Park wirkt „teilgepflegt“

BIR will deutlicheres Bekenntnis zum Denkmalschutz

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Herbstliche Stimmung im Schlosspark Rumpenheim: Die lokale Bürgerinitiative beklagt eine „Untätigkeit der Stadt“.

Rumpenheim - Der Schlosspark, maßgeblich entstanden Ende des 18. Jahrhunderts, ist ein Stück Kulturgeschichte. Ziel von städtischen Maßnahmen ist es, den Charakter eines englischen Landschaftsgartens wieder stärker zu betonen.

Der Bürgerinitiative Rumpenheim geht das zu langsam. Zudem vermisst sie ein deutlicheres Bekenntnis zum Denkmalschutz. Jetzt erhält die BIR Unterstützung von höherer Stelle. Die Unzufriedenheit ist eine Konstante, wenn’s um den Schlosspark geht. Jüngster Zwist zwischen Initiative und Stadt: Während mehrere Bäume fallen, wird ein Rundweg um die Zarenlinde ebensowenig angelegt wie eine Verbindung zum Aussichtshügel – trotz Parlamentsbeschluss. Die BIR wirft der Stadt Untätigkeit vor, ergreift folgerichtig im Februar selbst zum Werkzeug und beseitigt unerwünschte Schößlinge.

Nun hat die Initiative um Bruno Persichilli an höherer Stelle für ihr Anliegen geworben. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, besuchte erstmals Rumpenheim und traf sich mit dem BIR-Vorstand. Mit seinem Mitarbeiter Wenzel Bratner habe er sich „selbst ein Bild vom Zustand des Schlossparks gemacht“, heißt es. Dabei hat die Initiative um Unterstützung bei ihren Bemühungen gebeten, den Charakter des Parks als „denkmalgeschütztem englischen Landschaftspark“ zu erhalten.

Dr. Harzenetter sei sichtlich beeindruckt gewesen vom Rumpenheimer Ensemble mit Schloss, Kirche, Mausoleum und dem Park samt Monopteros, türkischem Pavillon, Platanenallee und Baumsaal. Während der Bereich um das Schloss einen gepflegten Eindruck macht, konnte auch Dr. Harzenetter schnell erkennen, dass der überwiegende Teil des Parks zwar nicht einen ungepflegten, aber nur einen „teilgepflegten“ Eindruck macht, habe er sich in Kenntnis der finanziellen Situation der Stadt zurückhaltend geäußert. Es fehle die große Linie und man vermisse die Priorität des Denkmalschutzes, fasst Persichilli zusammen.

Er zitiert den Präsidenten folgendermaßen: „Es ist positiv zu bewerten, dass es ein Parkpflegewerk und weitere Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung von 2010 und 2015 gibt. Aber es hapert offensichtlich an der Umsetzung. Man muss Prioritäten setzen und die Forderungen des Parkpflegewerkes auf bestimmte Ziele herunterbrechen und den Zeitplan nachjustieren“.

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Dr. Harzenetter beschrieb die Rolle seines Amtes als eine beratende Fachbehörde für Denkmalkunde und -pflege. Er könne der Stadt anbieten, mit den verantwortlichen Ämtern ein beratendes Gespräch zu führen, in dem man über das Verhältnis von Naturschutz und Denkmalschutz diskutieren und Vereinbarungen erzielen könne. So sei es sicherlich möglich, eine „Linie“ zur Pflege und zum Erhalt des denkmalgeschützten Parks festzulegen.

Gleichzeitig habe Dr. Harzenetter die Rolle der BIR gelobt, „die zudem selbst aktiv wird“. Gerade die letzte Aktion der BI zum Herausreißen der Schößlinge am Aussichtshügel habe gezeigt, wie wichtig die Arbeit der Rumpenheimer Bürger sei. Die Aktion lasse den Aussichtshügel wieder sichtbar werden, „und Sichtbeziehungen für den Park sind elementar“. Erst so entfalte der Aussichtshügel seinen Charme.

Die hoffentliche versöhnliche Nachricht, die Dr. Harzenetter in Rumpenheim lässt. Er habe der BIR versprochen, mit der Stadt - hier speziell mit Oberbürgermeister Horst Schneider - Kontakt aufzunehmen und seine Beratung anzubieten. Und vielleicht ist ja auch das hilfreich: Der 41. Tag der Hessischen Denkmalpflege findet am 8. Juli in Offenbach statt. Und auch das passt: Der bundesweite Tag des offenen Denkmals am 11. September steht unter dem Motto „Zusammen sind wir weniger alleine – gemeinsam Denkmale erhalten“.

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