Star-Wars-Fan Osman Göverim nutzt sein Hobby für Karitatives

Imperium am kleinen Biergrund in Offenbach

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Das Stormtrooper-Kostüm hat Osman Göverim in gut zwölf Monaten selbst gebastelt.

Offenbach - Dass Osman Göverim ein großer Star-Wars-Fan ist, wird schon beim ersten Blick in sein Café im kleinen Biergrund klar. Mit seinem Kostümclub will er aber auch Gutes tun. Von Christian Wachter 

Unweit des Rathauses geht das Böse ungestört ein und aus. Dort, am Kleinen Biergrund, treffen sich Stormtrooper, Kopfgeldjäger und Sith-Lords zu einem gemütlichen Kaffee. Natürlich ist die Kundschaft von Osman Göverim, der das Café „Stop and go - Nerds Cantina“, führt, nicht wirklich böse. Vielmehr verkleiden sich Göverim und viele seiner Gäste gerne als Protagonisten der imperialen Seite des Star-Wars-Universums. Göverim ist nämlich Mitglied der „501st Legion“, einem Kostümclub, der weltweit mehr als 5500 Mitglieder hat. An seinem „Stormtrooper“ hat Göverim über ein Jahr gearbeitet. Ist ein Kostüm fertig, müssen Fotos an die Experten des Clubs geschickt werden, die dann überprüfen, ob die Kluft den Ansprüchen der Legion genügt.

In ihrer Verkleidung kämpfen die Star-Wars-Fans dann aber nicht gegen Rebellen, sondern tun Gutes. So beteiligen sie sich etwa an Charity-Aktionen, oder, wie berichtet, an einem Sommerfest der AWO. Den Mitgliedern, erklärt Göverim, gehe es nicht darum, etwas zu verdienen. „Wir haben Spaß und können Menschen eine Freude machen, was gibt es Schöneres?“ Strahlende Gesichter, erzählt Göverim, seien Lohn genug, auch wenn ihm andererseits manche Begegnungen, wie die in einem Kinderhospiz, sehr nahe gingen. Umso wichtiger sei es, sich an die Vorgaben des Clubs zu halten. „Wir wollen Vorbilder sein und es gibt Regeln, wie wir uns in unseren Kostümen zu verhalten haben.“ Rund 30 Veranstaltungen besucht Göverim so im Jahr. Ob da noch Zeit für die Familie bleibt? „Klar, meine Frau ist auch Mitglied“, sagt er schmunzelnd. Und seine beiden Söhne habe er zumindest so weit, dass sie die Star-Wars-Filme gerne mit ihm schauen.

Star Wars: Eine Welt und ihr Schöpfer

Wie sehr sich der Mittvierziger mit Star Wars beschäftigt, macht sein Café mehr als deutlich: Im Schaufenster steht der Roboter R2D2 - inklusive Computerchip und Spracherkennung. Die Theke ist ein Nachbau der Bar aus der Cantina im Film „Krieg der Sterne“, eine Möbelhaus-Leuchte wiederum hat der Bastler zu einem aufklappbaren Todesstern umgebaut.

Seine Passion ist auf der Speisekarte verewigt, die es auch in der Star-Wars-Sprache Aubresh gibt. So stehen darauf die „Blaue Milch“ oder ein „Imperiales Frühstück“. Sein Café, so Göverim, solle auch ein Treffpunkt für Nerds sein, um über ihre exzessiv betriebenen Hobbys zu sprechen; sei es über Sammelkarten, Online-Rollenspiele oder über Science-Fiction-Filme. „Wobei ich einem Star-Trek-Fan neulich gesagt habe, dass das hier meine Welt ist“, sagt er lachend.

Beim Blick in diese Räumlichkeiten möchte man kaum meinen, dass es Göverims Eltern waren, die dort einst einen Lebensmittelladen betrieben - und zwar schon 1964, nachdem sie aus ihrer Heimat in Istanbul nach Offenbach gezogen waren. Gövrim, der das Café seit nahezu zehn Jahren betreibt, und den Fokus zu Beginn noch auf das Thema USA legte, berichtet stolz: „Das war damals der erste türkische Lebensmittelladen in Offenbach.“ Göverim ist beruflich herumgekommen, bevor er den Laden übernahm: Als gelernter Druckvorlagenhersteller hat er beispielsweise beim kartographischen Institut des ADAC gearbeitet.

Ein sehr gelungenes Stück Integrationsgeschichte also. Deshalb sind Bilder von Göverim sogar beim Auftritt der Stadt Offenbach auf der Biennale in Venedig ausgestellt. Auf den Fotos dort posiert er aber nicht nur in Star-Wars-Montur, sondern auch vor einem Hummer-Geländewagen. Göverim hat nämlich ein zweites großes Hobby: Mit seinem dreieinhalb Tonnen schweren Vehikel durch Europa fahren - bevorzugt Offroad. „Am liebsten bin ich auf altem Militärgelände unterwegs, was der ADAC als Offroad-Piste ausgibt... da komm ich mit dem Fahrrad hoch.“

Weil Göverim aber seine Hobbys nun mal gerne mit anderen teilt, hat er den „Hummer X Club“ gegründet. Und so ist er meist mit vielen Vereinsmitgliedern gemeinsam auf Tour. Das Heck seines Hummers ziert dabei natürlich ein Aufkleber der „501st Legion“.

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