Fazit des Gewerbevereins durchwachsen

Bieberer Markt: Mit der Sonne kamen die Gäste

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Sommerkleid statt Regenjacke: Als die Sonne endlich herausgekommen war, erfreuten sich die Besucher des Bieberer Markts an der Modenschau aus dem Hause Zwicklbauer.

Bieber - Der Regen durchkreuzte zunächst die Pläne für den Bieberer Markt: Beinahe hatten Gewerbetreibende, Künstler und Vereine schon kapituliert, als sich doch noch die Sonne blicken ließ – und mit ihr Besucherströme. Von David Heisig

 Trotzdem zieht der Gewerbeverein ein durchwachsenes Fazit. Aus den Boxen vor der Sparkasse tönt das Lied „Abenteuerland“ von Pur mit der Zeile „der triste Himmel macht mich krank“. Zur Eröffnung des Bieberer Markts am Sonntag trifft sie zu. Es gießt wie aus Kübeln, der Wind peitscht die Tropfen die Aschaffenburger Straße, eigentlich Flaniermeile, hinunter. „Es wäre schade, wirklich schade“, betont Egbert Färber vom Gewerbeverein und schaut wie andere Eröffnungsgäste gen Himmel.

Die Bank hat zum Glück einen schützenden Vorbau. Unter den rettet sich Andreas Leonhardt vom TV Bieber. „Ich habe meinen Teller leer gegessen“, scherzt er. „Das sagen jetzt alle“, witzelt Färber zurück. Den Spaß will man sich nicht verderben lassen. Absagen ist keine Option. Auch wenn man Elfriede Ring vom Gewerbeverein die Enttäuschung ansieht. Von 107 gemeldeten Ausstellern habe „gefühlt die Hälfte“ gar nicht aufgebaut oder packe wieder zusammen, sagt sie.

Beim Stand für bekannte Plastikaufbewahrungsschüsseln zieht man keine guten Mienen. „Eine halbe Stunde“ gebe man dem Wetter noch. Beim Missionskreis von St. Nikolaus hat man sich unter die Partyzelte geflüchtet. Eigentlich will man mit verkauften Häppchen, Sekt und Kuchen ein Schulprojekt im Sudan über das Hilfswerk Misereor mit Spenden beglücken. Am Ende werde man zu den eigenen besten Kunden, befürchtet das Team um Gertrud und Gerhard Länder.

Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber bleibt zuversichtlich, lobt die Arbeit, die sich der Gewerbeverein alljährlich mit dem Fest macht – dem größten im Stadtteil. Schon vor vielen Jahrhunderten sei man in Bieber „frei und niemanden zu Lehen gewesen“, erzählt er. Die Bieber-Mark war eine anerkannte Währung, es wurde behänd Handel betrieben. Zur 1200-Jahr-Feier 1991 entstand beim Gewerbevereins die Idee, jedes Jahr eine Schau zu veranstalten. Im Zeitalter des Online-Handels werde der Fokus auf lokale Nähe und Beratung wichtig, erklären die Einzelhändler. Da es sich um einen verkaufsoffenen Sonntag handelt, braucht man Genehmigungen. Das könne man nicht einfach absagen, so Färber. Zudem prophezeie die Wetter-Applikation auf seinem Handy einen Umschwung am Mittag.

Bilder zum Bieberer Markt 2016

Die Freiwillige Feuerwehr ist anders informiert: durchgängig Regen und Wind. Heinz Walter von den Wehrleuten meint, die Rettungsübung, die man demonstrieren wolle, müsse entfallen. Auch die Band Mainhattan Diesel ist vom Wetter gebeutelt: der starke Regen verursachte „Kriechstrom“, der Gitarrenverstärker und Keyboards lahmlegte, sagt Hugo Reinhardt. Zwischenzeitlich habe man versucht zu improvisieren, musste das Konzert aber schließlich absagen.

Doch dann kommt doch der ersehnte Umschwung: Der Himmel reißt auf, die Sonne kommt raus. Auf die Bieberer ist Verlass: Sie strömen „uff die Gass“, bestaunen ausgestellte Fahrzeuge, informieren sich über Dienstleistungen. Grillgeruch verbreitet sich, mit einem „Ei Gude, wie?“ stößt man an. Bernd Zelinger von der Sparkasse fällt ein Stein vom Herzen. Wenigstens ein paar gute Stunden gutes Wetter für die Anbieter wünsche er sich. Das hat er mit den Kindern im Hof der evangelischen Kirche gemein: Sie wollen auf die Torwand schießen und Bilder auf eine Drehscheibe malen. Und auch die Feuerwehr schmeißt doch noch die Rettungsschere an.

Ein paar Lücken auf der Hauptstraße fallen Besuchern auf. „Sonst war mehr“, sagt eine Dame. Organisatorin Elfriede Ring ist anzumerken: zufrieden ist sie nicht. Man müsse das Beste daraus machen, erklärt hingegen Stephan Färber. Und „die Jungen“ müssten es 2041 bei der 1250-Jahr-Feier „erst mal besser“ machen, lacht er. Vielleicht kann man dann schon per Handy das Wetter einfach „auf schön“ stellen.

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