In den Rollstuhl geprügelt

Gutachter bekräftigt Tatschilderung von Mark Herbert

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Ein Bild vom Prozessauftakt in Darmstadt. Weitere Motive in der Galerie.

Darmstadt/Offenbach - Nach brutalen Schlägen und Tritten sitzt Mark Herbert im Rollstuhl. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Angreifer sagen Sachverständige vor dem Landgericht in Darmstadt aus.

Mit dem Kopf voran gegen die Mauer geschleudert: Sachverständige haben vor Gericht die Tatbeschreibung des Opfers und die Schuldfähigkeit des Täters bestätigt. Dem 30 Jahre alten Angeklagten Sven R. wird vorgeworfen, sein Opfer in den Rollstuhl geprügelt zu haben. Ein Gerichtsmediziner erklärte heute vor dem Landgericht Darmstadt, die Schilderungen von Mark Herbert seien anhand der Verletzungsmuster nachvollziehbar. Die Version des Angeklagten könne die Schwere der Verletzungen dagegen nicht erklären. Eine Psychiaterin sagte, sie sehe keine Anzeichen für eine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten.

Bei dem Angriff auf dem Offenbacher Aussichtsturmfest 2012 waren bei dem Opfer drei Halswirbel gebrochen. Laut Anklageschrift soll der Angeklagte Kopf und Körper von Herbert mehrmals mit voller Wucht gegen die Mauer des Turms geschlagen haben. Das Opfer hatte ausgesagt, mit dem Kopf voran gegen die Mauer geschleudert worden zu sein. Danach seien bei ihm "die Lichter ausgegangen". Rechtsmediziner Matthias Kettner hielt diese Version vor Gericht für plausibel. Der Angeklagte Sven R. hatte dagegen von Rangeleien berichtet, die von Herbert ausgegangen seien. Mit gesenktem Kopf sei Herbert auf ihn zugerannt, gemeinsam sei man gegen den Turm geprallt. Die Halswirbelbrüche könne das nicht erklären, sagte Kettner.

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Psychiaterin Christel Hantschmann berichtete, dass der Angeklagte unvermittelt von einem ruhigen, gelassenen Zustand in einen aggressiven wechseln könne. So sei es auch bei dem Vorfall am Aussichtsturm gewesen. Auslöser für verbale und körperliche Gewaltausbrüche seien häufig Kleinigkeiten. Dabei könne sich der Mann durchaus steuern, handle also nicht krankhaft. "Aus psychiatrischer Sicht liegen keine Anhaltspunkte vor, die eine verminderte Schuldfähigkeit erkennen lassen", schlussfolgerte Hantschmann.

Richterin Ingrid Schroff kündigte an, bei einem Urteil auch den Vorwurf des versuchten Totschlags in Betracht zu ziehen. Die Staatsanwaltschaft hatte das von Beginn an gefordert, das Gericht zunächst jedoch nur von gefährlicher Körperverletzung gesprochen. Auch Vorstrafen kamen in dem Prozess zur Sprache. Der Angeklagte stand bereits mehrfach vor Gericht, unter anderem wegen Körperverletzung und Nötigung. Vor fünf Jahre wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Dem Angeklagten droht im Fall einer neuerlichen Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe. Am kommenden Mittwoch (27. Juli) sollen zunächst die Plädoyers gehalten werden, danach wird das Urteil erwartet.

Bilder: Prozess gegen Schläger von Mark Herbert 

dpa

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