Schüler besuchen Präventionstag im Ring-Center

Im Rausch der Promille-Brille

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Feres im Rausch: Mit der Promille-Brille fühlt sich der 13-Jährige wie betrunken. Die Klassenkameradinnen merken’s an seinen Reaktionen. Der Schillerschüler taumelt und trifft nur noch wenige der ihm angezeigten Lichtfelder.

Offenbach - Zwischen Einkaufswagen und Kleiderständern haben die Stadt und Offenbacher Organisationen wieder über Schutz vor Gewalt, Sucht und Kriminalität informiert. Der Präventionstag im Ring-Center stand diesmal unter dem Motto „Sicher unterwegs“. Von Sarah Neder 

Das betrifft jedoch weitaus mehr als den Straßenverkehr. Am Polizeistand herrscht viel Betrieb. Eine Menschentraube schart sich um den 13-jährigen Feres, der versucht, die bunten Lichter auf den 16 Kontaktfeldern mit den Händen zu erwischen. Eine Minute, 114 Treffer, ein Fehler. Jetzt macht ihn der Polizeibeamte betrunken. Nicht mit Alkohol, sondern mit einer Rauschbrille. Sie simuliert 0,8 Promille. Nun darf der Schillerschüler nochmal an die Reaktionstafel. Er taumelt, haut daneben, ist deutlich langsamer: 67 Treffer und 9 Fehler zeigt das Gerät an. „Ich musste mich total konzentrieren“, seufzt Feres etwas enttäuscht. Anhand solcher Spiele zeigen Polizisten und die anderen Organisationen gestern Morgen im und vorm Ring-Center auf, welche Gefahren im Alltag lauern und wie man diese umgeht. Beim neunten Präventionstag herrscht Rekordbeteiligung: „25 Institutionen sind dabei“, schätzt Organisator Frank Weber, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes

An den Ständen geht es nicht nur um offensichtliche Risiken, wie Drogensucht oder Gewalt. Die Gruppe Heroes beispielsweise ist eine bundesweite Initiative des DRK gegen Unterdrückung im Namen der Ehre. Zielgruppe sind Jungs zwischen 16 und 21 Jahren, die aus einer sogenannten Ehrenkultur stammen. Leiter der ersten Gruppe Hessens in Offenbach ist Zafer Cin, der das Prinzip kurz erläutert: „Es geht um Menschen, die ihre eigene Ehre mit der Sexualität eines weiblichen Familienmitglieds knüpfen.“ Es herrsche ein patriarchalisches Rollenbild, in dem Männer nicht weinen und Frauen nicht arbeiten dürften, verdeutlicht Cin. In Offenbach gebe es enormen Aufklärungsbedarf, deshalb habe man den Zuschlag fürs Pilotprojekt bekommen.

Die Gruppe aus zehn jungen Männern trifft sich immer donnerstags an der Luisenstraße und diskutiert: Was darf ein Mann? Was darf eine Frau? „Nach einem Jahr geben sie dann ihre Erkenntnisse in Workshops an Schulen weiter“, schildert der Pädagoge. Auch am Stand der Caritas versucht man junge Menschen aus gewohnten Mustern zu reißen und Perspektiven anzubieten. Ante und Christian, beide 14 Jahre alt, und Edith Heilos vom Caritasverband unterhalten sich an einem Stehtisch über Aggression. „Wenn man wütend ist, muss man sich überlegen, wie man diese Wut rauslässt“, regt Heilos an. Denn man könne andere, Eltern, Lehrer oder Freunde, mit seinem Zorn schnell verletzen. Christian erwidert: „Am besten muss man diplomatisch bleiben.“

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Der Präventionstag behandelt auch das Thema Medienkompetenz, klärt über Verhütungsmittel auf, schafft eine breite Plattform für viele Problemlösungen. Bürgermeister Peter Schneider, der die Veranstaltung gestern eröffnete, findet es ausgesprochen wichtig, dass es einen solchen Aktionstag gibt: „Oft bringt es nichts, wenn Eltern oder sogar Lehrer vor etwas warnen.“ Im Ring-Center bekämen die jungen Menschen jedoch Auskunft von Fachleuten, denen sie vertrauten, betont Schneider.

So sieht das auch Susanne Meißner vom staatlichen Schulamt – die Aktion habe eine ergänzende Wirkung. Die Jugendlichen bereiteten sich im Unterricht schon auf die Themen vor. Aus ihrer Erfahrung komme das Angebot bei Lehrern und Schülern gleichermaßen gut an: „Die Schulen sind sehr dankbar.“

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