Bedarf an Pflegekräften steigt 

Hilfe aus Vietnam für das Sana Klinikum Offenbach

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Insgesamt 20 examinierte vietnamesische Pflegekräfte haben im April als geschlossene Gruppe ihren Dienst im Sana Klinikum in Offenbach angetreten.

Offenbach - Der bundesweit zu beobachtende steigende Bedarf an Pflegekräften ist längst auch am Sana Klinikum in Offenbach spürbar. Gut 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten dort im Bereich Pflege – und leisten Überstunden.

Sascha John, Geschäftsführer des Klinikums, und Pflegedirektorin Sabine Braun wollen dem weiter entgegenwirken. Man lasse derzeit nichts unversucht, um neue Mitarbeiter zu gewinnen. Es sei aber aufgrund der Situation im Ballungsraum Rhein-Main schwierig, frei werdende Stellen zeitnah nachzubesetzen. Und darum schlägt das Klinikum auch neue Pfade ein: Im Februar sei man deutschlandweit als erstes Klinikum den ungewöhnlichen Weg einer besonderen Mitarbeiterakquise in Fernost gegangen, so Braun. Mit Erfolg: Insgesamt 20 examinierte vietnamesische Pflegekräfte traten im April als geschlossene Gruppe ihren Dienst in Offenbach an. Anders als in Deutschland hätten diese Fachkräfte in Vietnam trotz hochqualifizierter Ausbildung Schwierigkeiten, eine Anstellung zu bekommen. „Diese Chance haben wir genutzt. Wir haben die jungen Pflegekräfte schon monatelang vorher systematisch auf den Einsatz in Deutschland vorbereitet, und sie sind jetzt im Rahmen ihres Anerkennungspraktikums bereits voll im Einsatz“, erläuterte Braun.

Zudem habe man die Aktion „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ ins Leben gerufen. Bei einer dauerhaften Festanstellung einer neuen Kraft erhält der werbende Mitarbeiter eine Prämie. Auch sei das Klinikum verstärkt auf Jobmessen präsent, um qualifizierte Auszubildende auf die interessanten Berufsmöglichkeiten innerhalb des Gesundheitswesens aufmerksam zu machen, hieß es.

Man bewege sich zunehmend in einem schwierigen Spannungsfeld: Einerseits gebe es den berechtigten Wunsch der Patienten, rasch, angemessen und zu jeder Zeit des Tages behandelt zu werden. Andererseits bestehe die Herausforderung für die Krankenhäuser, kontinuierlich neue Mitarbeiter für den Pflegeberuf zu gewinnen, erklärte Braun. Langfristige Abhilfe sei allerdings nicht immer leicht zu schaffen.

Wie werde ich...? Kinderkrankenpfleger/in

„Wir wissen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leider zeitweilig Überstunden machen müssen.“ Insgesamt liege die Zahl der im Bereich der Pflege erfassten Überstunden zum Bilanzstichtag 2015 um gut 20 Prozent unter Vorjahresniveau. Da man im selben Zeitraum die Anzahl der Mitarbeiter in der Pflege aufgestockt habe, „konnten wir den pro Kopf erfassten Wert sogar um knapp 40 Prozent senken. Diese Reduktion der Überstunden ist eine sehr erfreuliche Entwicklung“, sagte Braun. Dennoch seien die durchschnittlich zum Bilanzstichtag 2015 rund 17 Überstunden pro Mitarbeiter noch zu viel, und man arbeite weiter daran, hier Abhilfe zu schaffen und zusätzliches Personal einzustellen.

Und weil Geschäftsführer John und Pflegedirektorin Braun um die tägliche Arbeitssituation wissen, hatten sie anlässlich des heutigen „Tages der Pflege“ großes Lob für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich parat. Man bedanke sich „ausdrücklich für deren professionelle und empathische Arbeit“. Deren Tun sei von menschlich zugewandter Pflege geprägt. „Unser Dank gilt heute unseren Pflegekräften, weil die medizinische und pflegerische Versorgung von Menschen eben nicht immer planbar ist“, betonte Braun. „Den Menschen, die sich für diesen spannenden und abwechslungsreichen Beruf entschieden haben, ist bewusst, dass diese Unplanbarkeit mitunter manchmal Auswirkungen auf das private Umfeld haben kann.“ J sjm

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