Die Mannschaft macht’s

Rudergesellschaft Undine stemmt Neubau einer Trainingshalle

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Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber macht’s in der neuen Undine-Trainingshalle vor und hat sichtlich Spaß. Die Rudergesellschaft hat in ihrem 140. Jahr einen behindertengerechten, im Winter nutzbaren Übungsraum geschaffen.

Offenbach - Die Rudergesellschaft Undine ist ein wundersamer Verein: Das Bootshaus steht auf der anderen Mainseite, direkt neben der neuen Carl-Ulrich-Brücke. Von Eberhard Wühle

Aber sie führt „Offenbach“ nicht nur im Namen, sondern verkündet diesen Namen seit nunmehr 140 Jahren mit einigem Stolz auf den Regattaplätzen im In- und Ausland. Zu ihrem Zwischen-Jubiläum hat sie sich jetzt ein sichtbares und wirkungsvolles Geschenk gemacht: eine Trainings- und Bootshalle. Wenn andernorts bestens ausgestattete Leistungszentren optimale Bedingungen bieten, mussten sich die Undine-Rennruderer mit einem eher mäßig belüfteten Raum mit begrenzter Deckenhöhe begnügen. Schon lange bestand also der Wunsch nach einer wettbewerbsfähigen Halle für Trockenrudern und Krafttraining. Denn nur mit diesen Trainingsbestandteilen können selbst die talentiertesten Undine-Athleten das erforderliche Ganzjahrestraining absolvieren und den Namen der Stadt Offenbach erfolgreich vertreten.

Nach dem Motto der Gründergeneration (Große Taten statt großer Worte!) machte sich der Vorstand an die Umsetzung. Das war nicht nur eine finanzielle Herausforderung, denn schnell stand ein dreifacher Jahresetat auf der Kostenseite. Hinzu kamen organisatorische Anforderungen, die ein Gebäude in einem Naturschutzgebiet nun mal erfüllen muss. Ein alter Bootsschuppen bildete die planungsrechtliche Grundlage hierfür. Undine-Vorsitzender Roland Eiselt ging in seinem Rückblick nur mit wenigen Stichworten (Bodenproben, Kampfmittelräumdienst, Bauaufsicht, Grenzabstand) auf einzelne Punkte der Baubegleitung ein – alles einvernehmlich gelöst.

Gleich mehrere Boote wurden im Schatten des Turms getauft und ergänzen künftig die Undine-Flotte.

Viel deutlicher war sein Dank an die Förderer. Bei der Finanzierung setzte der Verein seine kreativen Konzepte fort, die er seit der Gründung 1876 verfolgt. Was damals 20 sportbegeisterte Menschen, kaum einer älter als 18 Jahre, anfingen, wird bis heute gepflegt. Erst einmal die eigenen Mittel, dann die Tatkraft der Mitglieder und schließlich Förderung durch öffentliche Hand und private Förderer. Selbst Optimisten waren überrascht, wie schnell die Spendenuhr tickte. Hierfür wurden Hürde geräumt: Die Förderer brauchten nicht sofort zu zahlen, sondern es reichte eine verbindliche Zusage. Das heutige Bootshaus ist bereits das fünfte in der Vereinsgeschichte, An- und Umbauten nicht mit eingerechnet. Auch wenn es aus den Trümmern des Weltkrieges nicht für die Ewigkeit gebaut worden war, es steht am längsten. Dafür gab es vom Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber viel Lob: „Meine hohe Anerkennung für das große Vorhaben“. Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel machte es noch konkreter: „Als mir die Undine den Plan vorstellte, wusste ich, das wird was. Das können wir unterstützen.“

Ehrenvorsitzender Hans Mohr erinnerte in seiner launigen Festrede an Vorstände, Trainer und Sportler, die das Vereinsleben meist über Jahrzehnte bestimmt haben. Von der ersten Deutschen Meisterschaft im Vierer-ohne 1913 bis zur Nominierung von Max Fränkel beim diesjährigen Weltcup in Luzern, dazu mehrere nationale Titel in allen Jahrgangsstufen. Als lebendiges Vereinsgedächtnis überraschte Mohr mit bemerkenswerter Detailkenntnis. Das griff der Vorsitzende des Hessischen Ruderverbandes, Torsten Gorski, auf: „Wir brauchen im heutigen Sport Vereine wie die Undine, denn hier werden Menschen begeistert.“

Archivbilder

Regatta-Wettkampf der Offenbacher RG Undine

Nun braucht die Begeisterung gerade im Rudersport auch gutes Bootsmaterial. So machte sich der Verein ein weiteres Jubiläumsgeschenk mit zwei Renn-Skiffs, darunter eins aus der gelben Serie der renommierten Rennbootwerft Empacher, und einem Vierer für das beliebte Lust- und Laune-Rudern. Moderne Boote, Traditionspflege bei den Namen: das Skiff „Ernst“ erinnert an den langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden Ernst Hofmann. Das Skiff wurde von Trautel Schüßler auf den Namen ihres verstorbenen Ehemanns und Ehrenmitglieds „Jochen Schüßler“ getauft. Der Jubiläumsvierer heißt „Undine 140“.

Der Weg zum Proberudern auf den Ergometern in der neuen Trainingshalle war den Vereinsfarben entsprechend mit einem blauen Teppich ausgelegt. Bevor die Mannschaft Stephan Färber, Peter Dinkel und Roland Eiselt die ersten Trockenschläge machen konnten, mussten sie das blaue Band des Erfolgs durchschneiden. Belohnt wurden sie mit einem prächtigem Blick auf den Main und die Uferkulisse des Hafenviertels. Das Krafttraining im Hinterhofkeller des Bootshauses ist jetzt Teil der Vereinsgeschichte.

Noch sind an der neuen Halle Restarbeiten zu erledigen. „An der Fassade haben wir schon gefühlte 10.000 Schrauben reingedreht, ein paar fehlen noch. Aber das ist nicht unsere einzige Eigenleistung“, meinte der Undine-Vorsitzende Eiselt, „und bis zum Winter ist es noch ein paar Wochen hin.“

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