Schreibwettbewerb in Offenbach

Neugierig auf junge Biografien

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Der altertümliche Stift, den auch das allerliebste Vögelchen von Grafikerin Marita Prieur benutzt, ist nur symbolisch: Geschrieben werden soll schon auf dem Computer. Initiatoren, Beteiligte und Unterstützer des Wettbewerbs Quo vadis? im Vortragsraum des Pressehaus Bintz-Verlags: (schon in den werbenden T-Shirts) Pädagogin Helga Burgdorf und Schulamtsdirektorin Susanne Meißner mit den Herren (von rechts) Peter Heßler, Horst Reber, Oberbürgermeister Horst Schneider, Landrat Oliver Quilling, Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel.

Offenbach - Junge Menschen aus Einwandererfamilien sollen notieren, wie sie in Deutschland angekommen sind, was ihre Wünsche sind, wie sie ihre Zukunft und ihren weiteren Weg sehen: Von Thomas Kirstein 

„Quo vadis?“, wohin gehst du, heißt denn auch ein Schreibwettbewerb für in Stadt und Kreis lebende Jugendliche aus 9. bis 13. Klassen beziehungsweise in Ausbildung. Im Verlagsgebäude des Medienpartners Offenbach-Post treffen sich Beteiligte und Unterstützer, um den Schreibwettbewerb Quo vadis? in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Chefredakteur Frank Pröse begrüßt, Journalist Horst Reber moderiert, stellt die Akteure vor und befragt sie.

Die eigentliche Zielgruppe indes sollte bereits angesprochen sein. Wie Schulamtsdirektorin Susanne Meißner berichtet, sind die in Frage kommenden Schulen mit weiterführenden Klassen bereits angeschrieben. Der Wettbewerb für die ausländischen Jugendlichen sei rundum auf Begeisterung gestoßen. „Ich bin mir sicher, viele werden sich beteiligen, es ist ja auch eine tolle Plattform, sich zu präsentieren“, sagt Susanne Meißner.

Geboren worden ist die Idee für Quo Vadis? im Vielvölker-Kessel Offenbach. Werber und Respekt-Herausgeber Peter Heßler hat sie mit Helga Burgdorf entwickelt. Die pensionierte Lehrerin und Schulleiterin war jahrelang an der Front, bewältigte das tägliche Integrations-Geschäft an der Bieberer Geschwister-Scholl-Schule.

Der Gedanke ist neu für die Region: Junge Menschen, nicht aus der zweiten oder dritten Einwanderer-Generation, sondern welche, die das Licht der Welt in einem anderen Land erblickt und dieses bewusst als Heimat erlebt haben. Sie sollen aufschreiben und, eventuell unterstützt von Fotos und Videos, dokumentieren, an was sie sich erinnern, was sie geprägt und ihnen geholfen hat, was sie geärgert und verletzt hat, was sie von der Zukunft erwarten und wie sie ihre Ziele erreichen wollen.

Sie sind angesprochen, „über ihre Biografie zu reflektieren“, wie es Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider formuliert. Er und Oliver Quilling, der Landrat des Kreises Offenbach, sind die überzeugten Schirmherren des Projekts. „Die Beschäftigung mit Einzelschicksalen kann helfen, manch eine negative Einstellung zu ändern“, stellt der Landrat einen Bezug zur aktuellen Herausforderung des Flüchtlingszustroms her. Quo vadis? wird auch unterstützt vom Sportkreis Offenbach in Gestalt seines Vorsitzenden Peter Dinkel, der die Rolle der Vereine bei der Aufnahme von Jugendlichen mit fremden Wurzeln betont.

Was bewegt diese jungen Leute? Wo sehen sie ihre Chancen? Was sind ihre Geschichten? Darauf ist Initiator Peter Heßler neugierig. Die Angesprochenen sollen selbst zu Wort kommen, aber nicht nur zum flüchtigen gesprochenen, sondern zum nachlesbar veröffentlichten, zum Teil auch gedruckten Wort. Das Verfassen der Texte wird von engagierten Lehrkräften betreut; es kommt nicht auf Rechtschreibung und Grammatik, vielmehr auf Inhalte an. Unsere Zeitung wird geeignete Beiträge, die bis zum 10. Juni eingegangen sein müssen, auf Papier und dem Portal www.op-online.de veröffentlichen.

„Durch Veröffentlichung in den Medien hast du die Möglichkeit, dich darzustellen und einer breiten Öffentlichkeit deine Bedeutung für die Gesellschaft aufzuzeigen und deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.“ Damit wirbt die Ausschreibung um Teilnahme. Anreize zum Mitmachen sind aber auch attraktive Sachpreise, die eine Jury den aus ihrer Sicht besten Beiträgen zuerkennen wird. Diese und ihre Autoren werden bei einer öffentlichen Abschlussveranstaltung präsentiert und mit Urkunden ausgezeichnet.

Am Ende der Projekt-Vorstellung wird im Vortragsraum unseres Pressehaus Bintz-Verlags noch eine spontane Idee von Oberbürgermeister Horst Schneider besiegelt: Stadt, Landkreis und Sportkreis spendieren je 500 Euro, um die Schule(n) mit dem größten Teilnehmer-Anteil zu belohnen.

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