Leidenschaft paart sich mit Perfektion

Robert Cray begeistert im Offenbacher Capitol

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In den 80ern als „Hoffnung des Blues“ gehandelt, gehört Robert Cray (links, mit seinem Bassisten Richard Cousins) heute zu den Grandseigneurs des Genres.

Offenbach -  Das sonst übliche Blues- und Bluesrock-Publikum der Region setzt sich üblicherweise anders zusammen. Sehr wenige Damen, überwiegend ältere Herren, die zum Teil Jimi Hendrix noch persönlich gekannt haben könnten. Von Thomas Kirstein

Nicht so bei der Robert Cray Band im Offenbacher Capitol. Das bestuhlte Halbrund füllen erstaunlich viele mittelalterliche Paare. Der Gedanke kommt auf, dass sich manches Kennenlern-Schmusen vor 25 bis 30 Jahren kaum anspruchsvoller hat untermalen lassen als mit Songs von Robert Cray. Was nicht heißen soll, dass Offenbach im Oktober 2016 einen Abend der sanften Erbaulichkeit erlebt hätte. Geraten Crays Studioaufnahmen für Freunde härterer Gangart streckenweise etwas zu glatt, zeigen der heute 62-Jährige und seine drei Kollegen, dass ihre wahren Qualitäten im Liveauftritt liegen.

Zur Begrüßung scherzt Robert Cray noch, dass sein Blues einen traurigen Abend bereiten könnte. Aber die mehr als anderthalb Stunden werden weder deprimierend noch langweilig. Da schmeichelt der Soul, da fetzt der Funk, da paart sich Leidenschaft mit Perfektion. Les Falconer an den Drums, Dover Weinberg an den Tasten und Richard Cousins am Bass sind mehr als Zuarbeiter, die dem Meister an den Saiten Gelegenheit zum Glänzen geben.

Freilich legt Cray mit seinen exquisiten Soli aus knalligen Akkordfolgen und messerscharfen Riffs eine Erklärung nahe, warum Größen wie Eric Clapton ihn gern an der Seite haben: um sich das Eine oder Andere abzugucken.

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Das Set besteht weitgehend aus eigenem Material, der Klassiker „Sittin’ on Top of the World“ ist die einzige Verneigung vor den Veteranen. Überhaupt ist der Blueser aus Georgia seit jeher so weit von der Plantage entfernt wie Bob Dylan heute vom Folkschuppen, ist Crays sanfte, aber doch auch mächtig bis ins Falsett ausgreifende Stimme viel näher an Otis Redding als an Muddy Waters. Und nicht nur die gereiften Pärchen reißt die Robert Cray Band Mischung aus Groove und Gänsehaut-Ballade mit. Am Ende huldigen im Capitol auch die gestandenen Bluesrocker im Stehen.

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