Schönheit und Dauerhaftigkeit

Schreinergesellen stellen Werke aus

+
Zu den Besten gehört Robert Klose, der in der Offenbacher Schreinerwerkstätte Grupe ausgebildet wurde – hier vor seinem Schreibtisch aus Eschenholz. Ihn beglückwünschten Obermeister Joachim Hildebrandt (links) und Kreishandwerksmeister Wolfgang Kramwinkel. 

Offenbach - „Ihr habt Designerqualitäten bewiesen“, bescheinigt Kreishandwerksmeister Wolfgang Kramwinkel den 14 ehemaligen Lehrlingen und spricht aus, was viele Besucher beim Betrachten der Tischler-Gesellenstücke denken. Von Harald H. Richter

Die Präsentation diverser Side- und Hängeboards, Schreib- und Clubtische am Sonntag in der Aula der August-Bebel-Berufsschule des Kreises Offenbach gibt einen imponierenden Eindruck von dem wieder, was der Berufsnachwuchs aus dem Naturwerkstoff Holz geschaffen hat. Zugleich wird der aktuelle Abschlussjahrgang der Schreinerklasse freigesprochen, die erfolgreichen Prüflinge erhalten ihre Zeugnisse. Prüfungsbeste ist Janine Schwendner aus Seligenstadt geworden. Sie hat ihre Ausbildung beim Langenselbolder Schreiner Karsten Funke erfolgreich beendet und einen vielbeachteten Flurschrank aus Zebrano gefertigt. „Das ist eine Holzart, die im tropischen westlichen Zentralafrika vorkommt“, erklärt die 25-Jährige. Das Möbelstück besticht in seiner Ausführung einerseits durch schlichte Eleganz, wird von Fachleuten aber zugleich als „pompöses Spektakel der Natur“ beschrieben. Blicke ziehen auch die Gesellenstücke der diesjährigen Innungsbesten auf sich: Felix Benedikt Kloos (22) aus Rodgau, der in Kramwinkels familiengeführtem Betrieb in Mühlheim gelernt hat, und der in der Offenbacher Schreinerwerkstätte Grupe ausgebildete Hanauer Robert Klose (24). Beide werden mit Sonderpräsenten geehrt.

Der Obermeister der Schreinerinnung für Stadt und Kreis Offenbach, Joachim Hildebrandt, würdigt die Leistungen der Absolventen und spricht von hohem Niveau ihrer angefertigten Gesellenarbeiten. Der angehende Berufsnachwuchs habe während der dreijährigen Lehrzeit einmal mehr Fantasie und Gestaltungskraft bewiesen. „Durch ihre Hand sind Möbelstücke von einzigartiger Schönheit und Dauerhaftigkeit entstanden“, lobt auch Stadträtin Marianne Herrmann, die für den Magistrat der Stadt Offenbach Grüße überbringt. Sie freut es, dass sich in den Reihen der jungen Tischler vier Frauen befinden, die in den männlich dominierten Beruf drängen.

Die Ausbildung im dualen System habe sich einmal mehr bewährt, unterstreicht der Leiter der August-Bebel-Schule, Raimund Kirschner. Die Schüler hätten voller Fleiß ein jahrhundertealtes Handwerk in innovativen Betrieben erlernt und ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg ihres beruflichen Fortkommens erreicht. Nun beginne die nächste Phase, für manchen das Streben nach dem Meistertitel oder gar die Verwirklichung des Traums vom eigenen Betrieb. „Manch dickes Brett wurde gebohrt“, pflichtet der Kreishandwerksmeister bei, betont aber zugleich, dass die Branche unter Nachwuchsmangel leide. Bedingt durch den Ansturm auf akademische Berufe müsse man davon ausgehen, dass bis 2030 rund eine Million Fachkräfte fehlen werden, so Kramwinkel.

Im Schreinerhandwerk bedient man sich zunehmend computergestützter Technologie. Der nächste Jahrgang an der August-Bebel-Schule zeigt daher bei der Tischlerausstellung Ergebnisse des sogenannten CAD/CNC-Projekts. Im Unterricht wurden Entwürfe für Hängeschränke angelegt und im rechnergestützten Verfahren hergestellt. Bei der Ausformung der Fronten indes konnten die Jugendlichen ihrer Kreativität freien Raum lassen. Für sie ist die Beteiligung an der Werkschau eine Einstimmung auf das, was sie am Ende der eigenen Ausbildung erwartet.

Kommentare