8,8 Millionen Überschuss und 20 Millionen Rücklagen in 2015

Stadtwerke Holding: Ein beruhigendes Polster

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offenbach -  Die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2015 zurück. Die Unternehmensgruppe mit ihren 15 Tochtergesellschaften erwirtschaftete einen Überschuss von 8,85 Millionen Euro. SOH-Chef Peter Walther und Dezernent Felix Schwenke präsentierten gestern die Jahresbilanz. Von Matthias Dahmer

Für Walther ist es schlicht ein „super Ergebnis“. Noch nie habe man so viel Überschuss erzielt. 2014 lag das Plus noch bei etwa 5,5 Millionen Euro. Grund für die erfreulichen Zahlen seien das Ausbleiben negativer Sondereffekte sowie der Umstand, dass fast jedes der Tochterunternehmen besser abgeschlossen habe als geplant, so der SOH-Geschäftsführer. Er nennt Beispiele: Durch Neuvergabe der Reinigungsdienste standen bei der Gebäudemanagement GmbH (GBM) unterm Strich 768.000 Euro mehr. Dank gestiegener Mieteinnahmen infolge ihres Modernisierungprogramms nahm die Gemeinnützige Baugesellschaft (GBO) 363.000 Euro mehr ein. Im Geschäftsfeld Mobilität mussten die strukturell defizitären Verkehrsbetriebe (OVB) wegen gesunkener Preise weniger für Dieselkraftstoff ausgeben und der RMV reduzierte seine Umlage für den Regionalverkehr, was zusammen 921.000 Euro ausmachte. Schließlich sorgte ein gut ausgelastetes Krematorium für ein Plus von 377.000 Euro.

Positiv aufs Jahresergebnis wirkte sich zudem aus, dass die Stadt wegen guter Haushaltszahlen erneut auf die im Zuge des Schutzschirms vereinbarte jährliche Ausschüttung von bis zu drei Millionen Euro verzichtete. Dass sich die SOH laut Dezernent Schwenke „in ruhigem Fahrwasser“ befindet, ist auch dem Umstand geschuldet, dass man nur wenige Projekte von der Stadt übernommen hat. Die von der neuen Tansania-Koalition angedachte Übernahme des Neubaus der Fröbelschule durch die GBO hält Peter Walther grundsätzlich für machbar. Skeptische Untertöne angesichts noch fehlender Einzelheiten eines solchen Vorhabens sind indes sowohl bei ihm als auch bei Schwenke hörbar. „ÖPP würde man doch wohl in dieser Form nicht mehr machen“, merkt Walther an.

Zum 31. Dezember 2015 verfügte die SOH über Rücklagen von knapp 20 Millionen Euro. Mit Blick auf die kommenden Jahre kann der Stadtkonzern das Polster auch gut gebrauchen: Konnten bis 2015 die von der Energieversorgung Offenbach (EVO) abgeführten Gewinne noch die jährlichen Verluste im öffentlichen Nahverkehr (regelmäßig 7 bis 8 Millionen Euro) ausgleichen, so wird das laut Prognose von diesem Jahr an nicht mehr der Fall sein. Bis 2020 werden die Verluste des ÖPNV die EVO-Ausschüttungen um insgesamt 8,5 Millionen Euro übersteigen. Walther: „Planerisch sind damit 8,5 Millionen von 20 Millionen Überschuss schon weg.“

Zum Schwächeln des bisherigen Gewinnbringers EVO gesellt sich beim Ausblick auf die Risiken der nächsten Jahre auch der OFC. Ein wirtschaftlich schwacher Partner sei immer ein latentes Risiko, will sich der SOH-Chef keine Details zu einem Gespräch mit OFC-Verantwortlichen am Mittwochabend entlocken lassen. Er lässt aber durchblicken, dass kein akuter Handlungsbedarf besteht und das Vorgehen davon abhängt, wie das Verfahren um die drohende Insolvenz ausgeht. Gemäß dem noch ein Jahr laufenden Vertrag muss der OFC fürs Stadion 225.000 Euro Miete zahlen.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

 Ein „Liquiditätsrisiko“ nennt Walther die Verzögerungen beim Neubau des Polizeipräsidiums am Buchhügel. Die der SOH aus dem Verkauf des Geländes zustehenden zehn Millionen Euro fließen erst, wenn der vom Land auserwählte private Partner anfängt zu bauen. Das Vergabeverfahren ist zwar abgeschlossen, derzeit aber eine Hängepartie, weil ein Mitbieter gerichtlich gegen die Entscheidung vorgegangen ist. Das Land gehe davon aus, dass noch in diesem Jahr eine Entscheidung fallen werde, so Walther.

Zu den im Jahre 2015 abgeschlossenen Projekten zählen unter anderem die Rekommunalisierung der Wasserversorgung durch Übertragung an den ZWO sowie der Versuch, eine Mehrheitsbeteiligung an der EVO zu erlangen. Weil man sich mit dem Mehrheitsaktionär, der Mannheimer MVV, nicht über einen Kaufpreis habe einigen können, sei kein Ergebnis erzielt worden, man befinde sich aber weiter in Gesprächen, berichtet Walther. Für Spenden und Sponsoring wurden 2015 von der SOH rund 559.000 Euro aufgewendet. 58.000 Euro davon flossen in den Sport, 100.500 Euro in Kultur und 400.000 Euro in Soziales. Bei letzterem handelt es sich vor allem um das Projekt „Besser leben in Offenbach“, das unter anderem das Quartiersmanagement beinhaltet. 2015 beschäftigte die SOH 916 Mitarbeiter, 20 weniger als im Vorjahr. die Zahl der Azubis stieg dagegen von 32 auf 37.

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