Fünfeinhalb Jahre Haft für 31-Jährigen

„Der Albtraum für jede Frau“: Sex-Täter verurteilt

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Symbolbild

Offenbach - Wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit Körperverletzung hat das Landgericht Darmstadt gestern einen 31-Jährigen aus Offenbach zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Trotz seiner – auf den ersten Eindruck durchaus nicht unglaubwürdigen – Story von einer wilden Sex-Beziehung in öffentlichen Grünanlagen wird Nuno L. vom Vorsitzenden Richter Dr. Christoph Trapp schuldig gesprochen. Staatsanwalt Christian Dilg fordert für den geringfügig vorbestraften Portugiesen knapp ein Jahr mehr. Wie auch die zwölfte Strafkammer sieht Dilg die Anklage in vollem Umfang bestätigt und keinerlei strafmildernde Gründe. Im Gegenteil: „Besonders strafverschärfend sind die lebenslangen psychischen Folgen für die Geschädigte!“ Die beiden Verteidiger, die auf Freispruch plädiert hatten, beraten nun, ob man in Revision gehen will. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass L. am frühen Sonntagmorgen des 19. April 2015 eine 43-Jährige brutal überfallen und vergewaltigt hat. Die Frau befindet sich zu Fuß auf dem Weg zur Arbeit, als L. sich ihr auf der Kettelerstraße von hinten nähert, sie eine Böschung hinunterstößt, zunächst bedroht und dann zum Oralsex zwingt.

Die Offenbacherin ist seitdem traumatisiert, hat häufige krankheitsbedingte Arbeitsausfälle, braucht für ihren Job eine Kollegin an ihrer Seite, traut sich nicht mehr allein auf die Straße. In dem Prozess tritt sie als Nebenklägerin auf. Ihre Rechtsanwältin Friederike Vilmar charakterisiert im Schlussvortrag das Verbrechen: „Wir haben es hier mit dem sehr seltenen Tatbestand einer Vergewaltigung zu tun, bei dem ein unbekannter Täter praktisch aus dem Nichts auftaucht. Das ist der Albtraum für jede Frau. Wie aus einem schlechten Fernsehkrimi.“

Der Verurteilte selbst hatte zuvor vor Gericht eine schillernde Sex-Story zum Besten gegeben: Demnach will er die 43-Jährige etwa eine Woche vor der Tat im Cinemaxx kennengelernt und sich fortan regelmäßig mit ihr zu schnellem Sex in öffentlichen Grünanlagen in der Innenstadt getroffen haben. Einmal seien sie von einer Frau mit Hund erwischt, ein anderes Mal sei ein geschlossener Parkhausbereich zum Liebesnest umfunktioniert worden. Natürlich sei das „Treffen“ am 19. April einvernehmlich gewesen. Mit der Strafanzeige habe sich die 43-Jährige an ihm rächen wollen, weil er die „Beziehung“ wegen einer schwangeren Freundin in Brasilien direkt nach dem Treffen in Bürgel beendet habe.

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Wahlverteidiger Wolfgang Strauß glaubt seinem Mandanten: „In einer Situation, wo Aussage gegen Aussage steht, sollte man kühl bleiben und kritisch die Fakten prüfen. L. weiß, dass sich Geständnisse in deutschen Gerichten sehr strafmildernd auswirken, trotzdem bleibt er bei seiner Unschuldsbekundung.“ Zu detailreich sei die Geschichte, als das man sich diese hätte ausdenken können, zu offensichtlich, dass die Zeugin ja vorher schon psychische Probleme hatte und widersprüchliche Aussagen gemacht habe. Das Gericht sieht dies jedoch anders, hält die Zeugin für absolut glaubwürdig. L. hingegen habe keinen einzigen Beweis dafür erbringen können, dass er die Frau schon vorher gekannt habe.

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