Sonderausstellung im Ledermuseum

Lebenskreis in Leder

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Ausgewählt: Einige der insgesamt 30 000 Objekte des Ledermuseums wurden für die neue Schau modern inszeniert.

Offenbach - Heller, großzügiger, offener – mit einer neuen Präsentation bringt das Deutsche Ledermuseum ein Jahr vor seinem 100. Geburtstag frischen Wind ins Haus. Von Lisa Berins 

Im Fokus der neuen Sonderausstellung „Leder – Begleiter durchs Leben“ stehen einzelne Objekte, die ihre Geschichten erzählen. Ein Fußball, aus Leder, mit groben Stichen zugenäht. Die dunklen Stellen verraten, dass mit dem 1920er-Jahre-Stück tatsächlich einmal gekickt wurde. Das Sportgerät ist – in moderner Form – derzeit nicht nur im Fernsehen omnipräsent, sondern auch ein kleiner Star des Ledermuseums; zu sehen ist der Ball auf Plakaten und Flyern, die die neue Sonderausstellung bewerben und für ein neues Image des Hauses stehen.

Inez Florschütz, seit anderthalb Jahren Direktorin des Museums, hat sich mit ihren Mitarbeiterinnen in den vergangenen sechs Monaten die eher dunkle und teilweise angestaubte Präsentation vorgeknöpft und ihr einen neuen, modernen Look verpasst – zwar erst einmal nur in einem Raum, doch sei eine Ausweitung auf die restlichen 3 800 Quadratmeter vorstellbar. „Es ist erst einmal ein Anfang“, sagt die Direktorin, die in den neu gestalteten Ausstellungsteil führt.

Eine große Glasvitrine steht in der Mitte des Raumes. In ihr sind keine Wände eingezogen, stattdessen stehen schlichte weiße Podeste in der luftigen Glasbox. Einzelne, ausgesuchte Exponate werden von kleinen LED-Spotlights angestrahlt.

Es sind exquisite Objekte, aber auch einfache Alltagsgegenstände aus Leder, aus verschiedenen Zeiten und Kulturen, die dem Besucher präsentiert werden: eine Kindertrage des Omaha-Stammes aus den USA von 1870 etwa, ein Inuit-Nähbeutel aus Seerobbenleder, Brillenetuis aus Rochenhaut – exotische Gegenstände stehen im Dialog mit bekannten, in Offenbach hergestellten Waren, wie etwa einem Schultornister oder einer goldenen Handtasche aus dem Hause Comtesse. Seit den 1970er Jahren ist sie bei modebewussten Japanerinnen ein Renner.

Zu den wertvollen Stücken gehört ein Spielzeugelefant des späteren Königs Ludwig XV. von Frankreich. Er wurde aus einer Ecke der alten Präsentation geholt, aufwendig restauriert und glänzt nun im puristischen Ambiente. Umgezogen ist auch die Haut eines riesigen Alligators – sie ist jetzt im Museumscafé zu bestaunen.

Was sich zunächst wie wild zusammengewürfelt anhören mag, folgt der Florschütz’schen Logik des „Querdenkens“: Über die Grenzen der Bestände von angewandter Kunst, ethnologischer Sammlung und Schuhmuseum hinweg sollen neue Themen gefunden werden. Der Blick werde sich weiten, es könnten demnächst auch neue, alternative Materialien eine Rolle spielen.

„Leder – Begleiter des Lebens“, Eröffnung am Samstag, 18 Uhr, zu sehen bis Ende 2016, geöffnet Di-So 10 bis 17 Uhr.

In der neuen Präsentation sind die Objekte in einer Art Kreislauf des Lebens angeordnet: „Die Idee ist, dass wir einen fiktiven Lebenslauf anhand von Objekten nachzeichnen“, sagt Inez Florschütz. Und so endet der kleine Rundgang um die Vitrine mit einem ägyptischen Totenkranz aus dem 1. bis 3. Jahrhundert vor Christus. Er wurde dem Verstorbenen ins Grab gelegt, griffbereit für das Vorsprechen beim Totengericht. Sich selbst hat das Ledermuseum mit der modernen, spannenden Präsentation eine Art eigene Wiedergeburt beschert – kurz vor seinem 100. Geburtstag, der im nächsten Jahr gefeiert wird.

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