Prozess um Kickbox-Zwillinge: Schutzgeld auch ohne Drohungen

Darmstadt/Offenbach - Im Darmstädter Prozess gegen eine mutmaßliche Bande von Schutzgelderpressern aus Offenbach hat ein 33-Jähriger den Hauptangeklagten belastet. Er berichtete am Montag vor dem Landgericht, dass sie gemeinsam mit einem weiteren Komplizen mehrfach einen Offenbacher Spielothekenbetreiber ausgenommen hätten.

„Wir haben ihm gedroht, seine Spielautomaten kaputt zu machen“, sagte der Angeklagte. Daraufhin sei das Geld geflossen. Insgesamt habe das Opfer mehrere zehntausend Euro an den 34 Jahre alten Hauptangeklagten gezahlt. Auch von Zahlungen anderer Erpresster will der 33-Jährige gewusst haben.
Vor Gericht stehen insgesamt acht Männer. Ein Teil der Angeklagten soll in Offenbach vor allem Besitzer von Kiosken und Spielotheken erpresst haben. Drahtzieher sollen ein 34-Jähriger und sein derzeit flüchtiger Zwillingsbruder sein, die in Offenbach eine Kampfsportschule betreiben. In dem Prozess, der seit Mitte Juni läuft, geht es auch um Betrug.

Drohung nicht nötig: „Wir hatten einen Ruf in der Stadt“

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Der 33 Jahre alte Angeklagte sagte über den Offenbacher Spielothekenbetreiber: „Der hat bezahlt, wenn wir gekommen sind.“ Der Mann habe zudem Kampfsportveranstaltungen der Zwillingsbrüder „gesponsert“ und dem Hauptangeklagten 28.000 Euro für eine Wohnungseinrichtung gegeben. Ein anderes mutmaßliches Opfer soll nach Angaben des Angeklagten monatlich 250 Euro an die Kampfsportschule gezahlt haben.
Irgendwann habe die Gruppe in Offenbach niemandem mehr drohen müssen, sagte der 33-Jährige. „Wir hatten einen Ruf in der Stadt.“ Vielfach hätten Opfer dann auch ohne Drohungen gezahlt.

dpa/baw

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