Schutzgeld erpresst und Deutsche Bank betrogen

Offenbach - Gleich sieben Angeklagte müssen sich seit gestern in einem groß angelegten Verfahren unter anderem wegen Schutzgelderpressung, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Darmstadt verantworten. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Allein die Verlesung der Anklageschrift durch Oberstaatsanwältin Annette von Schmiedeberg dauerte eine volle Stunde. „Spitzenreiter“ in der Summe der Anklagepunkte ist der Offenbacher (34). Sein gesondert verfolgter Zwillingsbruder Devrim ist weiter flüchtig.

Beide sind in Offenbach bekannt als Betreiber der ehemaligen Kampfsportschule „Fight Club“ in der Großen Marktstraße, die ihnen von 2006 bis 2009 gute Geschäfte bescherte. Das Geld floss allerdings nicht nur aus den Taschen der Schüler - für eine Einheit Privatunterricht verlangte Kickbox-Meister Deniz 500 Euro - , sondern auch aus denen zahlreicher „Sponsoren“, von den beiden türkischen Staatsbürgern großzügig auf ihrer Internetseite präsentiert.

Zum Tod eines der Opfer kam es nicht

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Auf diese Art Promotion hätten die Gewerbetreibenden allerdings gerne verzichtet. Die Betreiber der Spielhalle „Winner´s Place“ am Marktplatz, des Bistros Café Loco in der Bleichstraße, des Parkhotels in der Marienstraße, des Wettbüros Sportbar in der Geleitsstraße sowie einiger anderer türkischer Geschäfte zahlten nämlich nicht freiwillig. Sie wurden von den Brüdern in Kooperation mit den Angeklagten Ramazan C. aus Berlin, Mohamed D. aus Offenbach und Danny C. aus Hainburg erpresst und genötigt. Widersetzten sich die Landsleute, wurde ihnen mit Mord, Körperverletzung und Sachbeschädigung gedroht.

Zum Tod eines der Opfer kam es nicht, dafür wurde aber das „harmlosere“ Repertoire voll ausgereizt: Scheiben gingen zu Bruch, Buttersäure verpestete Geschäftsräume. Reichte das nicht aus, kam die härtere Gangart: Schläge, Tritte, vorgehaltene Pistolen. Im Oktober 2009 gipfelte das in einer Massenschlägerei in der Herrnstraße. Die Männer hatten 15 bis 30 Personen mit Schlagstöcken, Flaschen und Messern bewaffnet zum Kiosk des zahlungsunwilligen Y. geschickt.

20-jähriger wurde lebensgefährlich verletzt

Schüsse fielen, ein 20-jähriger wurde lebensgefährlich verletzt. Lange Zeit hatte die Polizei Schwierigkeiten, aussagebereite Geschäftsleute zu finden. Die meisten schwiegen aus Angst. Erschwerend hinzu kam, dass der Offenbacher einen korrupten Beamten aufgespürt hatte, der regelmäßig über den Zeitpunkt polizeilicher Kontrollen, den Ermittlungsstand und andere interessante Dinge informierte. Pro Aussage kassierte er bis zu 500 Euro. Gerhard P. hätte bereits im Januar vor dem Landgericht auf der Anklagebank sitzen sollen. Das Verfahren war aber nach dem ersten Prozesstag geplatzt, weil ihm ein Gutachten Herzprobleme attestierte. Er gilt nach wie vor als nicht verhandlungsfähig.

Die Bande erbeutete insgesamt Schutzgelder in Höhe von mindestens 103 000 Euro. Darüber hinaus wird den Angeklagten Betrug zum Nachteil der Deutschen Bank im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften zur Last gelegt. Der Bankangestellte Marco L. aus Mannheim und der Frankfurter Notar Norbert W. sollen die notwendigen Kredit- und Kaufverträge ausgestellt haben. Das Verfahren gegen Norbert W. wurde ausgegliedert, da er sich zurzeit in klinischer Behandlung befindet.

Die Verhandlung wird am 5. Juli fortgesetzt, mindestens 10 Prozesstage sind geplant.

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