Fan-Schal zum Darjeeling

Roswitha Schell verkauft in ihrem Teeladen Kickers-Produkte

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Schals, Handtücher, Schlüsselanhänger: Wer in Roswitha Schells Teeladen fündig wird, bekommt Fan-Artikel gleich als Geschenk eingepackt.

Bieber - Roswitha Schell ist Bieberin durch und durch. Seit drei Jahrzehnten betreibt sie den Teeladen an der Aschaffenburger Straße. Noch viel länger ist sie treue Kickers-Anhängerin. Jetzt, wo der Verein fast wieder pleite gegangen ist, tut sie fast alles, um ihrem OFC zu helfen. Von Sarah Neder

Wer zu Roswitha Schell in den Laden kommt, will meistens mehr als eine Tüte Darjeeling. Hallo sagen, das Neueste aus dem Ort erfahren oder einfach nur ein Schwätzchen halten – das alles gehört im Teeladen Bieber zum Service. In den vergangenen Wochen hat vor allem ein Thema die Theke an der Aschaffenburger Straße beherrscht: das erneute Insolvenzverfahren gegen die Offenbacher Kickers, Roswitha Schells Herzensverein. „Schon mit sechs Jahren war ich im Stadion“, erzählt sie von den Anfängen, seitdem ist sie vom OFC-Fieber infiziert, besitzt bis heute eine Dauerkarte, drückt Daumen, jubelt, leidet. Immer noch. Das Leid überwiegt in letzter Zeit. Der Kickers-Kader ist durch die finanzielle Krise ausgedünnt, neun Strafpunkte bekam das Team gleich zum Start aufgebrummt. Das sind harte Wochen für Fans, sie zehren am Optimismus. Doch Roswitha Schell sagt: „Es geht immer weiter.“ Einen kleinen Teil trägt die 63-Jährige selbst dazu bei: Neben Dutzenden Teesorten verkauft sie rot-weiße Fanartikel in ihrem Lädchen.

Schals, Tassen, Feuerzeuge, Geldbörsen, Handtücher, Schlüsselanhänger, Aufkleber, Gläser oder Kugelschreiber mit OFC-Logo liegen im Schaufenster. Ab und an nehmen Kunden etwas mit. Zum Verschenken oder für sich. „Manche kommen vor dem Spiel vorbei und holen sich noch eben ein Feuerzeug in Vereinsfarben“, erzählt Schell. Die Artikel bezieht sie direkt vom Fan-Shop, ist sozusagen eine kleine ausgelagerte Filiale. Wobei nicht jedes Produkt bei ihr zu haben ist. „Trikots kann ich hier nicht verkaufen, da muss man ja viele Größen vorrätig haben.“ Die Autogrammkarten der neuen Spieler landen aber bald im Sortiment.

Auf die Idee zum Shop im Shop hat sie Barbara Klein, Witwe der Präsidenten-Legende Waldemar Klein, gebracht, die Vize-Präsidentin des Clubs ist. „Sie kam in meinen Laden und hat mich gefragt, ob ich das nicht mal ausprobieren will“, erinnert sich Schell. Und sie wollte. Seit drei Jahren hat die Offenbacherin nun schon Fan-Gegenstände im Angebot. Seitdem ist sie auch Mitglied beim OFC. Dem großen Fan-Shop hat sie sogar etwas voraus: Schell packt’s gleich als Geschenk ein. Wenn’s sein soll, gibt’s Pralinen dazu.

Bilder: Kickers-Tag auf dem Wilhelmsplatz

Mit dem Verkauf, so hofft sie, ein bisschen helfen zu können. Was sie einnimmt, geht an den Fan-Shop und somit über Umwege auch an den Verein. An der Kasse hat sie außerdem eine Dose mit der Aufschrift „Wir für die Kickers“ aufgestellt, in die gelegentlich eine Münze wandert. Nicht nur von Kunden, auch die Ladenbesitzerin trennt sich gern mal von übrig gebliebenem Kleingeld. Sechs Tage die Woche arbeitet die Bieberin in ihrem Laden. Zwei Jahre will sie noch im Teegeschäft bleiben, dann sei Zeit für die Rente, sagt sie. Und so lange wird auch noch für den OFC gesammelt. „Was macht man nicht alles für die Kickers?“, fragt Roswitha Schell schmunzelnd.

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