Schlosskirchen-Sanierung beginnt

Orgel kommt in den Keller

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Carmenio Ferrulli probt mit Sopranistin Erika Weber Vivaldi in der Rumpenheimer Schlosskirche. Während der Dach-Sanierung bleiben das Gehäuse, die Register und die Mechanik stehen – gut geschützt, versteht sich.

Offenbach - Es sorgt für viele Aktivitäten, was der barocken Rumpenheimer Schlosskirche und ihren Nutzern bevorsteht (wir berichteten): die Sanierung des beschädigten Turm- und Kirchdaches nach Westen und über der Apsis, die Erneuerung von verfaulten und verschimmelten Teilen des Dachgebälks. Von Reinhold Gries 

Ab 1. August wird die Kirche komplett geschlossen, mit viel Glück ab Oktober als Baustelle eingeschränkt nutzbar sein. Die Seele der Kirche, Offenbachs wertvollste und älteste Denkmalorgel von 1852, muss ausgelagert werden – in einen großen Rumpenheimer Keller. Der Gedanke schmerzt, dass die vom Wiesbadener Herzog Adolph von Nassau für seine Braut Prinzessin von Anhalt-Dessau gestifteten Kostbarkeit des Igstädter Orgelbauers Christian Friedrich Voigt – die Prinzessin war Enkelkind des Landgrafen Friedrich von Hessen-Kassel-Rumpenheim und verbrachte hier im Park oft ihre Sommerferien – aus der Kirche komplimentiert wird. Aus seiner Werkstatt gehen in 36 Schaffensjahren rund 60 Orgelneubauten hervor.

Auch Carmenio Ferrulli, der sich beim Spielen und Rekonstruieren der Orgel große Verdienste erworben hat, stimmt der Ausbau des Instrumentes nicht froh. Ihm, dem hochbegabten Kirchenmusiker, bricht nun seine monatlich-sonntäglich Orgelreise durch Europa weg. „Ich hoffe, ich kann im nächsten Jahr dann meine Luther-Orgelreihe spielen“, sagt er beschwörend. 2017 ist Luther-Jahr, 500 Jahre Reformation. Was Pfarrerin Kirsten Lippek zu Dauer und Umfang der Sanierung sagt, klingt nicht unbedingt beruhigend: „Das wird hier eine richtig große Sache, die Baustelle wird sogar zu Straßensperrungen führen. Wir hoffen, dass bis Weihnachten alles fertig ist.“

Viel Handarbeit für die Spezialisten: Die Pfeifen der Voigt-Orgel müssen ausgebaut werden.

Wie Horst Kriszio, dem Leiter der Rumpenheimer Kirchenmusik, dem auch sein Programm zum 2. Halbjahr zusammengefallen ist, deutet Lippek an: „Wenn das Deckengewölbe geöffnet wird, weiß keiner genau, was passieren wird. Das Gewölbe wird durch verschimmelte Balken mitgehalten. Risse in der Decke sind das Mindeste.“ Während Kriszio mit einigen seiner Konzerte in die nahe Erlöserkirche Waldheim ausweichen kann, fällt für Wilhelm Hardt der bisher zentrale Raum der von ihm geleiteten „Rumpenheimer Kunsttage“ im September ganz aus. Zumindest innen, außen plant man eine „Baustellen-Ausstellung“. Wie überhaupt vorgesehen ist, ab Oktober auch Gottesdienste auf der Baustelle zu halten. Damit das Dach wieder dicht wird – das kostet immerhin geschätzte 700.000 Euro, von der die Gemeinde trotz Hilfe des Offenbacher Kirchengemeindeverbandes und des Landeskirche an die 140.000 Euro aufbringen muss – soll es „Herzklopf“-Aktionen mit Bildhauer Mathias Müller geben, Baustellenführungen, Autorenlesungen, Musik und Kunst in der Baustelle, einen Spendenlauf. Die im Internet einsehbaren Spendenkonten sind weit offen…

So wirkt Musik auf unseren Körper

Wenn man liest, dass die Baugerüste pünktlich am 1. August aufgestellt werden sollen, dann müsste die Licher Orgelbaufirma Förster&Nicolaus zügig mit dem Orgelausbau vorankommen. Zum Glück hat sie Erfahrung mit dem empfindlichen Pfeifenwerk, das in kunstvolle Orgelschränke gebaut ist. Denn sie hat die 1028 Pfeifen aus Zinklegierung und Holz (für Pedalbässe) vor einigen Jahren in besten Zustand gebracht, um romantischen bis neobarocken Klangkontext zu rekonstruieren.

Ferrulli glaubt daran, dass diese Firma den Ausbau der Pfeifen in einem Tag bewältigt. Das Gehäuse, die Register, die Mechanik bleiben stehen. Der Spieltisch wird einfach abgeschlossen. Dass der Ausbau der Pfeifen eine Millimetersache werden wird, sieht man, wenn Ferrulli im Inneren der Orgel herumklettert. Immerhin: Davon, dass der von ihm nicht genannte Rumpenheimer Kellerraum zur Lagerung geeignet sein wird, ist er überzeugt. Es sind Fachleute am Werk, man kann nur das Beste hoffen.

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