Vernetzen erwünscht

Sommerfest der Kreativwirtschaft bringt Branchen zusammen

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Sogenannte Cosplayerinnen wie Svenja Siegwart (links) und Pola Glatting (rechts) stellen Figuren aus Filmen, Serien und Comics dar. Ursprünglich kommt der Verkleidungstrend aus Japan. Die Manga-Zeichnerin Christina Plaka in ihrer Mitte ist in der Szene bestens bekannt.

Offenbach - Beim Sommerfest der Kreativwirtschaft gab es am Mittwoch wieder einmal reichlich Gelegenheit zum Netzwerken. Außerdem konnten sich die Besucher auf dem Ostpol-Gründercampus als Manga-Künstler versuchen. Von Christian Wachter 

In einem Ostpol-Konferenzsaal strecken sich die Besucher die Zunge heraus und machen grimmige Gesichter. Gerade haben sie von der Offenbacher Manga-Künstlern Christina Plaka erklärt bekommen, wie sie mit wenigen Strichen ein Gesicht zeichnen können. Dafür sollten sie sich zu Teams zusammenfinden und Grimassen schneiden. Plaka ist eine von vielen Kreativen an diesem Abend, die beim 9. Sommerfest der Kreativwirtschaft auf dem Gründercampus so etwas wie ihr Jahrestreffen feiern. Veranstaltet wird das Fest von der städtischen Wirtschaftsförderung und der Gemeinnützigen Baugesellschaft GBO. Worum es hauptsächlich geht, erzählt Oberbürgermeister Horst Schneider: „Vernetzen Sie sich und sprechen Sie nicht nur mit Leuten, die Sie schon kennen.“ Gelegenheiten hierzu gibt es viele: 18 im Ostpol ansässige Unternehmen stellen sich vor, die Bandbreite reicht vom Reisebüro über Filmschaffende bis hin zu Architekten.

Michael Gruber sorgte mit seinem Team für volle Mägen.

Hinzu kommen 280 Besucher aus Offenbachs Kreativwirtschaft. Dazu, erklärt Jürgen Amberger, Chef der Wirtschaftsförderung, gehört jeder, der mit dem Kopf arbeitet, sei es ein Anwalt oder ein Komponist. So treffen zum Beispiel der CDU-Stadtverordnete Roland Walter, der eine Verpackungsfirma betreibt und der Schöpfer des Offenbach Biers, Josep Budimir aufeinander. Es laufe gut, erzählt Budimir, die Nachfrage sei da. Ein Blick in die Runde lässt daran wenig Zweifel, haben doch deutlich mehr Besucher im Innenhof eines seiner Biere in der Hand als eines von der Markenkonkurrenz.

Drinnen treffen unterdessen auch die Ostpol-Unternehmen selbst aufeinander. Das Team von „InZwischenZeit:Filme“ etwa hat Besuch von den „Medea Medien“. Während erstere Werbefilme herstellen, haben sich letztere auf die Postproduktion und Animation bei Filmen spezialisiert. Und so fragt Alicia-Eva Rost, Geschäftsführerin von „InZwischenZeit“, Max Sternkopf von „Medea“, ob er nicht Bedarf an einem Praktikanten hätte; ein syrischer Flüchtling, der gerade noch in ihrem Team mitgearbeitet hat. Sternkopf wiederum hätte Experten in Sachen Videoschnitt zu bieten. Auch wenn sie alle erst um die 30 sind, wurde in dem Ostpol-Büro schon manche Erfolgsgeschichte geschrieben. Mit das erste, was internationale Gäste in der Region sehen, ist nämlich ein Werk aus Offenbach: Der Fraport-Werbefilm, der auch am Frankfurter Flughafen zu sehen ist, kommt aus dem Unternehmen von Alicia-Eva Rost.

Bilder zum Bieberer Markt 2016

Eine Erfolgsgeschichte hat auch Christina Plaka geschrieben oder vielmehr gezeichnet. Schon von Kindesbeinen an, erzählt sie in ihrem Vortrag, habe sie sich für Mangas, die japanischen Comics, begeistert. Heute gilt die 33-Jährige mit griechischen Wurzeln als die bekannteste Manga-Zeichnerin Deutschlands. Vermittelt sie den Besuchern des Festes noch, wie man die ersten Striche zieht, will sie bald zeigen, wie man es von da aus schaffen kann, einen Manga selbst zu entwerfen. Im September eröffnet sie auf dem Gründercampus mit „i am mangaka“ die erste Manga-Zeichenschule Deutschlands. Wöchentlich wird es Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse geben sowie ein altersgemäßes Angebot für Grundschüler. Vom gezeichneten Szenenbuch über das Charakterdesign bis hin zum Tuschen werden ihre Schüler mit einem Rundumpaket versorgt. Plaka will aber auch ihren japanologischen Hintergrund nutzen - sie hat zwei Jahre in Kyoto gelebt und studiert - und den Teilnehmern kulturelle und narratologische Eigenheiten vermitteln.

Dass sich an den Stehtischen im Hof auch noch am späten Abend immer wieder Gruppen neu zusammenfinden, ist ganz nach dem Geschmack von Jürgen Amberger. Genau so sei das gedacht, weshalb man sich auch Mühe gegeben habe, mit dem Catering von Michael Gruber vom Rhein-Main-Partyservice, einem Crêpes- und einem Kaffeestand für die richtige Atmosphäre zu sorgen. In solch einem Rahmen könne man sich ungezwungen kennenlernen und damit die Basis für eine spätere Geschäftsbeziehung legen, so Amberger.

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