Schulrezepte gegen Rassismus

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Zum Fest der Kulturen gab es in der Geschwister-Scholl-Schule viele Aktionen. Auch Theaterstücke wurden aufgeführt.

Offenbach - Einen doppelten Grund zum Feiern hatte die Geschwister-Scholl-Schule (GSS): Zum einen die Ernennung zur Integrierten Gesamtschule (ab 1. August), zum zweiten die ebenfalls in mühevoller Arbeit erworbene Zertifizierung als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Von Veronika Szeherova

Schulleiterin Fanni Lange-Mülot war stolz auf ihre Schüler. „Ihr allein seid diejenigen, die dieses Projekt angetrieben und zum Erfolg geführt haben“, lobte sie. Als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ werden nur Bildungseinrichtungen ausgezeichnet, die sich auf Initiative von Seite der Schüler um den Titel bewerben. Dafür müssen sie mehrere Schritte durchlaufen. Themen wie Rassismus, Diskriminierung und Toleranz wurden in Gesprächen verarbeitet. Lange-Mülot: „Die Schüler sprachen erstaunlich offen über ihre Erfahrungen, Probleme und Ressentiments“, sagt sie. „Der Dialog war ein deutliches Zeichen dafür, dass das Thema jeden etwas angeht und dass es die jungen Menschen bewegt.“

Der nächste Schritt war die Unterzeichnung der Unterschriftenlisten. Die Bundesinitiative in Berlin erwartet, dass mindestens 70 Prozent aller Personen unterschreiben, die an der Schule wirken, von den Schülern und Lehrern bis hin zum Hausmeister und den Putzfrauen. Die GSS verzeichnete ein Unterschriften-Rekordpensum von 100 Prozent – ein weiterer Grund, stolz zu sein.

Die GSS ist die vierte Schule in Offenbach und die 25. in Hessen, die diese Auszeichnung erhält. Von den 574 Schülern stammen 60 Prozent aus Familien mit Migrationshintergrund aus 56 Ländern. Die Flaggen dieser Länder symbolisierten die Vielfalt und wurden als Gesamtkunstwerk von den Schülern für das sich der Verleihung anschließende Fest der Kulturen am Schulgebäude angebracht und feierlich enthüllt. Dies geschah unter tosendem Applaus der zahlreich erschienenen Gäste.

Drei Schüler zeigten sich in den letzten Jahren besonders engagiert im schulischen Leben und in ehrenamtlichen Projekten wie dem Schulsanitätsdienst. Kerstin Sickenberger, Giulia Camuto und Artur Khatchaturyan bildeten auch das Team, dem die Zertifizierung hauptsächlich zu verdanken ist. So bekamen die Zehntklässler zum Dank eine weiße Rose geschenkt, das Symbol der Geschwister Scholl, und die ersten drei der neuen, eigens angefertigten Schul-T-Shirts.

In wochenlanger, themen- und projektbezogener Arbeit entstanden in jeder Klasse Ausstellungen und Aktionen über Flüchtlingsländer, die Europäische Union oder alltägliche Sitten und Gebräuche bis hin zu griechischen Sagen oder US-amerikanischen Indianerkulturen. Ein Projekt war das „Internationale Kinderkochbuch“, in dem die Schüler der 5. Klassen ihre Lieblingsrezepte aus aller Welt aufschrieben. Besonders engagiert zeigten sich dabei Caner Cakir und Sümeyra Cavusoglu, die durch das Schulgelände gingen, um das Kochbuch zu verkaufen. Die Einnahmen werden an ein Kinderhilfsprojekt in Uganda weitergeleitet.

Außerdem zeigten die Schüler Tanzaufführungen und Inline-Akrobatik. Auch die Trommler des Freizeitprojekts der 6. Klassen begeisterten die Zuschauer, ebenso wie der Chor der 10. Klasse der Realschule. Sie sangen „Oh Happy Day“...

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