Fausts Ach! ruft Stadtpolizei auf den Plan

Show-Einlage sorgt für Eklat auf dem Wilhelmsplatz

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Mephisto-Darsteller Falko Illing erinnert gewollt an frühere Gitarren-Legenden. Die Schauspieler der Rockoper Faust durften jedoch erst ihre Show präsentieren, nachdem die Ordnungshüter die Genehmigung des Kulturamts kontrolliert hatten. 

Offenbach - Die Rockoper Faust kommt nach Offenbach. Gestern haben die Hauptdarsteller schonmal für das Stück geworben – publikumswirksam auf dem Wilhelmsplatz neben dem Markttreiben. Doch die stimmgewaltige Show-Einlage sorgte für einen Eklat. Von Sarah Neder 

Zwischen dem, was gerade auf der improvisierten Bühne neben dem Markthaus passiert, und dem Goethe-Klassiker Faust lassen sich einige Parallelen ziehen. So kommt vor der eigentlichen Handlung ein Vorspiel, in dem über den Zweck des Theaters sinniert wird. Ähnlich wie am Rande des Wochenmarkts – nur hat’s der Feingeist aus Frankfurt weniger brachial formuliert als die eher unlustigen Personen in Offenbach. Es ist bereits der durchaus massive Soundcheck, der Beschickerblut in Wallung bringt. „Mer versteht ja sei eischen Wort ned mehr!“, wird nicht minder durchdringend dagegen gehalten. Vor den Schauspielern der Rockoper und den Pressevertretern hat sich Marktvereinsvorsitzende Petra Heckelmann aufgebaut und poltert: „Mir sin’ hier doch kaa Opernhaus!“ Sie zweifelt an der Zulässigkeit der vom Kulturamt organisierten Aktion und ruft das Ordnungsamt herbei. Obwohl inzwischen Oberbürgermeister Horst Schneider eingetroffen ist, verzögert sich die Show wegen der walpurgisnachtreifen Einlage um eine halbe Stunde. Der OB versteht die Entrüstung nicht: „Das ist ein öffentlicher Platz.“

Den Schauspielern schmilzt die Schminke vom Gesicht, der Produzent läuft mit rotem Kopf und glänzender Stirn auf und ab, wirkt gestresst. „Ick komm’ aus Berlin, da jibt’s sowat nich’“, sagt Michael Manthey zur Verzögerung. Dann: endlich grünes Licht. Gitarrenriffs brettern aus den Boxen. Auftritt: Mephisto, das Böse, der Teufel. Eine schwarze Maske legt sich über sein weißgepinseltes Gesicht. Dazu: lange Lockenmähne, Ziegenbart, Pentagramm in der Gürtelschnalle, rote Springerstiefel – Mephisto ist ein Rockstar. Und er singt auch so. Dem Fan kommen da sofort Assoziationen zu Kiss und Iron Maiden in den Kopf. Richtig so, meint Teufel-Darsteller Falko Illing: „Das ist schon beabsichtigt.“

Illing spielt die Rolle seit Geburt der Rockoper 1997. Schöpfer ist Rudolf Volz. Seit 2005 ist Manthey Produzent und das Stück seitdem ein Bühnenerfolg. Das Besondere: Das 23-köpfige Ensemble spielt überall dort, wo Goethe Spuren hinterlassen hat. So auch in Offenbach: „Hier hat er ja seine erste große Liebe getroffen“, sagt Michael Manthey. Prominentester Veranstaltungsort ist der Faust-Schauplatz Auerbachs Keller in Leipzig. Dort hat auch Birgit Zimmer vom Kulturamt das Rock-Epos gesehen. „Sie war sofort begeistert“, erklärt Amtsleiter Ralph Philipp Ziegler, wieso das Stück in das städtische Programm aufgenommen wurde.

Ärger bei Show-Einlage von Rockoper: Bilder

Klar, da spiele auch der Goethe-Bezug eine Rolle – aber vor allem die Qualität. „Das Stück besteht aus Originaltexten aus Faust I und II“, sagt Ziegler nachdrücklich. Bei der Aufführung im Capitol am Freitag, 30. September, kommt die Musik von einer Live-Band. 600 Aufführungen hat die Rockoper schon hinter sich. Besser als Fakten wirkt eine Kostprobe, hatte sich das Kulturamt gedacht und die Künstler auf den Wilhelmsplatz eingeladen. Sie bringen vier Stücke aus ihrem Programm. Um die Schauspieler hat sich mittlerweile eine Menschentraube gebildet. Der alte Faust (Christian Venzke), die Hexe (Janneke Thomassen), Mephisto-Illing und seine teuflische Tänzerin Jessica bereiten den versammelten Passanten ein bühnenreifes Finale. Zu kernigem Gitarrensound schmettern sie Goethes Lyrik übers Kopfsteinpflaster. Laut. Ungewöhnlich. Manchem Marktbeschicker zu viel von beidem.

Beginn am 30. September ist um 20 Uhr, Einlass um 19 Uhr. Um 11 Uhr gibt es eine Show für Schüler. Karten ab 18 Euro in der Geschäftsstelle unseres Verlags, Waldstraße 226, Infos unter www.faust-rockoper.de.

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