Ausgleich für Erschließung von Bieber-Nord

Ein Gehege für die Eidechsen

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Was in Bieber-Nord an Natur wegfällt, wird nahe der Käsmühle ausgeglichen. Wo der Stummel nach der Abfahrt von der Bundesstraße 448 auf die Zufahrtsstraße zu Ausflugslokal und Waldheim-Süd trifft, entsteht eine Streuobstwiese. Die großen Einfriedungen dahinter schützen Wald-Schößlinge vor Wildverbiss.

Bieber - Zwischen Bundesstraße 448 und S-Bahn entsteht nach jahrzehntelangem Ringen das Baugebiet Bieber-Nord. Die Stadt bereitet derzeit die Erschließung vor. Notwendige Eingriffe in das noch naturnahe Gebiet werden bereits durch Umgestaltungen im Bieberer Feld ausgeglichen. Von Thomas Kirstein

Wo der Stummel nach der Abfahrt von der der Bundesstraße 448 auf die Zufahrtsstraße zum Ausflugslokal Käsmühle und zum Baugebiet Waldheim-Süd trifft, hat sich die gewohnte Landschaft verwandelt. Aus landwirtschaftlich genutztem Boden auf einem Streifen zum Wald wird eine Streuobstwiese. Daran anschließend irritieren Spaziergänger drei Einfriedungen aus Maschendraht. Wer sich der Pumpstation nähert, kann ein Gehege aus etwa 40 Zentimeter hohem Kunststoff entdecken.

Das wird der vorübergehend begrenzte Lebensraum für Eidechsen, die demnächst der Bebauung von Bieber-Nord weichen müssen. Wie Stadtplanerin Sigrid Pietsch erläutert, werden die geschützten Reptilien von Experten per Hand eingefangen und vermutlich bis Ende Mai umgesiedelt. Wenn sie sich an ihre neue Umgebung gewöhnt haben und keine größeren Reisen mehr antreten sollten, kommt das Echsen-Gehege weg.

Einen anderen Zweck erfüllen die drei weithin sichtbaren Zäune mit ihren Holztoren. Sie schützen nicht Fauna, sondern Flora. Die Stadt hat in diesen Arealen nahe dem Waldrand aufgeforstet; die Schößlinge von Eichen, Hainbuchen, Winterlinden und diversen Sträuchern sollen vor dem Appetit des Wildes im angrenzenden Lohwald bewahrt werden.

Das ist nicht mehr nötig für die schon vergleichsweise stattlichen Obstbäumchen, die die Firma Winkler aus Großzimmern sauber ausgerichtet ins Käsmühlfeld gesetzt hat. 313 werden es am Ende sein, Äpfel, Birnen, Quitten, eben „quer durch den Obstgarten“, wie Sigrid Pietsch sagt. Weitere Maßnahme zum Ausgleich für Bieber-Nord ist die Anlage von Feldgehölzen und „Grünland“, also Wiesen. In Zahlen: 45.000 Quadratmeter bislang bebautes Areal werden zum kleineren Teil Magerrasen, zum größeren sogenannte Fettwiese, 20.000 Quadratmeter werden aufgeforstet, auf 3800 Quadratmetern dürfen sich Feldgehölze entfalten.

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12,4 Hektar umfasst das künftige Baugebiet, dessen Erschließung so lange dauerte, weil mehr als hundert Eigentümer unter einen Hut gebracht werden mussten. Als sich keine Einigung abzeichnete, hat es die Stadt selbst in die Hand genommen und finanziert die geschätzten 15,4 Millionen Euro für Entwässerung, Straßenbau, Wege und Begrünung über sogenannte „Vorausleistungsbescheide“ an die Grundstücksbesitzer.

Nicht umzulegen sind die Kosten für die vom Gesetz vorgegebenen Ausgleichs- und Artenschutzmaßnahmen jenseits der Bundesstraße 448 und später noch an anderen Stellen. Die veranschlagten 500 000 Euro muss die Stadt alleine tragen. Die naturnah umgestalteten Ackerflächen waren in ihrem Besitz. Die Pflege der Streuobstanlage soll, sofern sich kein betreuender Verein findet, der ESO übernehmen, kündigt Sigrid Pietsch an.

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