Nach vier Restaurants am Wilhelmsplatz

Heimathafen ist neuestes Projekt der „Gastrokinner“

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In der Gastronomie lässt sich Erfolg mit Beständigkeit messen: (von links) Giuseppe Morleo, Rachid und Youssef El Machit machen’s mit ihren Restaurants vor.

Offenbach - Das Geschäft der Gastrokinner wächst weiter: Nach vier Restaurants am Wilhelmsplatz haben Giuseppe Morleo und die Brüder Youssef und Rachid El Machit nun auch einen Anker im Hafenviertel gesetzt. Von Sarah Neder 

Im Gespräch mit unserer Zeitung reden die Drei über Zukunft, Zweifler und Zutaten ihres Erfolgsrezepts. Für Rachid El Machit ist der Heimathafen nicht bloß ein Restaurant. Er ist sein Baby. Und zwar ein ziemlich Besonderes: mit meterhohen Decken, samtbespannten Holzmöbeln und einem abtrennbaren Bar-Lädchen. Die Einrichtung, eine Mixtur aus Industriecharme und Seefahrerromantik. Ähnlich speziell ist die Lage des Gourmet-Dampfers: Er liegt am Hafenplatz 4, am neuesten Zipfel Offenbachs, Meerblick inklusive.

Der Heimathafen gehört zum Gastro-Imperium von Giuseppe Morleo. Vier Restaurants betreibt er zusammen mit Youssef El Machit am Wilhelmsplatz, plus zwei in Bad Nauheim und Frankfurt. Jedes Objekt hat seinen eigenen Geschäftsführer. Das sei ein wichtiger Faktor für den Erfolg, sagt Youssef El Machit. „Es ist immer besser, wenn jemand persönlich involviert ist, der seine Zukunft in dem Laden sieht.“ Im Neubauviertel am Main ist sein jüngerer Bruder Rachid Barchef.

Nennt man Heimathafen, Tafelspitz, Walgers und Fleischeslust die Kinder, dann ist das Morleos die Mutter der Gastro-Familie. Dort hat vor 15 Jahren die erfolgreiche Restaurantreise angefangen. Giuseppe Morleo ist damals gerade mal 25 Jahre alt,  ein bekannter Barkeeper und – was die Selbstständigkeit betrifft – noch ziemlich unerfahren. „Zu Beginn ist so einiges schief gegangen“, sagt Morleo, der vor allem unterschätzt habe, welche Organisation fürs eigene Unternehmen nötig ist: Service einteilen, Angestellte koordinieren, Einkäufe planen – das hat der junge Gründer erst nach der Eröffnung gelernt. Heute beschäftigt er mit seinen Partnern zwischen 130 und 150 Mitarbeiter. Morleo betont: „Das ist eine logistische Meisterleistung.“

In der Gastronomie ist Beständigkeit das Maß des Erfolges. Dass das Morleos nach 15 Jahren immer noch gut läuft, hätten früher viele nicht gedacht. Als Giuseppe Morleo zusammen mit Youssef El Machit ein paar Jahre nach dem ersten Projekt das Tafelspitz und Söhne aufzieht, werden erneut Zweifel laut: „Die Leute haben gedacht, wir sind verrückt, zwei Läden nebeneinander zu eröffnen“, erinnert sich Giuseppe Morleo. Und auch beim dritten Laden am Wilhelmsplatz, dem Steakhaus Fleischeslust, gab es Skeptiker. Hochpreisiges Essen in Offenbach? Für viele war dieses Geschäftsmodell undenkbar. Als das auch geschafft war, habe sich die Haltung geändert.

Leserbilder: Sehenswerte Eindrücke des Hafens

Ein bisschen können sich Morleo und die El-Machit-Brüder das Vorurteil vom armen Offenbach zu nutzen machen. „Der Aha-Effekt ist einfach viel größer als in Frankfurt“, gibt Morleo zu. Einen weiteren Pluspunkt kennt Rachid El Machit: „Der Offenbacher Gast ist treuer.“ Er renne nicht von einem Szene-Lokal zum nächsten.

Der Heimathafen lockt jedoch auch Kundschaft aus der Nachbarstadt an. Wegen der kurzen Distanz und eines ausgeklügelten Genuss-Konzeptes: Das hintere Drittel des Raumes ist ein Hybrid aus Bar und Laden. Dutzende Weinsorten, Liköre und Spirituosen wandern dort entweder ins Glas oder in die Einkaufstasche. Im eigentlichen Restaurant ist Platz für etwa 60 Gäste. Nächsten Sommer soll außerdem die Terrasse fertig sein, auf der bis zu 140 Personen sitzen können. Die Familienplanung der Gastrokinner ist damit erst einmal abgeschlossen. Zumindest für den Moment. Nun geht es darum, dem Baby das Laufen beizubringen.

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