Schlechte Haushaltslage:

Kahlschlag beim Klimaschutz

Offenbach - Als 2010 ein Klimaschutzkonzept für Offenbach eingeführt wurde, wurden mehrere Maßnahmen zur Energieeffizienz ergriffen. Mit ehrgeizigen Zielen soll dem Klimawandel entgegengewirkt werden, doch die Umsetzung läuft nicht wie gewünscht. Es fehlt an Geld. Von Steffen Müller 

15 Millionen Euro für 66 Maßnahmen. So viel Geld wollte die Stadt zwischen 2010 und 2020 für den Klimaschutz ausgeben. Doch daraus wird nichts. Das Budget wurde kräftig gekürzt, statt 15 Millionen Euro stehen für die zehn Jahre nur noch 1,9 Millionen Euro zur Verfügung. „Wir müssen der prekären Haushaltslage Tribut zollen“, sagte Bürgermeister und Noch-Umweltdezernent Peter Schneider gestern bei einer Pressekonferenz zu einer Zwischenbilanz des Klimaschutzkonzeptes. Von den 66 Maßnahmen für weniger Kohlenstoffdioxid-Ausstoß (CO2) sind bisher erst 34 in Arbeit. „Es könnte ein bisschen schneller gehen“, sagt Schneider und bekommt Zustimmung von Heike Hollerbach. „Zum jetzigen Zeitpunkt müssten es mehr Maßnahmen sein“, so die Leiterin des Umweltamts. Gänzlich unzufrieden ist sie mit der aktuellen Zwischenbilanz aber nicht. „Auch kleine Schritte in die richtige Richtung führen vorwärts.“

Ziel des 2010 festgelegten Klimaschutzkonzeptes ist es, den CO2-Ausstoß alle fünf Jahre um 10 Prozent zu senken. Die Schwierigkeit dabei: Obwohl Offenbach wächst und immer mehr Einwohner dazu bekommt, muss der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid reduziert werden. Schneider spricht von einem „schwierigen Spagat“ zwischen dem, was nötig ist und dem, was möglich ist. „Bei all dem Bauboom dürfen wir die Klimaziele nicht vernachlässigen“, fordert der Bürgermeister. Aktuell sehe es zwar gut aus, für 2015 das Ziel zu erreichen. Doch danach wird es schwierig. Durch das Wachstum der Stadt wird immer mehr Energie verbraucht.

Dass sich die Stadt dennoch die 10 Prozent vorgenommen hat, verteidigt Schneider. „Man muss sich hohe Ziele setzen. Das sind wir künftigen Generationen schuldig.“ Die Stadt hat diese Marke selbst gewählt. Es gibt keine genauen Vorschriften beim Klimaschutz. Auch bei der Klimaschutzkonferenz der Vereinten Nationen im Dezember 2015 in Paris wurden keine Bestimmungen diktiert. Zwar wurde beschlossen, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen, einen detaillierten Umsetzungsplan gibt es jedoch nicht. Es heißt nur, dass der CO2-Ausstoß erheblich reduziert werden muss. Strafen bei Missachtungen gibt es nicht.

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Wie sich die Energiebilanz in den letzten Jahren entwickelt hat und welche Einsparmöglichkeiten es gibt, erläuterten gestern die Fachreferentinnen des Umweltamts, Dr. Anna-Christine Sander und Christine Schneider. Die Umweltexperten berichten, dass die Emission von Kohlenstoffdioxid zwischen 2005 und 2013 zwar um insgesamt 22 Prozent zurückgegangen ist, zwischen 2012 und 2013 ist jedoch wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor. Die Kosten für eine jährliche Erhebung sind zu hoch. Klar ist aber bereits jetzt, dass es große Anstrengungen benötigt, um das Ziel die CO2-Emission trotz wachsender Bevölkerung auch in Zukunft weiterhin um 10 Prozent zu reduzieren, zu erfüllen.

Dabei hat ein Gutachten ergeben, dass die Stadt enormes Einsparpotenzial bei CO2 besitzt. Bis 2024 könnte pro Jahr in privaten Haushalten 21.000 Tonnen CO2 beim Gasverbrauch und 51.000 Tonnen beim Stromverbrauch gespart werden. In der Industrie herrscht beim Strom ein jährliches Einsparpotenzial von 60.000 Tonnen CO2. Zum Vergleich: 2013 wurde in Offenbach etwas mehr als eine Million Tonnen Kohlenstoffdioxid ausgestoßen. Entscheidend bei der Einsparung wäre, dass mehr regenerative Energien zur Stromerzeugung genutzt werden. Außerdem könnten durch Haussanierungen, besonders durch Dämmungen von Altbauten, der Heizverbrauch sinken.

Um aufzuzeigen, wo es Einsparmöglichkeiten gibt, bietet das Umweltamt kostenlose Energieberatungen für Haushalte und Unternehmen an. Diese Haus-zu-Haus-Beratungen finden allerdings nur selten statt. Durch die Einsparungen beim Klimaschutz fehlt es schlicht an Personal.

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