Noch bis Samstag im Zelt hinter dem Stadion

„Rosa Oktoberfest“: Eine Idee, die zündet

+
Echte Partystimmung im Festzelt auf dem Bieberer Berg: Wenn der Sänger erstmal auf dem Tisch tanzt, hält es das Publikum nicht mehr auf den Bänken.

Offenbach - Schrill geht es derzeit im großen Festzelt hinter dem Kickers-Stadion zu. Noch bis zum morgigen Samstag steigt auf dem Bieberer Berg das „Rosa Oktoberfest“. Auf die Beine gestellt haben es Bernd Reisig und Gerhard Stein. Von Stefan Mangold

Er hat schon einiges angepackt: Der gelernte Maschinenschlosser Bernd Reisig managte etwa die Sängerin Nena oder führte die Geschäfte des FSV Frankfurt. In diesem Jahr initiierte er zusammen mit „Gerdas kleiner Weltbühne“ aus Mühlheim das erste „Rosa Oktoberfest“. Reisig erzählt, wie die Idee keimte: Er saß mit Gerhard Stein beieinander, den die Mühlheimer auf der Straße mit „Guude Gerda“ begrüßen. Denn auf der Bühne mutiert der Travestiekünstler Gerhard zur Gerda, der Erfinderin von „Gerdas kleiner Weltbühne“ in der Nachbarstadt. Beide überlegten, ob es möglich ist, „ein schrilles, rosa Fest außerhalb der Fastnacht zu veranstalten“. Heraus kam gleich eine Serie von fünf Festen. Die begann am Dienstag und endet am morgigen Samstag. Und Reisig rät denen, die am letzten Tag kommen wollen, sich um Karten zu bemühen: „Für Samstag sind wir jetzt schon fast ausverkauft“.

Am Mittwochabend, dem zweiten Party-Tag, schaut das nicht ganz so aus. 238 Karten gingen über den Tisch. Am Dienstag waren es 250. Alles in allem nicht gerade wenig für Abende unter der Woche. Bernd Reisig betont, wie gesittet sich auch jene benommen hätten, die das letzte Maß des Abends eventuell am nächsten Morgen bitter bereuten.

Vor 30 Jahren wäre ein solches Oktoberfest auf dem Bieberer Berg so unvorstellbar gewesen wie heute ein 6:0 der Kickers gegen die Eintracht im Finale der Champions-League. Veranstalter Reisig freut sich, dass auf seinem Fest bei weitem nicht nur Homosexuelle erscheinen, „das zeigt, mittlerweile sehen die Leute das als etwas Normales an“. Auf der Bühne bringt Olga Orange diese Normalität gesanglich zum Ausdruck: „Ob schwul oder bi oder hetero, so wie du bist, so ist es recht.“ Olga, die abseits der Scheinwerfer mit Thomas Rau unterschreibt, gibt die herzlich, hessische Frau mit dem zuweilen melancholisch anmutenden Blick. Auch sie habe Groupies, die an der Türe ihrer Garderobe kratzten, „aber von Inne, un ich lass die net raus“.

Bilder: „Rosa Oktoberfest“ auf dem Bieberer Berg

Das Duo Fancy mit Tobias und Silke, nicht nur in der Region auf Partystimmung spezialisiert, singt sich durch die Jahrzehnte der Pop-Geschichte. Statt der bayerischen Farben blau und weiß, dominiert rosa-weiß das Interieur.

Ein Frankfurter aus dem Publikum berichtet, er sei auf den Berg gekommen, um das erste Mal in seinem Leben „Gerda und Jutta P.“ von der Weltbühne live zu erleben. Reisig bedauert: Die beiden Ikonen könnten das erste Mal seit 43 Jahren einen Termin nicht einhalten. „Beide sind krank“. Doch enttäuscht ist der Gast aus der Mainmetropole nicht. Mit Olga Orange, der eleganten Tänzerin Naomi und dem austrainierten Rene treten ja drei Travestiedarsteller aus Mühlheim auf.

Tickets: www.rosa-oktoberfest.de

Kommentare