamte hatte sich im Januar vor dem Landgericht verantworten müssen. Das Verfahren gegen den damals 60-Jährigen war noch vor dem zweiten Verhandlungstag geplatzt, weil ein Gutachten dem Mann Herzprobleme bescheinigt hatte.

Gericht rechnet mit monatelangem Verfahren

Der Hauptangeklagte soll auch bei Tricksereien im Zusammenhang mit Bank-Darlehen seinen Hände im Spiel gehabt haben. Für diesen zweiten Komplex des Prozesses mit einem erschwindelten Betrag von rund 350 000 Euro gibt es neben den vier noch einmal drei Angeklagte. Das Verfahren gegen einen 58 Jahre alten Notar war gleich zu Beginn des Prozesses aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt wurde. Das Gericht rechnet mit einem monatelangen Verfahren.

baw/dpa

Kommentare