Radios, Staubsauger und DVD-Player vor Entsorgung bewahrt

Repair-Café: Kampf dem Elektromüll

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Werner Röder versucht, den Trafo aus den 60er Jahren von Bahrian und seiner Oma Gisela Minton wieder zu reparieren.

Offenbach - Wenn der Toaster nicht mehr funktioniert, gibt es Alternativen zum Wegschmeißen. Im Offenbacher Repair-Café treffen Laien einmal monatlich auf findige Bastler, die sich ehrenamtlich an einer Reparatur versuchen. Die Erfolsquote kann sich durchaus sehen lassen. Von Rebecca Röhrich 

Vorsichtig öffnet Werner Röder das Gehäuse eines alten Trafos. Die kleine graue Kiste mit den abgerundeten Ecken ist aus Metall und hochwertig gearbeitet. „So wertiges Material wird heute gar nicht mehr verbaut. Das kann keiner mehr bezahlen“, sagt Röder. In der Tat: Der Schuckert-Trafo von Siemens stammt aus den 1960er Jahren. Funktioniert aber leider nicht mehr. Sehr zum Leidwesen des fünfjährigen Bahrian. „Mein Papa hat eine alte Modelleisenbahn. Ohne den Trafo funktionieren die Ampeln nicht“, erklärt er ernst.

Deshalb ist er gemeinsam mit seiner Oma Gisela Minton in das Repair Café im Turmzimmer der Stadtkirchengemeinde gekommen. Einmal im Monat wird dort an kaputten Geräten gebastelt. An drei Tischen sitzt dann jeweils ein ehrenamtlicher Helfer, der versucht, das verstummte Radio oder den Staubsauger wieder zum Laufen zu bringen. „Es geht uns darum, etwas gegen die vorherrschende Wegwerfmentalität zu tun“, erzählt Kai Kotzian, Organisator des Cafés. Und ein Handeln scheint dringend nötig. Laut einer Studie der United Nations University produziert jeder Deutsche 21,6 Kilogramm Elektroschrott pro Jahr. Das ist hinter den USA, China und Japan Platz vier im internationalen Vergleich. Um diese Mengen zu reduzieren, ist es nur konsequent, den DVD-Player zu reparieren, statt ihn auf den Müll zu werfen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Werner Röder ist zwar kein Elektriker, aber seine Eltern hatten in Offenbach ein Elektrowarengeschäft mit Reperaturservice. Er kennt sich somit bestens aus. Mit einem Spannungsmesser will er herausfinden, ob der Trafo überhaupt noch ein Lebenszeichen von sich gibt. Bahrian ist begeistert, so ein Gerät hat er noch nie gesehen. Und tatsächlich: Der Zeiger des Messers schlägt aus. Der Trafo hat noch Spannung. Weil aber die winzigen Drähte etwas mitgenommen wirken, beschließt Röder, sie wieder sauber an die Spule zu löten. Währenddessen erklärt er dem kleinen Jungen, wie elektrische Spannung funktioniert. Bahrians Augen werden immer größer.

Am Nachbartisch wird sich derweil bemüht, den Staubsauger von Ehepaar Stadlmann wieder in Gang zu bekommen. Aber das betagte Exemplar hat wohl seinen letzten Hausputz getan. Trotzdem sind die Bürgeler begeistert vom Repair-Café und von dem jungen Mann, der ihnen versucht hat zu helfen. Das gemeinsame tüfteln und ausprobieren verbindet. Und es macht Spaß.

„Unser Motto ist Hilfe zur Selbsthilfe“, erzählt Kotzian. Seit Dezember letzten Jahres betreibt Kotzian mit Unterstützung der Ortsgruppe des BUND in Offenbach und der Stadtkirche das Café. Und die Nachfrage ist groß. In der Regel kommen 15 Menschen zu den Terminen und warten geduldig, bis sie an der Reihe sind; meist kaputte Elektrogeräte wie Fotoapparate oder Toaster im Gepäck.

Mittlerweile steigt bei Bahrian und seinem Trafo Rauch auf. Es wird fleißig gelötet. Der Junge mit dem braunen Wuschelkopf und den blauen Augen ist begeistert und hängt auf dem Arm von Werner Röder. Die beiden kennen sich zu diesem Zeitpunkt etwa eine halbe Stunde. Dem Programmierer macht die Arbeit Spaß. „Ich habe von der Idee, ein Repair Café zu eröffnen, in der Zeitung gelesen“, sagt der freundliche Mann, während er konzentriert mit dem Lötkolben Zinn auf die Kontakte drückt.

Es sei eine gute Gelegenheit, wieder Dinge zu machen, die im Alltag zu kurz kämen. Er schaut lächelnd auf das Werkzeug in seiner Hand. „Löten zum Beispiel.“ Auch die Teamarbeit gefalle ihm. „Jeder Helfer hat so etwas wie eine Spezialität“, erklärt Kotzian. Der eine kenne sich mit elektrischen Dingen aus, der andere habe viel Ahnung von Mechanik. Was aber noch fehle, seien Helfer, die sich mit Smartphones auskennen . Auch ein Experte für Nähmaschinen wäre gut. Bei diesen Geräten müssten Kotzian und die anderen Freiwilligen oft passen. Zu viel Spezialwissen sei da gefragt.

Grundsätzlich gingen die Hilfesuchenden aber zufrieden nach Hause. „In 70 Prozent der Fälle geht das Gerät nach einem Besuch bei uns wieder“, erzählt Kotzian. Auch bei Bahrian und seinem Trafo sieht es gut aus. Um sicher zu sein, muss sein Vater ihn aber zu Hause erst wieder an das altertümliche Stromkabel anschließen. Im Idealfall leuchten die Ampeln schon wieder.

Das nächste Repair-Café für elektrische Reparaturen ist am Mittwoch, 26. August, 18 Uhr, im Gemeindehaus der Stadtkirche, Herrnstraße 44. Kontakt für neue Helfer: kai@transition-town-frankfurt.de

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