Staatsschutz ermittelt

Schock nach Angriff auf Rabbiner

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Offenbach - Beleidigt und angegriffen: Schockiert berichtet die Jüdischen Gemeinde in Offenbach von einer antisemitischen Attacke auf ihren Rabbiner Mendel Gurewitz, von Jagdszenen im KOMM-Center am Sonntag.

Erst gestern ist die besondere Brisanz des Falles deutlich geworden: Am Montag hatte das Polizeipräsidium in Offenbach in einer neutral formulierten Meldung auf einen Vorfall aufmerksam gemacht, der noch für beträchtlichen Wirbel sorgen könnte. Demnach ist am Sonntagabend gegen 19 Uhr in der Großen Marktstraße ein „39-jähriger Anzeigenerstatter“ von sechs bis acht südländisch aussehenden Jugendlichen verbal belästigt worden.

Gestern leitete der Vorstand der Jüdischen Gemeinde unserer Zeitung einen Brief ans Management des KOMM-Centers zu, der mit schockierenden Details die Vorgänge aus der Sicht des Betroffenen schildert.

Durch seine Kleidung als Rabbiner erkennbar

Der durch seine Kleidung als Rabbiner erkennbare Mendel Gurewitz sei im Beisein der Security-Leute als „Jude und mit Zusatzbezeichnungen“ beschimpft und handgreiflich attackiert worden, schreiben der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Professor Alfred Jacoby, und sein Stellvertreter Mark Dainow ans KOMM: „Schändlich ist, dass Ihre Security-Mitarbeiter dem Rabbiner in keiner Weise halfen, sondern ihn noch aufforderten, Fotos, die er zur Dokumentation des Geschehenen machte, von seinem Handy zu löschen.“ Vorstandsmitglied Henryk Fridman: „Der Rabbi hat mich während der Attacke angerufen, ich habe alles mit angehört.“ Es sei ein großes Glück für Gurewitz gewesen, dass „er bei der Verfolgung durch die Jugendlichen im KOMM-Parkhaus durch einen zufällig vorbeifahrenden jüdischen Mitbürger gerettet wurde“. Fridman bestätigt zudem, dass Gurewitz auch von der Polizei übers Handy aufgefordert worden sei, die Bilder der Angreifer zu löschen.

Meldung „bewusst zurückhaltend formuliert“

Dennoch lobten Fridman und Gurewitz gestern die Arbeit der Polizei. Laut deren Sprecher Rudi Neu ist die erste Meldung „bewusst zurückhaltend formuliert worden“. Es gehe um Ermittlungen des Staatsschutzes. Heute sollen Videoaufzeichnungen im KOMM ausgewertet werden.

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Toleranz verloren?

Centermanager Frank Middendorf distanzierte sich gestern von dem Vorfall. Von den Sicherheitsleuten habe er die Auskunft erhalten, sie seien erst hinzugekommen, als der Rabbiner die Fotos von den Jugendlichen gemacht habe. Die Security habe dann ihren Angaben zufolge beide Parteien zu verschiedenen Center-Ausgängen hinaus gebeten. Middendorf hat sich mit dem Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Verbindung gesetzt und sich für den Vorfall entschuldigt. „Die Entschuldigung wurde angenommen“, so der Manager. Für die nächste Woche habe er ein Gespräch bei der Jüdischen Gemeinde vereinbart.

Was erschüttert: Nach seinen Angaben wird Gurewitz seit Jahren in Offenbach mit antisemitischen Beleidigungen beschimpft und auch im aktuellen Fall mit Pro-Palästina-Parolen konfrontiert. Fridman: „Diesmal ist die Grenze überschritten worden, diesmal ging es um körperliche Gewalt.“

psh/mad

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