Klimaveränderung in Offenbach

Überschwemmt und überhitzt

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Die Extreme werden häufiger: Überflutungen am Mainufer (hier in diesem Juni) ebenso wie Trockenheit (z.B. im Sommer vergangenen Jahres).

Offenbach - Sintflutartige Regenfälle im Juni, Ende August Hitze bis fast 40 Grad. Dieses Jahr ist besonders offensichtlich, dass sich das Klima verändert. Dass sich extreme Wetterereignisse häufen, wird nur noch von wenigen angezweifelt.

Wie sich der Wandel zukünftig konkret auf Offenbach auswirkt, stellten Fachleute bei einem Umweltamts-Workshop für ein Klimaanpassungskonzept dar. Kurz zusammen gefasst: Besonders der dicht bebaute Nordwesten der Stadt wird mit den Folgen von Hitze zu kämpfen haben, der Nordosten besonders mit Nässe.

Ein Szenario für Überhitzung und zunehmende Trockenheit, vorwiegend in Nordend, Kaiserlei und Innenstadt:Die Lufttemperatur in Hessen steigt an, Modelle simulieren eine Zunahme von über drei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts. Überhitzung des Wohnumfelds ist für die Menschen, besonders Kinder und Senioren, ein nicht zu unterschätzender Faktor. Das betrifft vorrangig Gebiete, in denen die Gebäude eng stehen.

Straßen und Bodenbeläge leiden, Asphalt wird aufgeworfen, sinkende Wasserspiegel verursachen Setzungen. Die natürliche Wärme wird verstärkt durch „Prozesswärme“ – das ist das, was etwa Fahrzeuge abstrahlen und die immer stärker genutzten Klimaanlagen entwickeln. Die Luftqualität leidet, Smog nimmt zu, es herrscht höhere Konzentration von Schadstoffen und Allergenen.

Ebenso trifft die Hitze die Natur. Grünflächen müssen häufiger gegossen werden, was Betriebskosten erhöht. Land- und Forstwirtschaft haben Ernteverluste und müssen sich mit bislang in diesen Breiten nicht vertretenen Schädlingen herumärgern. Das natürliche Biosystem gerät in Schieflage. Wärmeliebende einwandernde Arten stellen für viele einheimische Spezies, Tiere wie Pflanzen, eine großer Gefährdung dar.

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Seen und Feuchtgebiete verdunsten, Waldbäume verlieren ihre Vitalität oder werden anfälliger für Brände: Das mindert die Bedeutung des Forsts als Frisch- und Kaltluftentstehungsgebiet. Auch die soziale Infrastruktur gerät in Schieflage. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind stärker beeinträchtigt, es kommt zu dem, was die Experten „Übernutzung öffentlicher Plätze durch veränderte Verhaltensmuster“ nennen.

Ein Szenario für die Bedrohung durch Wasser in Bürgel, Rumpenheim, Bieber, Kaiserlei, Stadtmitte:Nach Modellsimulationen ist bis Ende des 21. Jahrhunderts mit einer Abnahme der Sommerniederschläge bei zugleich zunehmenden Winterniederschlägen zu rechnen. Was der immer häufiger und intensiver auftretende Starkregen zunehmend anrichten kann, war bereits zu erleben: Behinderungen im Straßenverkehr bis zum kompletten Stillstand, private und öffentliche Keller sowie Tiefgaragen überflutet.

Kanalisation und Abwasserbeseitigungsanlage Frankfurt-Niederrad geraten an die Grenzen ihrer Kapazität, der Abfluss des Wassers verzögert sich, Kanäle laufen über. Kaum verwunderlich, dass Hochwasser die Gebiete trifft, die am nächsten am Main liegen. Aber auch die kleine Bieber ist für Überschwemmungen im gleichnamigen Stadtteil gut. Es gibt Prognosen, die sehen Bieber im extremsten Fall komplett von der Außenwelt abgeschnitten und zeitweilig nur noch per Boot erreichbar. (tsk)

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